Wahl in Israel Hohe Wahlbeteiligung trotz Terrorangst
Israel wählt heute die 18. Knesset. Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Parteien Likud und Kadima hat viele Menschen an die Wahlurnen gezogen

© Marco Longari/AFP/Getty Images
Strenge Sicherheitsvorkehrungen bei der Wahl: Ein israelischer Polizist schaut zu, wie ein Orthodoxer seine Stimme abgibt
Israel wählt am Dienstag ein neues Parlament und alles läuft besser als erwartet: Demoskopen hatten eine schlechte Wahlbeteiligung vorhergesagt, Meteorologen ein Unwetter prophezeit und Sicherheitsexperten vor Anschlägen gewarnt. Alle liegen bislang falsch.
Nur die Politologen, die einen deutlichen Rechtsruck in Israel befürchten, scheinen Recht zu behalten. Das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem rechten Likud-Block von Benjamin Netanjahu und der Kadima-Partei von Zipi Liwni, die als gemäßigt gilt, scheint der Oppositionsführer für sich zu entscheiden.
Außenministerin Zipi Livni ist hinter dem hohen Pult kaum zu sehen, während sie auf dem Wahlschein ihren Favoriten ankreuzt
Die Wahllokale schließen erst um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit, wer am Abend Sieger, wer Verlierer sein wird, bleibt offen – fest steht, dass diese Wahl für den Nahost-Friedensprozess entscheidend sein wird.
Denn Liwni will den Nahost-Friedensprozess fortsetzen, während Netanjahu ihn in seiner gegenwärtigen Form ablehnt, weil nach seiner Meinung zu große Zugeständnisse an die Palästinenser gemacht werden.
Von großer Bedeutung ist auch das Abschneiden des Ultrarechten Avigdor Lieberman von der Partei Israel Beitenu. Nach den letzten Meinungsumfragen könnte er den dritten Platz erreichen und die Arbeitspartei von Verteidigungsminister Ehud Barak verdrängen. Lieberman gilt ebenso wie die orthodoxe Schas-Partei als möglicher Koalitionspartner Netanjahus. Er äußerte sich vor den Wahlen aber nicht zu seinem Wunschpartner und hielt sich so die Option offen, mit Liwni zu koalieren.
Barak kündigte an, dass er lieber nach Jahren der Regierungsbeteiligung in die Opposition gehe, als mit den Rechtsextremen eine Koalition zu bilden. Ohne es deutlich zu sagen, meinte er damit auch Lieberman.
Gehasst und geliebt: Der umstrittene Politiker Avigdor Lieberman auf dem Weg in die Wahlkabine
Linke Politiker und Intellektuelle warnten in Zeitungskommentaren und Radio-Interviews die Wähler davor, aus Protest Lieberman zu wählen. Sollte dieser in einer Koalition Außenminister werden, sei dies ein schwerer Schlag für das Ansehen Israels im Ausland.
- Datum 07.05.2009 - 13:50 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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