Journalismus-Seminar Faszination SkandalSeite 2/2
"Ihre Sprache ist extrem präzise. Sie hat auch großen Wert darauf gelegt, dass wir sie möglichst genau zitieren und wenig interpretieren. Daran haben wir uns gehalten", erinnert sich Worm. "Es gab überhaupt kein Problem mit der Autorisierung. Zwei Tage hat es gedauert, und wir hatten das Interview wieder."
Nicht immer geht es im Medienbetrieb so glatt mit der nachträglichen Freigabe der Interviews durch die Gesprächspartner – einer Praxis, die sich in Deutschland etabliert hat und dazu führen kann, dass die pikantesten und spannendsten Interviewpassagen von Pressesprechern wieder gestrichen werden.
"Mein Interview in England lief ganz anders ab, als ich das aus Deutschland kenne", sagt Dominik Betz, der sich als Chefredakteur des Hamburger Studentenmagazins Injektion engagiert und ebenfalls am Skandal-Seminar teilnahm. Zusammen mit seinem Kommilitonen Cliff Lehnen interviewte er Clarence Mitchell, den PR-Berater, der Kate und Gerry McCann half, das Medieninteresse an ihrer im Portugalurlaub verschollenen Tochter Maddie aufrecht zu halten. "Mitchell teilte nur das mit, was er auch später abgedruckt sehen wollte, statt im Nachhinein alles rauszustreichen und umzuschreiben."
Dominik Betz machte in England neue Erfahrungen mit Interviews
Bei einigen anderen Interviews des Seminars sei hart gerungen worden, berichtet Betz, doch letztlich seien alle Gespräche, die im Buch veröffentlicht wurden, dicht an den tatsächlichen Gesprächssituationen geblieben.
Finanziert wurden die Interviewreisen nach Wien, London und quer durch Deutschland durch die Unterstützung der Forschungs- und Wissenschaftsförderung der Uni Hamburg. Doch zumindest einen Teil der Seminar-Auslagen galt es wieder reinzuholen, als im zweiten Semester der Spieß umgedreht wurde: Aus den Studierenden, die sich eben noch mit PR-Agenturen und Pressesprechern abquälten, wurden nun selbst Öffentlichkeitsarbeiter. Das Buch und seinen Inhalt galt es umfassend zu vermarkten und Vorabdrucke der Interviews an professionelle Medien zu verkaufen.
Die Studenten hätten gezeigt, dass sie als Journalisten arbeiten können, bilanziert Pörksen das Praxisseminar, das sein drittes und letztes dieser Art an der Uni Hamburg war. Und obwohl er von seinen Studierenden mehr forderte, als viele seiner Kollegen, hat er die Lust auf guten Journalismus noch geschürt. "Eins habe ich gemerkt", sagt Silvia Worm, "Interviews zu führen liegt mir.“
- Datum 09.02.2009 - 15:50 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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