Technik Reisen für Couch-Potatos
Per Internetradio auf dem Sofa um die Welt
Technik kann begeistern. Wenn sie funktioniert. Und noch mehr, wenn sie uns plötzlich und unerwartet in fremde Welten versetzt. Meister hierin sind Internetradios. Die Geräte, nicht größer als herkömmliche Radios, haben es in sich: Sie entführen uns auf Hörreisen rund um den Globus.
Für Menschen, die daheim bleiben müssen oder wollen, bieten Internetradios hervorragende Möglichkeiten. Sie wünschen sich noch einmal in die Taverne Ihres letzten Urlaubs? Kein Problem, griechische Stimmen und Musik versetzen Sie zurück. Sie sind Indienliebhaber oder Bollywood-Fan? Mehr als 50 Sender, ausschließlich der Filmmusik gewidmet, laden zu Karaoke non-stop mit Shahrukh Khan und anderen indischen Filmsternchen ein. Erinnerung an das Chillen auf der sonnigen Skihütte in den Alpen gefällig? Einfach das Internetradio neben den heimischen Liegestuhl stellen und das Urlaubsgefühl mit Dutzenden Sendern mit Lounge-Musik bis zur nächsten Saison verlängern.
Doch auch weniger Reiselustige kommen auf ihre Kosten. Die Reise zum Auswärtsspiel des Lieblingsfußballvereins verpasst? Internetradios übertragen jedes Spiel der 1. und 2. Liga in voller Länge. Wer lange Zeit mit Radio1 den Alltag in Berlin bewältigte und nach Jahren dieser Koexistenz in andere Regionen Deutschland verschlagen wurde, kann den geliebten Heimatsender auch im tiefsten Bayern über sein Internetradio empfangen, und Exil-Schwaben ist es möglich, auch in der norddeutschen Tiefebene den Tag wieder mit SWR3 zu beginnen.
Die technischen Hybride aus Computer und Kofferradio sind, und hierin liegt der Clou, das Best-of von beidem und bestechen durch ihre Einfachheit. Ohne Programmierung erscheinen die Sendeanstalten der ganzen Welt auf dem scheckkartengroßen Display. Mehr als 10.000 stehen zur Auswahl, nach Kontinenten und Ländern, nach Genres und Epochen geordnet. Ein kurzer Knopfdruck, und das Frühstücksradio aus Sydney erklingt im breiten australischen Slang. Oder die Radiostationen aus Afghanistan oder dem Irak, deren Musikprogramme eine derartige Lebensfreude ausstrahlen, als wollten sie unsere Vorstellungen vom Leben in den kriegszerstörten Ländern auf den Kopf stellen.
Eigentlich magisch werden Internetradios jedoch durch ihren Klang. Wer sich über sie in die Sendestationen der Welt einwählt, meint sich direkt im Wohnzimmer eines anderen Landes wiederzufinden. Stimmen und Musik werden in UKW-Qualität übertragen. Sender wie Radio Liban Libre oder Arman FM Kabul erklingen mit derselben akustischen Vertrautheit wie die Stimmen der heimischen Moderatoren auf NDR oder HR3. So zappt man sich durch den Dschungel der Kulturen, während man beim Abwasch steht, auf der Couch oder im Bett liegt, und meint, die Welt bei sich zu Gast zu haben. Nur Stimmen aus dem All könnten diese Erfahrung noch überbieten.
Der große Vorteil des Internetradios ist seine Einfachheit. Weniger ist hier mehr. Die Geräte passen über jede Spüle, neben jedes Kopfkissen, sind klein und smart designt und kinderleicht zu bedienen. Sie wählen sich direkt über das Internet ein und benötigen keine Verbindung mit einem Computer, sondern suchen sich ihren Weg über einen Router und das Telefonnetz.
- Datum 05.02.2009 - 18:01 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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