Wahl in Israel Die Stunde der Hardliner
Am Dienstag wählen die Israelis ein neues Parlament. Als Gewinner gelten jetzt schon die ultrarechten Parteien. Sie profitieren vom Krieg in Gaza und der Angst vor den Raketen

© Gali Tibbon/AFP/Getty Images
Gelassener Spitzenkandidat: Benjamin Netanjahu scheint als Sieger der israelischen Wahlen am 10. Februar festzustehen – das sagen zumindest die Meinungsforscher
Bis vor Kurzem verlief der israelische Wahlkampf ziemlich langweilig. Der Oppositionschef Benjamin Netanjahu schien schon als Sieger festzustehen. Sein gutes Abschneiden in den Meinungsumfragen stand für einen allgemeinen Rechtsruck in Israel. Einen Tag vor der Wahl am 10. Februar scheint nun jedoch wieder alles offen zu sein. Der Grund dafür ist Avigdor Lieberman und seine Partei Israel Beitenu.
Wichtigstes Wahlkampfthema ist der anhaltende Raketenbeschuss von israelischen Städten und Siedlungen. Denn die Angriffe mit Kassam-Geschossen aus dem Gaza-Streifen endeten auch nach dem Ende des Feldzugs gegen die Hamas nicht. Netanjahu kritisiert die Regierung deswegen und behauptet, dass er als Premier den Raketenbeschuss verhindern werde.
Doch Benjamin Netanjahu, der als rechter Falke gilt, bekommt nun Druck von ehemaligen Weggefährten. “Der Ausgang ist ganz offen. Wir haben uns von einem klaren Sieg hin zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen bewegt", sagt ein Berater des Likud. Nach den letzten Umfragen ist vom großen Vorsprung Benjamin Netanjahus nicht mehr viel übrig. Auf 27 Sitze käme demnach die Likud-Fraktion, während die Kadima-Partei von Außenministerin Zipi Livni 25 Abgeordnete in die Knesset entsenden könnte. Vor zwei Wochen lag der Unterschied noch bei mehr als acht Mandaten.
Die Aufholjagd mag als Erfolg der einzigen weiblichen Kandidatin und Außenministerin gedeutet werden, die “den Likud schlagen will, und sei es “auch nur um einen Sitz“, in Wahrheit aber handelt es sich wohl mehr um eine Schlappe für Netanjahu. Denn der muss sich nun plötzlich gegen die wachsende Konkurrenz von rechts behaupten. Genauer gesagt gegen seinen einstigen Freund und Berater Avigdor Lieberman von der Partei Israel Beitenu. Der Politiker könnte laut Umfragen bis zu 19 Mandate gewinnen und die historische Arbeitspartei erstmals an die vierte Stelle verdrängen.
Lieberman gehörte dem Likud an, bevor er vor zehn Jahren seine eigene Partei gründete. Mit 20 Jahren war er 1978 aus Moldawien nach Israel eingewandert und lebt heute in einer Siedlung im Westjordanland. Seine Wähler findet er vor allem unter Einwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion, aber auch unter klassischen Likud-Wählern. Umfragen zeigen, dass er auch die Gruppe der Jungwähler mit seinem unverhüllten Populismus anspricht.
- Datum 11.02.2009 - 05:52 Uhr
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