Kochwettbewerb "Ich kam mir fast wie ein Promi vor"Seite 2/2
Christina Richon, Givisiez, Schweiz:
Ganz wichtig ist es, authentisch zu bleiben und kreativ zu sein. Lieber einfachere Rezepte mit interessanter Aromakombination als aufwendige Zubereitungen aus der Haute Cuisine, die dann unter Zeitdruck, mit anderen Backöfen häufig nicht so vielversprechend ausfallen. Außerdem werden bekannte Rezepte von Drei-Sterne-Virtuosen ohnehin schnell entlarvt. Es sollte sich ein roter Faden durch das ganze Menü ziehen, also z. B. mediterran, orientalisch, asiatisch inspiriert. Die Aromen, Gewürze, Alkoholika und Parfums sollte man entsprechend anpassen. Nicht zu viele Zutaten benutzen, oft liegt der Reiz im Weglassen!
Der ZEIT-Kochwettbewerb war für mich eine sehr schöne, intensive Erfahrung. Den Austausch mit anderen Kochpartnern habe ich als interessant und erdend empfunden, die Aufregung hat sich schnell gelegt.
Besonders gefreut hat mich, als Frau Siebeck nach der Preisverleihung des Wettbewerbs in Hamburg auf mich zukam und mir ins Ohr flüsterte: "Frau Richon, machen Sie bloß weiter mit der Kocherei, Sie haben das Zeug dazu". In Momenten des Zweifels hat mir dieser Satz immer geholfen!
Das Kochen ist mittlerweile tatsächlich zu meinem Beruf geworden. Im März 2009 kommt mein viertes Kochbuch auf den Markt. In der Nähe von München gebe ich Aromakochkurse, arbeite teilweise als Patissière im Berner Restaurant Engery Kitchen und entwickle Rezepte für die Patisserie, mein Butter-Zwetschgenkuchen wurde sogar ins Bundeshaus geliefert.
Seit 2005 bin ich Mitglied der "Association des Gourmettes", der weiblichen Vereinigung für Ess- und Tafelkultur in der Schweiz. Ich finde es nur logisch, dass Frauen nach und nach in die Oberliga der Haute Cuisine einziehen. Wobei ich persönlich der Meinung bin, dass die Sterneküche durchaus etwas innovativer sein dürfte. Oft finden sich auf den internationalen Speisekarten überall die zehn gleichen Lebensmittel bzw. Zutaten. Eventuell liegt es auch an der eher konservativen Klientel und deren Alter. Ich würde sagen: Mädels, lasst es mal richtig krachen in der Küche!
Christina Richons Gewinner-Rezept finden Sie hier
Dr. Michael Hauch, Düsseldorf:
Mein wichtigster Ratschlag: Kein Schnickschnack! Das Menu so einfach und klar wie möglich halten. Die einzelnen Gänge müssen aufeinander aufbauen und sich langsam steigern. Jeder Gang sollte eine Besonderheit aufweisen - aber auch nur eine - die man auch schmecken sollte: eine besondere Zutat, ein besonderes Gewürz, ein besonderes Kraut, eine besondere Textur, eine besondere Zubereitung.
Für mich war der Wettbewerb damals Stress pur. Würde unser Menü der Konkurrenz standhalten? Würde alles glatt laufen? Bekämen wir überhaupt alles fertig auf die Teller? Doch die Mitarbeiter der ZEIT beruhigten und ermutigten uns. Und dann hat ja auch alles geklappt und sogar riesigen Spaß gemacht.
Der Gewinn des Wettbewerbs war für mich die Krönung von 40 Jahren täglichen Kochens. Er verlieh mir neuen Schwung und neue Impulse. Seither versuche ich noch mehr, nach den oben genannten Grundsätzen zu kochen.
Durch den Erfolg kann ich nun auch noch leichter die Eltern in meiner Kinderarztpraxis von der Wichtigkeit, aber auch von der Freude überzeugen, die tägliches Kochen macht. “Rezepte des Monats”, Einkaufsquellen und Tipps, Ratschläge für das gemeinsame Kochen und das gemeinsame Familienessen sind inzwischen zum Renner bei meinen Patienten geworden.
Wolfram Siebeck über das Finale und das Sieger-Rezept von Dr. Michael Hauch zum Nachlesen
- Datum 24.03.2009 - 16:00 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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