Geld aus dem Netz Gute Kredite, schlechte Kredite

Spezielle Internet-Plattformen vermitteln Darlehen von Privat zu Privat. Manche funktionieren gut und verlässlich. Nicht alle sind seriös

Zimmermeister Mike Mältzer brauchte einen Kredit. Den Auftrag für ein Haus aus Naturstammhölzern hatte er in der Tasche, die Materialien mussten gekauft werden. Der Kunde jedoch wollte nicht in Vorleistung gehen. Früher hätte sich Mältzer an seine Bank gewandt, um die Finanzierung des Auftrags zu sichern – und eine kräftezehrende Prozedur hätte begonnen.

Diesmal versuchte er sein Glück auf Smava, einer Internetplattform, die Kredite von Privat an Privat vermittelt. Anfang vergangenen Jahres veröffentlichte er bei Smava seinen Kreditwunsch. Zehn Tage später hatte er die benötigte Summe von 11.000 Euro zusammen. Insgesamt 23 Kleinanleger fanden sich, die ihm zum Zinssatz von elf Prozent Beträge zwischen 250 Euro und 1500 Euro zur Verfügung stellten. "Vollkommen einfach und unkompliziert" sei das Verfahren gewesen, freut sich Mältzer.

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Dabei hatte der Handwerksmeister aus dem brandenburgischen Fredersdorf allerdings Glück. Kredite von und an Privatpersonen übers Internet gibt es mittlerweile seit mehr als zwei Jahren; seit Anfang 2008 sind sie auch für Gewerbetreibende erhältlich. Privathaushalte nutzen die Plattformen beispielsweise, um den nächsten Urlaub, die Erstausstattung für die Zwillingsbabies oder Renovierungsarbeiten an Haus und Wohnung zu finanzieren.

Nicht alle Anbieter sind jedoch seriös. Dirk Morina beispielsweise, Geschäftsführer von Elolly, einem Anbieter der ersten Stunde, prahlte noch vor einem Jahr mit einem angeblich für Kredite zur Verfügung stehenden Kapital von 157 Millionen Euro. Als seine Seite an den Start ging, kassierte Morina von jedem potenziellen Kreditnehmer eine Aufnahmegebühr von 9,50 Euro. Wenig später verschwanden nach und nach seine Kontaktdaten von der Homepage. Heute finden die Nutzer dort nur noch ein weinendes Baby und den Hinweis, es doch später noch einmal zu versuchen. Nicht nur Verbraucherschützer haben den Verdacht, dass auch manchem Kunden inzwischen zum Heulen ist.

Stefanie Laag, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW, warnt nicht grundsätzlich vor der Idee, Kredite von Privat an Privat zu vermitteln. Entscheidend sei, wie die Plattform funktioniere. Das Angebot von Smava beispielsweise hält sie aus zwei Gründen für seriös: Erstens wird erst zur Kasse gebeten, wenn tatsächlich ein Darlehensvertrag zustande kommt. Zweitens treffen Kreditnehmer und  -geber nicht direkt aufeinander. Smava arbeitet mit der deutschen Bank für Investments und Wertpapiere AG (BIW) zusammen.

Das Verfahren: Zuerst stellt der Kreditnehmer sein Gesuch in Netz. Finden sich dann Darlehensgeber, die in das Projekt investieren wollen, zahlen sie das Geld auf ein Konto der Bank. Die BIW prüft die Bonität, vergibt dann das Darlehen und zieht auch die Raten ein. Zahlt der Schuldner nicht, wird ein Inkassounternehmen eingeschaltet.

Für Geldgeber ist das sehr sicher. Für die Schuldner können die Chancen auf einen Kredit größer sein als bei einer Bank, denn sie  können durch ihre Projekte überzeugen. Ein Tischler aus Berlin kennt die Probleme der Branche und ist somit vielleicht eher bereit, einem Tischler in Regensburg eine neue Hobelbank zu finanzieren als das Computerprogramm einer Bank, das nach rein finanziellen Kriterien entscheidet.

Unsicherer sind Anbieter, die wie Anzeigenbörsen funktionieren, wie Money4friends. Sie knüpfen lediglich einen Kontakt zwischen den Parteien. Aus dem eigentlichen Kreditgeschäft halten sie sich heraus. Das bedeutet, die Beteiligten müssen selbst einen realistischen Zinssatz aushandeln und akzeptable Modalitäten finden.

Das hat Nachteile. Bei Money4friends zahlen Kreditsuchende schon Gebühren, bevor überhaupt ein Kredit zustande kommt. Finden sie niemand, der ihnen etwas leiht, ist das Geld weg. Darüber hinaus könnten sie verleitet werden, aus Not auch überzogene Zinsen zu akzeptieren. Kreditgeber müssen sich selbst um Sicherheiten bemühen – zahlt ihr Schuldner nicht, verhilft ihnen niemand zu ihrem Geld. Nicht einmal das Postident-Verfahren ist vorgeschrieben. All das öffnet Betrügern Tür und Tor.

Derzeit ist Money4friends der einzige Anbieter, der nach diesem Prinzip agiert. Prinzipiell können aber jederzeit neue Börsen hinzukommen. In den vergangenen beiden Jahren gab es mehrere Plattformen, die nur sehr kurzzeitig agierten und dann ihre Seiten wieder schlossen. Fachfrau Laag rät deshalb Kreditgebern wie -nehmern, sich immer genau zu informieren.

Sein Geschäftsmodell umgestellt hat inzwischen der Anbieter Auxmoney. Ebenfalls als reine Anzeigenbörse gestartet, hat man nun auch ein Kreditinstitut ins Boot geholt, die SWK-Bank. Sie wickelt den Zahlungsverkehr ab. Auf den ersten Blick gleicht das Angebot damit dem von Smava. "Doch Vorsicht", warnt Verbraucherschützerin Laag. "Es gibt durchaus noch kleine, aber feine Unterschiede." Welche Sicherheiten ein Schuldner bieten muss und wie die Geldgeber im Fall von Kreditausfällen unterstützt werden, sei keineswegs eindeutig geregelt.

Auch die Gebührenordnung von Auxmoney ist Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. Die ersten 9,95 Euro werden nämlich nach wie vor noch vor der Kreditvergabe fällig. Das ermögliche ein schnelleres Verfahren, sagt Philip Kamp, PR-Manager der Plattform. Experten sind jedoch skeptisch. Exakte Zahlen hat zwar niemand. Doch Insider gehen davon aus, dass auf Auxmoney nur rund fünf Prozent der Kreditsuchenden auch ein Darlehen erhalten.

 
Leser-Kommentare
  1. ... für diesen Link:
    http://www.sffo.de/sffo/s...

    Der Artikel von Frau Woeckel zeigt so wunderschön die Perversität des Zinskapitalismus, wie schon lange keiner mehr.

    Jemand der bereit ist eine Leistung zu vollbringen, kann dies nicht, weil ihm Zahlungsmittel zur Materialbeschaffung fehlt, deshalb muss er es von Zahlungsmittelbesitzern leihen und diese dafür bezahlen.

    Wenn es gar kein Geld gäbe, würde dieses Paradox gar nicht existieren, sondern ich nähme eine Leistung in Anspruch und zahlte mit einer anderen. Da bleibt nirgendwo Raum für nichtstuende kassierende Schmarotzer. Leider funktioniert das nicht in einer hoch arbeitsteiligen Gesellschaft, deshalb wird es Zeit, diese Art von Kapital-Schmarotzertum endlich mit Freigeld zu bekämpfen.

  2. 2. Zahlen

    Zahlen (Statistiken) zu Smava und Auxmoney gibt es online
    http://www.wiseclerk.com/...
    http://www.wiseclerk.com/...

    Zu dem genannten Anbieter Money4friends sei übrigens ein Blick in dessen Impressum empfohlen - Unternehmenssitz ist Litauen.

    Gruß,
    (...)

    [Entfernt. Bitte bedenken Sie, dass Werbung im Rahmen dieser Plattform nicht erwünscht ist. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

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