Wahl in Israel Liwni führt knapp

Die Kadima-Partei hat nach ersten Hochrechnungen die Wahl in Israel gewonnen. Zipi Liwni zog knapp am Likud-Block vorbei, eine Regierungsbildung könnte aber schwer werden

Strahlende Siegerin: Zipi Liwni überraschte alle, sie zieht mit ihrer Kadima-Partei vermutlich knapp an dem Likud-Block vorbei und muss nun Koalitionspartner für eine Regierung finden

Strahlende Siegerin: Zipi Liwni überraschte alle, sie zieht mit ihrer Kadima-Partei vermutlich knapp an dem Likud-Block vorbei und muss nun Koalitionspartner für eine Regierung finden

Liwnis Partei Kadima erreicht laut ersten Hochrechnungen 30 Sitze im Parlament und damit zwei Mandate mehr als der Likud-Block, der auf 28 Abgeordnete käme. Eine andere Prognose sieht Zipi Liwni bei 29 Mandaten und Likud bei 27.

Liwnis Führung kam überraschend. Der 59-jährige Vorsitzende des Likud-Blocks, Benjamin Netanjahu, lag bis zum Wahltag in allen Umfragen vorn. Allerdings war sein Vorsprung auf Liwni in den vergangenen Tagen immer weiter geschrumpft. Liwni hatte angekündigt, den Likud schlagen zu wollen – und sei es auch nur um ein Mandat. Wenn die Hochrechnungen stimmen, übertraf sie sogar die eigene Prognose. “Die Nation hat sich für Kadima entschieden und wir werden die Regierung stellen“, sagte Liwni der Online-Ausgabe der israelischen Tageszeitung Haaretz.

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Ob sie Recht behalten wird, bleibt offen. Denn auch Netanjahu reklamiert den Posten des Regierungschefs für sich. "Ich werde der nächste Premierminister werden", sagte er dem Fernsehsender Channel 10. Er wolle eine rechte Mehrheit in der Knesset organisieren. Nach den Hochrechnungen scheint das möglich. Haaretz errechnete eine theoretische rechte Mehrheit von 63 bis 64 Mandaten für Netanjahu. Liwni und ihre Partner kämen demnach auf 57 Abgeordnete. Für eine absolute Mehrheit sind 61 von 120 Mandaten erforderlich.

Für die 50-jährige Juristin könnte es schwer werden, in der Knesset weitere verlässliche Koalitionspartner zu finden. Die rechten Parteien haben stark zugelegt, die linken Gruppierungen verloren. Israelische Medien zitieren einen anonymen Berater Liwnis mit der Ankündigung, dass die Kadima versuchen wird, den Likud-Block für eine große Koalition zu gewinnen. Politiker des Likud haben das bereits zurückgewiesen.

Netanjahu hatte sich sich den ganzen Dienstag über bereits als Gewinner präsentiert. “Die Leute wollen den Wechsel und sie werden ihn heute wählen“, hatte Netanjahu in die Mikrofone der Reporter gesagt. Israel steht vor einer langen Wahlnacht mit ungewissem Ausgang.

Die Arbeitspartei von Verteidigungsminister Ehud Barak fiel auf den vierten Platz zurück. Die israelischen Sozialdemokraten dürften den Hochrechnungen zu Folge 13 Parlamentarier in die Knesset entsenden – sechs weniger als nach den vorherigen Wahlen. Einer der Sieger des Wahlabends ist die ultrarechte Partei Israel Beitenu, die als drittstärkste Kraft voraussichtlich 14 Abgeordnete stellt.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Bitte

    bitte JA! Beste Nachricht des Tages!

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

    • Anonym
    • 10.02.2009 um 22:02 Uhr
    2. Schön

    nun schaffe Gutes, Zipi

    • Anonym
    • 10.02.2009 um 22:02 Uhr

    Wird sie eine Mehrheit zustande bringen und wenn ja, wie stark wird ihr Rückhalt innerhalb Israels sein. In mehreren Stunden wird im übrigen erst genauestens klar sein wer stärkste Partei sein wird, noch ist nichts entschieden.

    Herzlichst
    Auf ein Wort

  2. Es gab mal eine Arbeiterpartei, die war die entscheidende Kraft, diesen Staat Israel überhaupt zu gründen. Da gab es eine Gewerkschaft Histadrut, da gab es Arbeitermilizen, da gab es Kibbuzim u. v. a. m... Dann begann es. Sogenannte Bessergestellte waren sich zu "fein" für einfache Leute. Sie schufen mut Extremisten (Bombenlegern wie Begin) eine Opposition namens Heruth, später LIKUD. Allesamt sehr feine Leute. Wie Petersilie immer oben schwimmen, aus den USA das Kapital lukrieren und ständig Unfrieden säen. Es gibt bei den Palestinensern Extremisten, darunter übrigens auch viele Christen ( man kann da die Judenfeindschaft so richtig "ausleben" ) - ich sage nur HAMAS und FATAH - und alle die aus dem Iran, Syrien, sogar Ägypten und dem übrigen Arabien gesteuerten Gangstern. Ölmilliarden fliessen ja genug dorthin.
    In Israel gibt es natürlich Kräfte, die auf jeden Vorwand warten, "zurückzuschlagen". Denn dann kann man ja jede ehrliche Kompromißlösung ablehnen und, vielleicht, nach einem neuen Gemetzel die Grenzen weiter voranschieben. Dass die israelische Siedlungspolitik etwas hochgradig Offensives und Aggressives ist, dürfte sich ja bis Europa herumgesprochen haben. Aber sie wird gesteuert von extremen Rabbinern.
    Th. Herzl hat dies nicht gewollt. Er wollte einen modernen, freiheitlichen, friedfertigen, säkularen Staat. Nicht diesen widerlichen, primitiven, teilweise ungebildeten, nationalistischen und religiös extremen Mob!
    Diese Leute bestimmen aber im heutigen Israel.
    Man sieht es ja auch an der zu hinterfragenden Qualität der Staatsrepräsentanten. Man denke an Katsav. Noch aktuelleere Fälle will ich nicht erwähnen.
    Habe viele Bücher gelesen über ein Volk, das einst ein Bündnis abschloss mit dem einen und wahren GOTT.
    Ob dieses Volk heute aber dessen wirklich würdig ist, möchte ich, in aller Bescheidenheit, Demut und Höflichkeit, füglich bezweifeln.
    Ein Anteil Schuld liegt sicher auf jeder Seite. Über Anteile könnte man streiten bis St. Nimmerlein.
    Aber eine Regierung LIKUD-Beitanu-Shas-andere nationalreligiöse u. nationalistische Gruppen bedeutet nichts Gutes.
    Kann mich nur wundern über die Wunderlichkeit, dass EU-Regierungen erwägen, Israel in die EU zu lancieren. Ich sage nur: bleibt dort, wo ihr seid.

    Halte mich sehr zurück, aber Avoda sollte die anderen "machen" lassen.
    Irgendwann sollte eine Partei Stolz zeigen und sagen: Wenn Ihr Dreck wollt, sollt Ihr ihn bekommen!

    Traurig bin ich über die Araber in Israel. Hätten sich bis rd. 20 Mandate für sich sichern können! Dann wären die Karten anders gemischt. Wenn man sich aber von den Fatah- und Hamas-Typen fernsteuern lässt, dann sollte man ehrlich sein, da gebe ich Liebermann recht und einfach auswandern. Wenn ich mich mit einem Staat nicht identifiziere, dann raus.
    Den Sudentendeutschen hat ihr Doppelspiel ja auch nicht viel eingebracht. Solange die Dt. Wehrmacht nach vorn marschierte, konnte man auftrumpfen und die Tschechen nach Belieben schikanieren. Als dann Deutschland jedoch den Krieg verlor, hiess es, es fehlt mir das Origanalwort, "Abschub".
    Scheinheilig wurde dann das Recht auf Heimat usw. in allen Variationen gesungen, aber von den eigenen Übeltaten wollte man nichts mehr wissen, nichts gesehen, gehört oder gemacht haben. Jeder war plötzlich der allergrößte Humanist. Es gab sie halt schon immer: die Lebenslügen. Die meisten wahrscheinlich in Deutschland. Aber Israel, dies sei mir noch erlaubt, ist auch nicht frei davon.

  3. Aus Wikipedia:
    Livni ist die Tochter von Eitan Livni, einem in Grodno (Polen, heute Weißrussland) geborenen führenden Mitglied der Untergrundorganisation Irgun Tzwai Le’umi (Ezel)[1][2], der selbst Abgeordneter der Likud-Partei war, und Sara Livni, geb. Rosenberg, ebenfalls einer Ezel-Kämpferin. Sie diente als Leutnant bei den israelischen Streitkräften und arbeitete von 1980 bis 1984 für den Auslandsgeheimdienst Mossad. Livni hat die Juristische Fakultät der Bar-Ilan-Universität absolviert und mehrjährige Berufserfahrung als auf Öffentliches- und Handelsrecht spezialisierte Rechtsanwältin[3].

  4. Rechte Koalition lässt sich ohne Schaß nicht verwirklichen. Linke erst recht nicht. Hier die Umfrage von Ynetnews:

    # Kadima 28
    # Likud 26
    # Yisrael Beiteinu 16
    # Labor 14
    # Shas 10
    # United Torah Judaism 6
    # Hadash 5
    # Jewish Home 4
    # United Arab List – Ta'al 4
    # Meretz 4
    # National Union 3

    Wo könnte eine "linke" Mehrheit herkommen (wobei mir fraglich erscheint, ob Kadima den Attribut "links" verdient)? Kadima + Arbeiterpartei + Meretz = 46 Sitze. Würde man die streng religiöse Schaß dazu rechnen (auch eine komische Auffassung von "links"), käme man auf 56 Sitze. Ob man arabische Parteien (Ta'al und Hadash) für eine Koalition mit Liwni und Barak gewinnen kann, wage ich zu bezweifeln.

    Der rechte Lager käme ohne Schaß auf 55 Sitze. Aber Schaß kann Israel Beiteinu nicht leiden. Von arabischen Parteien ganz zu schweigen.

    Ich bin gespannt...

    • Anonym
    • 11.02.2009 um 0:08 Uhr

    Passend zum interessanten Artikel über die Kadima-Partei auch ein herrliches Lächeln der Zipi Livni

  5. Bleibt nur die Frage: Was kann, wer auch immer gewählt wird, gegen die normative Kraft des Faktischen ausrichten?

    Zu viele Interessengruppen... zu viele Einzelinteressen... und zu wenig Verständnis für längerfristige Notwendigkeiten über das kindliche Anspruchsdenken hinaus.

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