Ministerwechsel "Natürlich hat die Union Wirtschaftskompetenz"

Der CDU-Wirtschaftspolitiker Andreas Lämmel erklärt, warum er den neuen Wirtschaftsminister Guttenberg erst kritisiert hat, ihn aber nun doch positiv bewertet

ZEIT ONLINE : Herr Lämmel, jetzt ist ein junger Außenpolitiker ins Wirtschaftsministerium eingezogen. Gibt es in der Union, der Partei Ludwig Erhards, keine guten Wirtschaftspolitiker mehr?

Andreas Lämmel : Doch natürlich. Wirtschaftskompetenz ist bei der Union qualitativ und quantitativ nach wie vor vorhanden. Nur kommt in der Großen Koalition nicht alles so zu tragen, wie man sich das vorstellt.

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ZEIT ONLINE : Wie meinen Sie das? Kann sich die Kanzlerin nicht durchsetzen gegen die Steinbrück-SPD und die Seehofer-CSU?

Lämmel : Die inhaltliche Ausgestaltung ist eine andere, als würden wir allein oder mit der FDP regieren. Unsere Koalition besteht aus zwei Parteien, manchmal sogar aus dreien – mit der CSU. Da gibt es natürlich immer kontroverse Verhandlungen und Kompromisse.

ZEIT ONLINE : Ist Guttenberg eine gute Wahl als Wirtschaftsminister?

Lämmel : Er hat ein schweres Amt übernommen, keine Frage. Ich kenne ihn aus dem Parlament als außenpolitischen Experten. Er tritt grundsolide und zuverlässig auf. Seine außenpolitischen Kontakte kann er sicher gut nutzen, sie sind in Zeiten der globalen Wirtschaftsverflechtung dringend nötig.

ZEIT ONLINE : Aber haben Sie nicht selbst gestern noch gesagt, dass sie einen "ausgewiesenen Wirtschaftspolitiker" als Minister bevorzugt hätten?

Lämmel : Natürlich hätte ich mir einen ausgewiesenen Wirtschaftsfachmann gewünscht. Ich habe aber keinen Zweifel, dass Herr zu Guttenberg das Amt bewältigen wird. Es ist ein mutiger Schritt. Aber so ein junger Mann kann in einem Ministerium neue Wege beschreiten.

ZEIT ONLINE : Wie haben Sie im Wirtschaftsausschuss reagiert, als sie erfuhren, wer ihr neuer zuständiger Minister ist?

Leser-Kommentare
  1. Die Fakten lassen seine Zusicherungen wie eine Gute-Nacht-Geschichte dastehen, die niemand wirklich aufhorchen lässt für die schon oft beschworene Wirtschafts-Kompetenz, die der momentanen Hilfspaketen-Hektik niemand ernsthaft ansehen kann.
    Dass es die CDU mit ihren "christlichen Regungen" schon immer magnetisch zu den Besitzenden "gezogen hat", kann hier nicht mehr als Indiz dafür gelten.

  2. Eine der ersten bekannt gewordenen Äußerungen des designierten Wirtschaftsministers von Guttenberg war, daß es keine neuen Konjunkturprogramme geben werde. Damit hätte er sich streng genommen schon disqualifiziert, denn mittlerweile pfeifen in Berlin die Spatzen vom Dach, daß weder das erste Konjunkturprogramm, das nicht so heißen wollte, noch das zweite, das dann endlich so genannt wurde, aber auch keins ist, dem Ausmaß der finanziellen Krise angemessen ist. Man kann wirklich nur hoffen, daß der junge Minister es schafft, sich aus der babylonischen Gefangenschaft der verhängnisvollen Finanzpolitik seines Kabinettskollegen an der Spitze des Finanzministeriums, vor allem aber, dessen Staatssekretär Asmussen zu lösen.

  3. Es ist einer der wenigen positiven Aspekte dieser Tage, dass man parteiübergreifend - links wie rechts - das Scheitern der Scheinriesen und Parolenproduzenten konstatieren kann. Diese Krise lässt sich weder aussitzen noch mit den üblichen politischen Weichspülern auflösen. Bisher hat in allen Parteien und vielen Situationen das Befolgenden des Mottos "fehlende Kompetenz kann durch stramme Parteiräson ersetzt werden" ausgereicht. Damit ist jetzt Gott sei Dank Schluss. Jetzt werden eher Quer- wie Lineardenker, aber vor allen Dingen Selbst-Denker wie -macher gebraucht. Und gerade diese Spezies wurde in den letzten Jahren in allen Parteien ausgerottet. Mit panischen Parteisoldaten ist auf jeden Fall kein Krieg zu gewinnen.

    Unser Leben ist das, was unsere Gedanken aus ihm machen. (M. Aurel)

    • gayorg
    • 12.02.2009 um 20:07 Uhr

    was für ein Familienunternehmen hat der Neue geleitet ? bitte eindeutige belege un d nicht abschreiben

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