Schriftsteller Bewahrt uns vor schlechten Büchern!Seite 3/3
Beuse: Ist das so? Das wäre in der Tat bedauerlich! Und natürlich sehe ich meine Prosa – wie auch die von Peter Stamm – eher in der Hemingway- und Carver-Erzähltradition. Autoren also, die statt tiefenpsychologischer Exkursionen die Seelenzustände ihrer Figuren in die Außenwelt spiegeln. Wenn bei Hemingway oder Carver jemand traurig ist, wird es vermutlich regnen. Das ist mir sympathisch, weil eine komplexe Stimmung in ein einfaches Bild übersetzt wird.
ZEIT ONLINE: Jede literarische Schule muss sich gegen die Vorwürfe der anderen literarischen Schulen erwehren. Welchen Rat würden Sie den Vertretern einer sich politisch engagierenden Literatur mit auf den Weg geben?
Beuse: Erstmal ist wohl jede Literatur, die aus einer bestimmten Dringlichkeit erwächst, im Wortsinn politisch. Mit dieser Dringlichkeit hängt auch mein einziger Rat an alle Schreibenden zusammen: Lasst sofort den Stift fallen und fasst ihn bitte nie wieder an, wenn ihr nicht spürt, dass ihr das, was ihr tut, tun müsst. Ihr bewahrt damit die Welt vor einer Flut belangloser Bücher und schont die Umwelt!
Das Gespräch führte Martin Brinkmann
- Datum 10.02.2009 - 09:44 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Jetzt sind Schriftsteller auch schon Leistungsträger. Eingehegt im ökonomischen Standort Deutschland. Danke für den Bescheid!
Ein Leistungsträger der jungen deutschen Literatur, klasse! Mich hat ehrlich gesagt der Inhalt des Interviews nicht annähernd so interessiert, wie mich dieser Ausdruck begeistert hat. Da sag noch mal einer das Feuilleton sei nicht innovativ, sondern nur eine Quatschmaschine, die sich um irgendwelche mehr oder weniger intelektuelle Nabelschauen drehe. Oder handelt es sich hier um einen Rückgriff auf den frühsowjetischen Legojargon mit seinen Aktivisten und Traktoristen und elektrifizierten Proletariern, die den Kapitalismus überwinden wie hyperaktive Heinzelmännchen?
Anyway, ich freue mich auf jeden Fall schon mal auf die Bekanntgabe der Verleihung des großen internationalen Preises für den literarischen Maximallastträger des Jahres, vulgo auch als Nobelpreis für Literatur bekannt, und die unvermeidliche feuilletonistische Begleitmusik.
Den Autor ernennen wir bis dahin zum Stachanov-Feuilletonisten und freuen uns alle über den revolutionären Impetus, der aus diesem Bericht strahlt.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren