Kunst Comics im Louvre? Huch!

Sind die bunten Bilderstreifen nun Kunst oder nicht? Im Pariser Louvre haben sie jedenfalls Einzug gehalten. Vorübergehend

"Gulp!“ werden sich wohl einige gedacht haben. Und "Huch!“ Auf jeden Fall wird manchen Besuchern ein herzhaftes "Mon dieu!“ herausgerutscht sein. " Mon dieu , Comics im Louvre?!“ Sicherheitshalber wurde die Ausstellung auch "Le Louvre invite la bande dessinée “ genannt, "Der Louvre lädt die Comics ein“. Damit das klar ist.

Die Aufregung hatten die Kuratoren vermutlich vorausgesehen. Sicherheitshalber haben sie die Frage "Wer hätte sich jemals gedacht, dass der Louvre eines Tages Comics zeigen würde?!“ gleich selbst an den Beginn ihrer Ausführungen über die Ausstellung gestellt. Denn schließlich musste dafür sogar ein Statut umgangen werden, laut dem im altehrwürdigen Museum nur Kunstwerke ausgestellt werden dürfen, die vor 1848, dem Jahr der Februarrevolution, entstanden sind. Jüngere europäische Kunst bekommt man in Paris nur im Musée d'Orsay oder im Centre Pompidou zu sehen.

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Dabei werden Comics in Frankreich bereits als eigene Kunstform geführt. Angelehnt an Hegels Klassifikation ist das Kino hier die "siebente Kunst“, Fernsehen und Fotografie gelten als "achte“, und Comics eben als neunte. Kein Wunder in einem Land, das René Goscinny und Albert Uderzo, die Schöpfer von Asterix , hervorgebracht hat und in dem über den derzeit laufenden Rechtsstreit zwischen Uderzo und seiner Tochter, die ihn aus Angst um ihr Erbe am liebsten entmündigen lassen würde, entsprechend ausführlich berichtet wird.

Und sogar das aktuelle Staatsoberhaupt hat schon seine eigene BD abbekommen: Carla & Carlito , auf dem Cover Carla Bruni mit besonders markant hervorgehobenen Gesichtszügen, vor ihrer Brust in einer Babytrage "Carlito“, Nicolas Sarkozy.

Trotzdem: Louvre? Mon dieu! Und tatsächlich hat man beinahe das Gefühl, die Comics seien ein wenig hinten unten, in einem Seitenraum auf dem Weg zur Ägypten-Abteilung, versteckt worden. Die Damen der Kartenkontrolle sind sich jedenfalls nicht ganz sicher, ob man richtig ist.

Und dann zeichnet einer der ausgestellten Künstler sogar noch mit dem Computer! Doch vielleicht ist gerade er es, der ein paar Kritiker verstummen lässt. Bernar Yslaire kann der Besucher nämlich bei der Arbeit zusehen. Auf drei Videoschirmen werden unterschiedliche Entstehungsphasen des im Mai erscheinenden Bandes Le Ciel au-dessus du Louvre gezeigt ( Der Himmel über dem Louvre, was nicht zufällig an Wim Wenders preisgekrönten Film erinnert, dessen Plot aber in der Zeit der Französischen Revolution spielt). Strich für Strich kann man beobachten, wie der, ja, der Künstler verbessert, ergänzt, hervorhebt und verschiebt. Der Mann kann zeichnen, keine Frage.

Leser-Kommentare
  1. Wird denn nicht jede neue Kunst(aus)richtung, Darstellungsform mit einem kräftigen „Huch“, „Gulp“ oder „Mein Gott, das ist doch keine Kunst“ empfangen?
    Ob Expressionisten, Dadaisten, Picasso, Warhol oder Beuys, um nur einige Begriffe oder Namen an zuführen, aller Neuerung wird von den etablierten Massen mit einer abwehrenden Geste zuerst die Daseinsberechtigung verweigert, der Einstieg in den Zenit der Kunst erschwert. Collagen - ausgeschnittene oder gerissene Papierfetzen, Siebdrucke von banalen Tomatendosen!
    Erst später, wenn einige Kunst-Leithammel oder Gurus ihr Einverständnis signalisieren, reagiert auch die Herde mit einem freundlichen“Mäh“.

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