Kochwettbewerb "Ich kam mir fast wie ein Promi vor"

Wolfram Siebeck hat den neuen ZEIT-Kochwettbewerb ausgerufen. Die vier bisherigen Gewinner geben Tipps und berichten über ihr Leben nach dem Gourmet-Ritterschlag

Kochwettbewerb 2002 - Thema Ingwer

Hans-Achim v. Stockhausen, Bielefeld:
Der Kochwettbewerb im Januar 2002 wurde unter dem Motto "Ingwer wird gewinnen" angekündigt. Ich zögerte zunächst, teilzunehmen. Ich wusste, Ingwer war seit vielen Jahren Wolfram Siebeck liebstes Gewürz. Meine Begeisterung hielt sich dagegen in Grenzen, weshalb ich diese Knolle bis dahin aus meiner Küche verbannt hatte. Aber es reizte mich sehr, den großen Meister, dessen Kritiken und kulinarischen Tipps ich seit vielen Jahren mit großem Interesse verfolgte, endlich live zu erleben. Mutig reichte ich ein dreigängiges Menü ein. Und welch Wunder: Ich wurde zum Vorkochen eingeladen, gewann die Vorentscheidung und stand schließlich im Finale im Hamburger Hotel "Vier Jahreszeiten".

Mit leichtem Herzklopfen begegnete ich dort Wolfram Siebeck. Auch wenn er seine Augen schon mal kritisch zusammenkniff, blieb mir vor allem seine Offenheit und Verbindlichkeit in Erinnerung. Er als "Berufsesser" litt bei einem misslungenem Gericht mit dem Koch, und freute sich von ganzem Herzen über geschmacklich gut abgestimmte und gelungene Kreationen.

Während des Wettbewerbs besuchte er uns ständig in der Küche, schaute in die Töpfe, und hatte immer ein aufmunterndes Wort für uns. Es gelang ihm bald, uns Kombattanten mehr und mehr auf die Kochkunst zu konzentrieren. Und wahrhaftig spürten wir bald nichts mehr von der Spannung in diesem für uns ungewohnten Umfeld. Wir kochten schließlich fast mit derselben Gelassenheit, wie wir es zu Hause taten. Ich kann jeden Interessenten nur auffordern, mutig zu sein, und seine Ideen einzureichen. Es "funktioniert" fast von alleine.

Wenn man gewonnen hat, ist das natürlich etwas ganz Besonderes. Es folgte ein bemerkenswerter und für mich wahrhaftig ungewohnter Rummel. In den ersten Wochen und Monaten danach kam ich mir fast wie ein Promi vor. Es gab Einladungen zu Talkrunden bei Funk und Fernsehen sowie zur Teilnahme an Kochshow-Veranstaltungen. Dieses öffentliche Interesse ist bis heute nicht gänzlich abgeklungen. Noch vor wenigen Wochen hatte ich das Vergnügen und die Ehre, gemeinsam mit Cornelia Poletto ein mehrgängiges Menü für knapp 100 Gäste zu kochen.

P.S.: Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass heute die Ingwerknolle zu einem meiner Lieblingsgewürze geworden ist.

Was Wolfram Siebeck über den Ausgang des Wettbewerbs schrieb, lesen Sie hier.


Kochwettbewerb 2004 - Thema Schokolade:

Birgit Damer, Keitum/Sylt:
Der ZEIT-Kochwettbewerb hat mein Leben wirklich nachhaltig verändert, auch in beruflicher Hinsicht. Ich arbeite inzwischen an dem dritten Buch für einen Kochbuchverlag. Nach Schokolade und Austern ist mein neues Thema Salz. Dafür besuche ich Lebensmittelfirmen und außergewöhnliche Köche in ganz Europa, denn ich möchte über neue Produkte, Präsentationsformen und Garmethoden genau informiert sein.
Manchmal fertige ich für ein bestimmtes Gericht auch ein spezielles Essbesteck an – dies verbindet meinen eigentlichen Beruf als Goldschmiedin mit dem Kochen, das bis zum Wettbewerb lediglich mein Hobby gewesen ist.

Obwohl ich seitdem mit vielen prominenten Köchen auf Events gekocht habe, könnte ich mir nicht vorstellen, ein eigenes Restaurant zu führen. Dazu experimentiere ich viel zu gerne mit außergewöhnlichen Aromen und weiß genau, dass man beim professionellen Kochen Kompromisse machen muss, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein – abgesehen von der handwerklichen Präzision und Routine, die man als Autodidakt eben nicht entwickelt hat.

Dafür bin ich dem ZEIT-Kochwettbewerb übrigens sehr dankbar, denn es wurde nicht der perfekte Messerschnitt bewertet (eine echte Männerdisziplin), sondern der gute Geschmack und den verbinde ich vor allem mit der Erinnerung an meine Großmutter und mit viel weiblicher Intuition.

Was Wolfram Siebeck über den Ausgang des Wettbewerbs schrieb, lesen Sie hier.

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Christina Richon, Givisiez, Schweiz:
Ganz wichtig ist es, authentisch zu bleiben und kreativ zu sein. Lieber einfachere Rezepte mit interessanter Aromakombination als aufwendige Zubereitungen aus der Haute Cuisine, die dann unter Zeitdruck, mit anderen  Backöfen häufig nicht so vielversprechend ausfallen. Außerdem werden bekannte Rezepte von Drei-Sterne-Virtuosen ohnehin schnell entlarvt. Es sollte sich ein roter Faden durch das ganze Menü ziehen, also z. B. mediterran, orientalisch, asiatisch inspiriert. Die Aromen, Gewürze, Alkoholika und Parfums sollte man entsprechend anpassen. Nicht zu viele Zutaten benutzen, oft liegt der Reiz im Weglassen!
 
Der ZEIT-Kochwettbewerb war für mich eine sehr schöne, intensive Erfahrung. Den Austausch mit anderen Kochpartnern habe ich als interessant und erdend empfunden, die Aufregung hat sich schnell gelegt.

Besonders gefreut hat mich, als Frau Siebeck nach der Preisverleihung des Wettbewerbs in Hamburg auf mich zukam und mir ins Ohr flüsterte: "Frau Richon, machen Sie bloß weiter mit der Kocherei, Sie haben das Zeug dazu". In Momenten des Zweifels hat mir dieser Satz immer geholfen!
 
Das Kochen ist mittlerweile tatsächlich zu meinem Beruf geworden. Im März 2009 kommt mein viertes Kochbuch auf den Markt. In der Nähe von München gebe ich Aromakochkurse, arbeite teilweise als Patissière im Berner Restaurant Engery Kitchen und entwickle Rezepte für die Patisserie, mein Butter-Zwetschgenkuchen wurde sogar ins Bundeshaus geliefert.
 
Seit 2005 bin ich Mitglied  der "Association des Gourmettes", der weiblichen Vereinigung für Ess- und Tafelkultur in der Schweiz. Ich finde es nur logisch, dass Frauen nach und nach in die Oberliga der Haute Cuisine einziehen. Wobei ich persönlich der Meinung bin, dass die Sterneküche durchaus etwas innovativer sein dürfte. Oft finden sich auf den internationalen Speisekarten überall die zehn gleichen Lebensmittel bzw. Zutaten. Eventuell liegt es auch an der eher konservativen Klientel und deren Alter. Ich würde sagen: Mädels, lasst es mal richtig krachen in der Küche!
 
Christina Richons Gewinner-Rezept finden Sie hier



Dr. Michael Hauch, Düsseldorf:
Mein wichtigster Ratschlag: Kein Schnickschnack! Das Menu so einfach und klar wie möglich halten. Die einzelnen Gänge müssen aufeinander aufbauen und sich langsam steigern. Jeder Gang sollte eine Besonderheit aufweisen - aber auch nur eine - die man auch schmecken sollte: eine besondere Zutat, ein besonderes Gewürz, ein besonderes Kraut, eine besondere Textur, eine besondere Zubereitung.

Für mich war der Wettbewerb damals Stress pur. Würde unser Menü der Konkurrenz standhalten? Würde alles glatt laufen? Bekämen wir überhaupt alles fertig auf die Teller? Doch die Mitarbeiter der ZEIT beruhigten und ermutigten uns. Und dann hat ja auch alles geklappt und sogar riesigen Spaß gemacht.

Der Gewinn des Wettbewerbs war für mich die Krönung von 40 Jahren täglichen Kochens. Er verlieh mir neuen Schwung und neue Impulse. Seither versuche ich noch mehr, nach den oben genannten Grundsätzen zu kochen.

Durch den Erfolg kann ich nun auch noch leichter die Eltern in meiner Kinderarztpraxis von der Wichtigkeit, aber auch von der Freude überzeugen, die tägliches Kochen macht. “Rezepte des Monats”, Einkaufsquellen und Tipps, Ratschläge für das gemeinsame Kochen und das gemeinsame Familienessen sind inzwischen zum Renner bei meinen Patienten geworden.

Wolfram Siebeck über das Finale und das Sieger-Rezept von Dr. Michael Hauch zum Nachlesen
 

 
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