Teilchenbeschleuniger Weltmaschine startet erst im September
Die pannengeplagte Experimentiermaschine am Kernforschungszentrum CERN wird erst im Herbst repariert sein. Frühestens im Oktober prallen erste Atomkerne aufeinander
Die Suche nach dem Gottesteilchen kann erst im Herbst beginnen: Bis Ende September sollen alle Reparaturen am Large Hadron Collider (LHC) abgeschlossen sein. Die Wissenschaftler fahren die Anlage damit weitere sechs Wochen später hoch als bislang geplant, heißt es vom europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf. Um den LHC zu reparieren und verbesserte Sicherheits- und Überwachungssysteme einzubauen, seien bis zu 20 Millionen Euro nötig.
Rolf-Dieter Heuer, seit Januar Generaldirektor des CERN, will nun auf Nummer sicher gehen. Der Zeitplan sei umsichtig: "Wir wollen sicherstellen, dass alle notwendigen Arbeiten am LHC beendet sind, ehe wir neu starten." Eine Panne hatte vergangenen September die Verbindung zwischen zwei der insgesamt 9300 Magneten überhitzt. Das System brach zusammen, und ein Kühltank wurde beschädigt. Das ausströmende Helium löste zusätzlich mehrere Magnete aus ihrer Verankerung. Das Flüssiggas kühlt den unterirdischen Beschleunigerring auf seine Betriebstemperatur von minus 271 Grad ab.
Jetzt sollen zusätzliche Ventile den Druck mindern, falls es zu einem ähnlichen Vorfall kommen sollte wie im Herbst. So ließe sich der entstehende Schaden minimieren. Erst Ende Januar hatte Heuer angekündigt, dass externe Fachleute die Reparaturen an der größten Maschine der Welt prüfen sollen. Der CERN-Direktor versicherte, dass er seinen eigenen Mitarbeitern vertraue. Allerdings bestehe die Gefahr, dass sie blind für die Schwächen der eigenen Anlage würden, sagte Heuer der Schweizerischen Sonntagszeitung . Wer so intensiv am LHC arbeite, könne Fehler leicht übersehen.
Der LHC ist eine Maschine der Superlative. 13 Jahre dauerte es, den 27 Kilometer langen Ring in einer Tiefe von 100 Metern bei Genf zu bauen. Der 3 Milliarden Euro teure Teilchenbeschleuniger soll nichts Geringeres als die Geburt unseres Universums enträtseln . Physiker aus aller Welt erhoffen sich mit dem LHC Aufschluss über grundlegende Fragen zur Struktur der Materie. 600.000 Mal in der Sekunde sollen Atomkerne im Beschleuniger aufeinander prallen und dabei beinahe Lichtgeschwindigkeit erreichen. Derartige Kollisionen, heiß wie das 100.000-fache der Sonnenhitze, erwarten die Physiker jetzt frühestens im Oktober.
Dann soll der LHC, wenn diesmal alles glatt läuft, bis Herbst 2010 durchlaufen. Eine kleine Verschnaufpause gibt es dann aber bereits über Weihnachten. In dieser Zeit soll die Maschine gewartet werden. Erste Ergebnisse gibt es damit aber noch nicht: Um die gesammelten Datenmengen anschließend auszuwerten, können noch einmal Monate bis Jahre vergehen.
- Datum 07.04.2009 - 10:02 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







600.000 Mal in der Sekunde sollen Atomkerne im Beschleuniger aufeinander prallen und dabei beinahe Lichtgeschwindigkeit erreichen.
Das ist nun aber keine stilistische Spitzenleistung!
Und auch bei
Derartige Kollisionen, heiß wie das 100.000-fache der Sonnenhitze,
habe ich so meine Zweifel ...
Wenn der LHC so läuft, wie es geplant ist, werden die Protonen nicht nur mit 600kHz auf einander prallen, sondern mit 40 MHz, in jedem der Interaktionspunkte (bzw. in mindestens 2 gleichzeitig). Das heißt zunächst mal nur, dass der Ring ziemlich voll sein wird; quasi fahren zwei Züge, bei denen die Lok am letzten Wagen hängt, gegenläufig um, und die Schienen kreuzen sich an bis zu vier Weichen. Die "beinahe" Lichtgeschwindigkeit sorgt dafür, dass ein Proton (z.B. die Lok) - wenn es denn nicht zu denen gehört, die wirklich kollidieren - pro Sekunde etwa 11.000 mal im Ring umläuft.
Das mit der Sonnenhitze ist auch so ein eher schwacher Vergleich: man kann, wenn man will, die Relativgeschwindigkeit der Teilchen (so mehr oder weniger) in eine Temperatur umrechnen - siehe "kinetische Gastheorie", aus der Schule... Allerdings wird im LHC nichts wirklich warm, dazu sind die Kollisionen zu "selten" - bzw. die Dichte des Gases ist zu gering.
Ich persönlich habe mehr Probleme damit, dass es so klingt, als könne man, wenn der LHC erst einmal läuft bzw. wenn die Daten einmal ausgewertet sind, eine definitive Theorie des Urknalls oder so etwas erwarten. Bereits jetzt ist klar: davon sind wir noch weit entfernt. Hoffentlich - bzw. sehr sicher! - kommen wir mit Hilfe der Daten der Experimente am LHC der Sache etwas näher...
Wenn der LHC so läuft, wie es geplant ist, werden die Protonen nicht nur mit 600kHz auf einander prallen, sondern mit 40 MHz, in jedem der Interaktionspunkte (bzw. in mindestens 2 gleichzeitig). Das heißt zunächst mal nur, dass der Ring ziemlich voll sein wird; quasi fahren zwei Züge, bei denen die Lok am letzten Wagen hängt, gegenläufig um, und die Schienen kreuzen sich an bis zu vier Weichen. Die "beinahe" Lichtgeschwindigkeit sorgt dafür, dass ein Proton (z.B. die Lok) - wenn es denn nicht zu denen gehört, die wirklich kollidieren - pro Sekunde etwa 11.000 mal im Ring umläuft.
Das mit der Sonnenhitze ist auch so ein eher schwacher Vergleich: man kann, wenn man will, die Relativgeschwindigkeit der Teilchen (so mehr oder weniger) in eine Temperatur umrechnen - siehe "kinetische Gastheorie", aus der Schule... Allerdings wird im LHC nichts wirklich warm, dazu sind die Kollisionen zu "selten" - bzw. die Dichte des Gases ist zu gering.
Ich persönlich habe mehr Probleme damit, dass es so klingt, als könne man, wenn der LHC erst einmal läuft bzw. wenn die Daten einmal ausgewertet sind, eine definitive Theorie des Urknalls oder so etwas erwarten. Bereits jetzt ist klar: davon sind wir noch weit entfernt. Hoffentlich - bzw. sehr sicher! - kommen wir mit Hilfe der Daten der Experimente am LHC der Sache etwas näher...
Wenn der LHC so läuft, wie es geplant ist, werden die Protonen nicht nur mit 600kHz auf einander prallen, sondern mit 40 MHz, in jedem der Interaktionspunkte (bzw. in mindestens 2 gleichzeitig). Das heißt zunächst mal nur, dass der Ring ziemlich voll sein wird; quasi fahren zwei Züge, bei denen die Lok am letzten Wagen hängt, gegenläufig um, und die Schienen kreuzen sich an bis zu vier Weichen. Die "beinahe" Lichtgeschwindigkeit sorgt dafür, dass ein Proton (z.B. die Lok) - wenn es denn nicht zu denen gehört, die wirklich kollidieren - pro Sekunde etwa 11.000 mal im Ring umläuft.
Das mit der Sonnenhitze ist auch so ein eher schwacher Vergleich: man kann, wenn man will, die Relativgeschwindigkeit der Teilchen (so mehr oder weniger) in eine Temperatur umrechnen - siehe "kinetische Gastheorie", aus der Schule... Allerdings wird im LHC nichts wirklich warm, dazu sind die Kollisionen zu "selten" - bzw. die Dichte des Gases ist zu gering.
Ich persönlich habe mehr Probleme damit, dass es so klingt, als könne man, wenn der LHC erst einmal läuft bzw. wenn die Daten einmal ausgewertet sind, eine definitive Theorie des Urknalls oder so etwas erwarten. Bereits jetzt ist klar: davon sind wir noch weit entfernt. Hoffentlich - bzw. sehr sicher! - kommen wir mit Hilfe der Daten der Experimente am LHC der Sache etwas näher...
... wir verstehen uns. Bie der Beurteilung eines Textes müssen wir doch den Leserkreis mit in Betracht ziehen! Und wenn da eine Kollision heiss sein soll ...
... wir verstehen uns. Bie der Beurteilung eines Textes müssen wir doch den Leserkreis mit in Betracht ziehen! Und wenn da eine Kollision heiss sein soll ...
... wir verstehen uns. Bie der Beurteilung eines Textes müssen wir doch den Leserkreis mit in Betracht ziehen! Und wenn da eine Kollision heiss sein soll ...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren