Hochschulzulassung Schavan hofft auf Konsens

Im Streit um die Studienzulassung setzt die Bundesbildungsministerin auf eine freiwillige Kooperation der Hochschulen. SPD, Grüne und Linke fordern ein Bundesgesetz

Der monatelange Streit um die Studienzulassung in begehrten Numerus-clausus-Fächern konnte auch bei einem Krisengespräch, zu dem Bundesbildungsministerin Anette Schavan geladen hatte, nicht beigelegt werden. Vertreter der Kultusministerkonferenz (KMK), der Zentralen Vergabe von Studienplätzen (ZVS) und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hatten am Montag daran teilgenommen.

Derzeit bestehen örtliche Zulassungsbeschränkungen für jeden zweiten der 11.000 Studiengänge in Deutschland. Schätzungen zufolge werden 20 Prozent der Plätze in begehrten Fächern blockiert, weil sich Studienanfänger an mehreren Universitäten gleichzeitig bewerben.

Ein internetgestützer Datenabgleich soll helfen, das Chaos zu beenden. Mit der Entwicklung hatte Schavan Software-Spezialisten des Fraunhofer-Instituts für Rechnerarchitektur beauftragt. Das aufwendige Computersystem soll bei der ZVS in Dortmund installiert werden. Doch dabei gibt es mehrere Probleme: Eine bereits  zugesagte Bundeshilfe in Höhe von 15 Millionen Euro für die Entwicklung hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages wegen des monatelangen Streits zwischen Hochschulrektorenkonferenz und ZVS gesperrt.

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Zwar erwartet Schavan, dass die Mittel freigegeben werden, räumte aber gleichzeitig ein, dass für die Entwicklung und Einrichtung des Computersystems mehr als ein Jahr Zeit nötig sei. Ein weiteres Problem: Die Teilnahme ist den Hochschulen freigestellt - für SPD, Grüne und Linke ist das inakzeptabel. Sie fordern ein Bundesgesetz, das die Teilnahme aller Hochschulen an dem Verfahren sicherstellt.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), rief Schavan dazu auf, darin auch Form, Fristen und den Ort der Bewerbung festzulegen. Auch nach der Föderalismusreform sei der Bund für die Hochschulzulassung wie für die Abschlüsse zuständig. Schavan dürfe nicht länger in "unverbindliche Gesprächsrunden flüchten", sondern müsse Verantwortung übernehmen.

Leser-Kommentare
    • yohak
    • 10.02.2009 um 13:03 Uhr

    Wenn man das zentrale Zulassungsverfahren über die ZVS durch lokale Zulassungsverfahren an den einzelnen Universitäten ersetzt, führt dies
    natürlich dazu, dass sich Studieninteressanten an mehreren Universitäten gleichzeitig bewerben. Dabei kommt es natürlich dazu dass ein Bewerber auch mal mehrere Zusagen erhält. Die daraus resultierenden Probleme sind nicht überraschend, sondern für jeden vorhersehbar.
    Leider gilt hier wie auch bei vielen anderen Hochschulreformen: HRK & Politik reformieren einfach fröhlich drauflos, ohne sich die Mühe zu machen, die Konsequenzen zu bedenken und die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Es gibt durchaus Argumente für eine Verlagerung der Zulassungsverfahren von der ZVS auf die einzelnen Unis. Aber wenn man das beschliesst, muss man vorher über die notwendigen Begleitmassnahmen nachdenken, und nicht (wie bei HRK und den Ministern üblich) erst hinterher.

  1. Hier muss dringend eine Entscheidung her. aber wer soll das machen?
    Frei nach dem Motto:
    "denn sie wissen nicht, was sie tun" werden erst wieder Arbeitskreise zusammengerufen, Kommisionen gegründet und viele Sitzungen abgehalten.
    Aber solange uns so Leute regieren, kann man nicht viel erwarten Hier unsere Justizministerin (zuständig für z.B. das Online-Widerrufsrecht)

  2. avianusfabulus

    die vorgaben wären klar:

    1. nur 1 bewerbung und 1 ersatz-uni. - rest kommt in einen pool.

    2. zuständig bundestag, länderparlamente, ergebnis: bundesgesetz.

    die frühstücks-konferenzen dieser bildungspolitiker und ihrer funktionäre an den hochschulen strotzen vor quasselei.

    man versetze sich in

    1. abiturient + landkarte germanien + budget
    2. die armen sachbearbeiter an der uni 9-12 uhr.

    das ganze ist reif für eine verfassungsklage, wenn schavan nicht in der lage ist, in 8 wochen ein bundesgesetz zu formulieren.
    tempo kennt die regierung nicht, konfusionen allenortens: abwrackprämie, wirtschaftshilfe für provisionen der banker-kaste (erinnere an liechtenstein und freudentanz steinbrück etc.pp) - aber schauen sie sich bitte selbst die aktiven parlamentarier an....kleine runde eben. faulpelze.

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