Bahn Mehdorn scheitert an Mehdorn

Der Bahnchef hat seinen Rücktritt angeboten. Sein eigener Hochmut brachte ihn zu Fall. Am Dienstag berät die Regierung über seine Nachfolge

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Bahnchef Hartmut Mehdorn gibt auf

Man stelle sich vor, Hartmut Mehdorn wäre in diesem jüngsten Skandal nicht Hartmut Mehdorn sondern ein anderer, besonnener gewesen. Er wäre bereits früh vor die Presse getreten, hätte sich artig entschuldigt und versprochen, im Unternehmen aufzuräumen. Er hätte jene Demut gezeigt, die notwendig gewesen wäre, angesichts der Schwere der Vorwürfe, mit denen er konfrontiert war. Vermutlich hätten Öffentlichkeit, Mitarbeiter und Politik ihm verziehen und Gnade walten lassen, bis er 2011 ohnehin abgetreten wäre. Vielleicht wäre dieser Skandal, der ihn nun zu Fall bringt, nie so groß geworden.

Mehdorn aber ist Mehdorn. Und so gebärdete er sich in den vergangenen Wochen wie eh und je: stampfend, besserwisserisch, arrogant. Sprach von "unerträglicher Skandalisierung" , rechtfertigte die Rasterfahndung im Unternehmen mit dem Satz: "Wenn einer klaut, den muss man jagen." Fehler wies er immer wieder von sich, bis zuletzt. Und das, obwohl ständig neue Details der Durchsuchungs-Aktionen öffentlich wurden – zuletzt eine groß angelegte Aktion, bei der E-Mails der Mitarbeiter gefiltert wurden. Schlechter lässt sich nicht mehr kommunizieren.

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Selbst am Montag, als Mehdorn seinen Rücktritt anbot, wies er Fehler von sich. Einmal mehr tat er so, als laufe eine große Verschwörung gegen seine Person, sprach von einer "Kampagne zur Veränderung der Unternehmensführung und der Unternehmenspolitik". Die Diskussion habe sich längst von den Fakten abgekoppelt, schimpfte Mehdorn. Dass sein Auftreten und die Informationspolitik des Unternehmens entscheidend dazu beigetragen haben, dass dieser Skandal so hochkochte, verschwieg er. Am Dienstag nun wird die Bundesregierung über seine Nachfolge beraten.

Wenn man wohlwollend sein will, könnte man sagen, Mehdorn ist sich bis zuletzt treu geblieben. Seit ihn Gerhard Schröder im Jahr 1999 auf den Chefposten der Bahn hob, scheute er keinen Machtkampf. Verlässlich antwortete er auf Kritik im Tonfall des Besserwissenden. Mehdorn gilt als Sturkopf, als schroffer Gesprächspartner, der seine Vorhaben kompromisslos verfolgt. So stieg er zu "BahnchefMehdorn" auf, jener Figur, die im Volk unbeliebter war als jeder anderer Manager.

Seinem großen Ziel – den Börsengang des kompletten Konzerns – opferte er auch alte Weggefährten. Als Ersten traf es den Mann, der den Bahnchef eigentlich kontrollieren sollte, kurz nach Mehdorns Amtsantritt. Aufsichtsratschef Dieter Vogel wollte, dass der Staat das Schienennetz der Bahn behalten solle, auch nach dem geplanten Börsengang. Das passte dem  Bahnchef gar nicht. Schon damals galt: Wer Mehdorn nicht versteht, muss verstehen lernen. Oder gehen. Mehdorn drängte Vogel mithilfe des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder im Frühjahr 2001 aus dem Amt.

Ein ähnliches Schicksal widerfuhr dem glücklosen Verkehrsminister Kurt Bodewig. Auch er hatte für die Abtrennung des Netzes vom Konzern plädiert, um Wettbewerb auf der Schiene zu ermöglichen. Schröder entmachtete ihn ungefähr zu der Zeit, in der Vogel seinen Posten räumen musste. Ein Jahr später, nach der Bundestagswahl, war Bodewig nicht mehr Verkehrsminister.

Im Jahr 2002 reformierte die Bahn ihre Preise nach dem Vorbild der Lufthansa. Die Bahncard wurde abgeschafft. Eigentlich sollte die Preisreform ein wichtiger Schritt zum Börsengang sein, doch statt Gewinnen bescherte sie der Bahn horrende Verluste. Mehdorn blieb stur. Erst im März 2003, nachdem das Kanzleramt  interveniert hatte, gab er seine Reform auf.

"Das ist typisch für ihn. Er versucht lange, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Erst wenn die Mächtigen ihm Widerstand signalisieren, gibt er klein bei", sagt Markus Wacket, Autor des Buches Mehdorn, die Bahn und die Börse.

Leser-Kommentare
  1. 28.03.2009
    Sein Rücktritt werde gefordert, ohne dass die Untersuchung der Vorwürfe beendet sei, sagte der Bahnchef.

    "Hierfür stehe ich nicht zur Verfügung."

    30.03.2009

    "Ich biete meinen Rücktritt an“, sagte Mehdorn.

    Allerdings wies er alle Vorwürfe bezüglich der Spitzelaffäre vehement zurück.

    Deutschland, ein Land in dem das Wort „Posse“ sein zu Hause hat.

    Laut WIKIPEDIA:

    Eine Posse ist ein Bühnenstück, das auf Verwechslungen, ulkigen Zufällen und unwahrscheinlichen Übertreibungen aufgebaut ist und durch derbe Komik Lachen erzeugen soll.
    Die Posse galt als populäres, privatwirtschaftliches Gegenstück zur höfischen Komödie.

    Tri, Tra, Trallala...

  2. ... nicht früher gebracht?

    Es ist jetzt "Gott sein Dank" vorbei.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

  3. ..."Wenn einer klaut, den muss man jagen." - wie recht er doch hat.
    Er klaute den Mitarbeitern und den Kunden das Vertrauen in die Bahn, in die Bundesbahn, nicht seine Bahn.
    Aber auch er ist, wie alle Manager, finanziell abgesichert. Da ist Opfer sein - lästig - aber erträglich.
    Tschüss Mehdorn

    • Pirxxx
    • 30.03.2009 um 14:28 Uhr

    Man mag Herrn Mehdorn ja manches vorwerfen.... Sturheit, Überheblichkeit, Kungelei mit den Mächtigen. Fakt aber ist auch, dass er einen verschlafenen Staatskonzern in die schwarzen Zahlen geführt hat.
    Er hat strategischen Weitblick bewiesen und er hat beharrlich an seiner Strategie festgehalten. Das ist das Beste, was ein Unternehmensführer machen kann. Wenn er für seine Überzeugung stur sein und mit den Eignern kungeln muss - warum nicht?
    Ich kenne die Einzelheiten der Überwachungsaffäre nicht. Wenn jedoch ein Unternehmen seine Mitarbeiter kontrolliert, damit die Korruption eingedämmt wird, dann ist dies Verhalten richtig und notwendig. Schliesslich ist Deutschland im internationalen Korruptionsvergleich ein aufsteigendes Land.
    Was wollen wir eigentlich? Wollen wir wieder eine Behörde, die sich als Unternehmen ausgibt? Wollen wir ein unwirtschaftliches Unternehmen, für dessen Verluste der Steuerzahler einzustehen hat? Wollen wir eine Unternehmenskultur, die es dem Unternehmen nicht mehr erlaubt, sich selbst zu schützen?
    Vermutlich wird der nächste Bahnchef wieder ein pflegeleichter Kommunikator sein, der dieses Unternehmen dahin zurück steuert, woher es gekommen ist.
    Gute Nacht Deutsche Bahn!

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    An erster Stelle sollte immer der Mensch stehen. Er darf nie zum Objekt für wirtschaftliche Erwägungen werden.

    Es ist nicht vertretbar, für Korruptionsbekämpfung die Grundrechte außer Kraft zu setzen - schon garnicht durch die Deutsche Bahn.

    Es ist für mich erschreckend, für welche Ziele die Grundrechte der Menschen aufgegeben werden sollen.

    Dabei ist besonders auffallend, dass den großen Unternehmen oft auch ein besonders großer Spielraum bei Gesetzesübertritten erföffnet wird, während beim normalen Bürger jeder kleine Geschwindigkeitsübertritt geahndet wird.

    Armes Deutschland!

    ... ist megaout.

    Ehrlich gesagt will ich genau das, was Sie nicht wollen. Ich will die Bahn verstaatlichen, nicht zwangsweise um sie wieder in die roten Zahlen zu ziehen, sondern weil wir endlich in der Verkehrspolitik umdenken sollten. Ich will keine Bahn, bei der man Fahrkarten und Informationen nur am Automaten bekommt, ich will keine Bahn, bei der ich für die gleiche Strecke doppelt so viel bezahle aber doppelt solange brauche im Gegensatz zum Auto. Ich will keine anonymen Kontrolleure, sondern Schaffner, ich will keine ergonomischen Sitze, sondern bequeme, ich will Bahnpersonal, dass keine Kinder aus dem Zug wirft, weil es weiss, dass das unmenschlich ist und nicht, weil es dafür keinen soziologischen Lehrgang besucht hat. Ich will Service und keine anonyme AG; leider werd ich das alles nicht bekommen ob mit oder ohne Mehdorn.

    • gquell
    • 31.03.2009 um 10:03 Uhr

    Genau wie bei der Heidelberger Druck hat Herr Mehdorn auch bei der Bahn versagt und zwar kläglich.
    Nur ein einfaches Beispiel:
    Im Jahr 2000 lag die Leistung der Bahn im Fernverkehr bei 36,2 Milliarden Personenkilometer, im Jahr 2007 bei 34,2 Milliarden Personenkilometer. Und das, obwohl Milliarden in den Ausbau des Fernverkehrsnetzes gepumpt wurden (Quelle: Nachdenkseiten.de).
    In der Ära Mehdorn wurde der Nahverkehr dramatisch zusammengestrichen, viele ländliche Gebiete werden nur noch sporadisch versorgt ( bei mir ist es ab 21:00Uhr nicht mehr möglich, per Bahn aus der nächsten Stadt zu kommen!), die Preise wurden ohne Besserleistung erhöht und das Personal dramatisch abgebaut ( ich kann mir an meiner Bahnstation beispielsweise keine Fahrkarte kaufen! ).
    Das Personal wurde dramatisch abgebaut. Daneben wurde das vorhandene Personal drangsaliert und mit Mehrfachaufgaben versehen. Die Überwachung und Manipulation der internen Kommunikation ist nur die Spitze vom Eisberg.
    Auch im Güterverkehr hat er komplett versagt. Anstatt für einen Wechsel von der Straße zur Schiene zu werben und akiv durchzusetzen, erfolgte genau das Gegenteil.
    Desweiteren hat er durch seine Zukäufe die Zukunft des Unternehmens Bahn extrem gefährdet, indem er die Verschuldung steigerte.

    Wir können nur von Glück reden, daß die Bahn nicht an die Börse gegangen ist. Herr Mehdorn hat in "shareholder-value"-Manier, die Bahn ausgepreßt und mit einigen glitzernden Fassanden versehen, nur um sie an die Börse zu bringen. Dann hätte er seine vereinbarten Tantiemen kassiert, ein oder zwei Jahre als Anstandschef gearbeitet und wäre dann in den Ruhestand gegangen. Nach seiner Ära wäre dann die Bahn richtig in Schieflage geraten und hätte wahrscheinlich nur mit erheblichen staatlichen Mittel zugunsten der Aktionäre gerettet werden können.

    Wir brauchen eine Bahn, die
    - ein einfaches Tarifsystem hat,
    - billiger ist als ein PKW auf der gleichen Strecke,
    - die den Nahverkehr als wichtiges Element der mobilen Versorgung begreift,
    - die kundenfreundlicher,
    - und keine private Aktiengesellschaft ist.

    An erster Stelle sollte immer der Mensch stehen. Er darf nie zum Objekt für wirtschaftliche Erwägungen werden.

    Es ist nicht vertretbar, für Korruptionsbekämpfung die Grundrechte außer Kraft zu setzen - schon garnicht durch die Deutsche Bahn.

    Es ist für mich erschreckend, für welche Ziele die Grundrechte der Menschen aufgegeben werden sollen.

    Dabei ist besonders auffallend, dass den großen Unternehmen oft auch ein besonders großer Spielraum bei Gesetzesübertritten erföffnet wird, während beim normalen Bürger jeder kleine Geschwindigkeitsübertritt geahndet wird.

    Armes Deutschland!

    ... ist megaout.

    Ehrlich gesagt will ich genau das, was Sie nicht wollen. Ich will die Bahn verstaatlichen, nicht zwangsweise um sie wieder in die roten Zahlen zu ziehen, sondern weil wir endlich in der Verkehrspolitik umdenken sollten. Ich will keine Bahn, bei der man Fahrkarten und Informationen nur am Automaten bekommt, ich will keine Bahn, bei der ich für die gleiche Strecke doppelt so viel bezahle aber doppelt solange brauche im Gegensatz zum Auto. Ich will keine anonymen Kontrolleure, sondern Schaffner, ich will keine ergonomischen Sitze, sondern bequeme, ich will Bahnpersonal, dass keine Kinder aus dem Zug wirft, weil es weiss, dass das unmenschlich ist und nicht, weil es dafür keinen soziologischen Lehrgang besucht hat. Ich will Service und keine anonyme AG; leider werd ich das alles nicht bekommen ob mit oder ohne Mehdorn.

    • gquell
    • 31.03.2009 um 10:03 Uhr

    Genau wie bei der Heidelberger Druck hat Herr Mehdorn auch bei der Bahn versagt und zwar kläglich.
    Nur ein einfaches Beispiel:
    Im Jahr 2000 lag die Leistung der Bahn im Fernverkehr bei 36,2 Milliarden Personenkilometer, im Jahr 2007 bei 34,2 Milliarden Personenkilometer. Und das, obwohl Milliarden in den Ausbau des Fernverkehrsnetzes gepumpt wurden (Quelle: Nachdenkseiten.de).
    In der Ära Mehdorn wurde der Nahverkehr dramatisch zusammengestrichen, viele ländliche Gebiete werden nur noch sporadisch versorgt ( bei mir ist es ab 21:00Uhr nicht mehr möglich, per Bahn aus der nächsten Stadt zu kommen!), die Preise wurden ohne Besserleistung erhöht und das Personal dramatisch abgebaut ( ich kann mir an meiner Bahnstation beispielsweise keine Fahrkarte kaufen! ).
    Das Personal wurde dramatisch abgebaut. Daneben wurde das vorhandene Personal drangsaliert und mit Mehrfachaufgaben versehen. Die Überwachung und Manipulation der internen Kommunikation ist nur die Spitze vom Eisberg.
    Auch im Güterverkehr hat er komplett versagt. Anstatt für einen Wechsel von der Straße zur Schiene zu werben und akiv durchzusetzen, erfolgte genau das Gegenteil.
    Desweiteren hat er durch seine Zukäufe die Zukunft des Unternehmens Bahn extrem gefährdet, indem er die Verschuldung steigerte.

    Wir können nur von Glück reden, daß die Bahn nicht an die Börse gegangen ist. Herr Mehdorn hat in "shareholder-value"-Manier, die Bahn ausgepreßt und mit einigen glitzernden Fassanden versehen, nur um sie an die Börse zu bringen. Dann hätte er seine vereinbarten Tantiemen kassiert, ein oder zwei Jahre als Anstandschef gearbeitet und wäre dann in den Ruhestand gegangen. Nach seiner Ära wäre dann die Bahn richtig in Schieflage geraten und hätte wahrscheinlich nur mit erheblichen staatlichen Mittel zugunsten der Aktionäre gerettet werden können.

    Wir brauchen eine Bahn, die
    - ein einfaches Tarifsystem hat,
    - billiger ist als ein PKW auf der gleichen Strecke,
    - die den Nahverkehr als wichtiges Element der mobilen Versorgung begreift,
    - die kundenfreundlicher,
    - und keine private Aktiengesellschaft ist.

  4. Oha:
    "Man stelle sich vor, Hartmut Mehdorn [wäre] ein anderer, besonnerer gewesen. "

    Und:
    "Und so gebährdete er sich [...]"

    Bißchen mehr Sorgfalt könnte auch nicht schaden.

  5. Ich finde es schade, dass Herr Mehdorn zurückgetreten ist. Er war derjenige, der aus der deutschen Bahn wieder einen soliden Konzern gemacht hat und die Pünktlichkeit verbessert hat. Das hier und da noch Potential ist, ist selbstverständlich. ich kann allerdings nicht seine Fehler erkennen: Das Durchleuchten von Emails ist mit dem Durchleuchten von Geschäftspost identisch. Das Emailsystem ist für den Betrieb da und ausschließlich dafür. Das macht jedes andere Unternehmen auch so. Wer sich den Bericht der Kommission durchgelesen hat, erkennt, dass keine (!!!) strafrechtlichen Konsequenzen gefordert werden. @ Zug des Vergessens: Das man einen Dampfzug nicht unter einem Glasdach fahren lassen kann, ist keine Stursinnigkeit, sondern nur klarer Menschenverstand. Die Autoren haben das leider nicht ganz verstanden. Mir graut es vor dem Nachfolger des Chefbahners: Es gibt genügend (nichts-könnende) Politiker die dringend abgeschoben werden müssten: Tiefensee, Koch, Sarazin usw usw usw... Und keiner hat das technische-betriebswirtschaftliche KnowHow um einen GlobalPlayer (und damit verdient sie nämlich auch das Geld um die lokalen Bahnen überhaupt rollen zu lassen) wie die DB führen zu können. Die charakterliche Stärke lasse ich mal bewusst aussen vor....Aber der Bundestag ist ja voller Experten...

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    Die Autoren sind wahrscheinlich nicht so kurzsichtig wie von Ihnen geschrieben.

    Klar, in einem neu renovierten/aufgebauten Kopfbahnhof mit Glasdach kann eine Dampflok deutliche Spuren hinterlassen. Der Rauch hängt recht lange drin und kann nicht abziehen. Nur, dafür gibt es eine ganz einfache Lösung: Mehdorn hätte Dieselloks bewilligen können, die den Sonderzug in den Bahnhof geschoben und später wieder rausgezogen hätten.

    Wenn ich die Berichte der letzten Jahre über die DB und vor allem über Mehdorn lese, dann werde ich das Gefühl nicht los, dass es sich hier um einen kleinen Diktator mit genügend Rückhalt in der Demokratie handelt.

    Fehler sind unter seiner Regie mehr als genug passiert. Mehdorn würde Grösse zeigen, wenn er sagen würde, dass die Bespitzelung der Mitarbeiter ein Fehler war (die Mitarbeiter-Mails lesen tun einzelne andere Firmen auch, aber längst nicht alle). Er kann sich auch nicht damit rausreden, dass seine ihm unterstellten Chefs Bespitzelungen angeordnet hätten. Dafür ist er viel zu fest überall im Betrieb dabei. Dass es nicht nur Vorteile hat, zeigt sich jetzt.

    Die Autoren sind wahrscheinlich nicht so kurzsichtig wie von Ihnen geschrieben.

    Klar, in einem neu renovierten/aufgebauten Kopfbahnhof mit Glasdach kann eine Dampflok deutliche Spuren hinterlassen. Der Rauch hängt recht lange drin und kann nicht abziehen. Nur, dafür gibt es eine ganz einfache Lösung: Mehdorn hätte Dieselloks bewilligen können, die den Sonderzug in den Bahnhof geschoben und später wieder rausgezogen hätten.

    Wenn ich die Berichte der letzten Jahre über die DB und vor allem über Mehdorn lese, dann werde ich das Gefühl nicht los, dass es sich hier um einen kleinen Diktator mit genügend Rückhalt in der Demokratie handelt.

    Fehler sind unter seiner Regie mehr als genug passiert. Mehdorn würde Grösse zeigen, wenn er sagen würde, dass die Bespitzelung der Mitarbeiter ein Fehler war (die Mitarbeiter-Mails lesen tun einzelne andere Firmen auch, aber längst nicht alle). Er kann sich auch nicht damit rausreden, dass seine ihm unterstellten Chefs Bespitzelungen angeordnet hätten. Dafür ist er viel zu fest überall im Betrieb dabei. Dass es nicht nur Vorteile hat, zeigt sich jetzt.

  6. „Ich kenne die Einzelheiten der Überwachungsaffäre nicht. Wenn jedoch ein Unternehmen seine Mitarbeiter kontrolliert, damit die Korruption eingedämmt wird, dann ist dies Verhalten richtig und notwendig.“

    Nun wenn Sie keine Einzelheiten kennen, dann nenne ich Ihnen nur mal ein paar:

    Abgeordnete wie Anton Hofreiter (Grüne) und Dirk Fischer (CDU) erklärten, dass es zuverlässige Informationen über vernichtete Akten gebe.
    "stern.de" hatte berichtet, die eingesetzten Sondermittler Hertha Däubler-Gmelin und Gerhard Baum hätten sich beim Aufsichtsrat darüber beschwert, dass Akten nicht herausgegeben würden und die Untersuchung durch „tagelange Diskussionen“ verzögert werde.

    Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), ehemals Bahn Vorstand, antworte auf die Frage von Journalisten:

    Hat Hartmut Mehdorn Ihrer Meinung nach tatsächlich nichts gewusst?

    Sarrazin: Da kann ich nur den Kopf schütteln. Ich war vier Monate Leiter der Konzernrevision, bis ich in den Vorstand wechselte. Mehdorns Aussage, er habe nichts gewusst, ist vollständig lachhaft…Mehdorn sagt da nicht die Wahrheit.

    Vorgeworfen wird der Bahn, dass ausgeforschte Mitarbeiter nicht informiert wurden, ferner Aufträge an die Detektei nicht schriftlich gegeben worden (übrigens die gleiche die schon für TELEKOM „arbeitete“) und daher jetzt nicht nachprüfbar. Es sei darum gegangen, die Daten der Mitarbeiter wie Adressen, Telefonnummern und Bankverbindungen mit denen von Lieferanten abzugleichen. Ausgeforscht wurde lt. Stern nicht nur Mitarbeiter, sogar deren Ehepartner.

    Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix wurde im „Stern“ mit den Worten zitiert: „Wir haben bei der Bahn erhebliche Verstöße gegen das Bundesdatenschutzgesetz festgestellt.“

    Nach Erkenntnissen der mit der Aufklärung des Datenskandals beauftragten Sonderermittler habe die Bahn die E-Mails ihrer Mitarbeiter gezielt nach Kontakten zu Journalisten durchforstet. Die Ermittler hätten zahlreiche Akten ausgewertet und Mitarbeiter befragt, dabei seien sie auf einen automatischen E-Mail-Filter gestoßen.

    Insgesamt sollen davon 170.000 Mitarbeiter betroffen sein, bis hin zum Werkstattmitarbeiter.

    Langt Ihnen das?

    „Was wollen wir eigentlich? Wollen wir wieder eine Behörde, die sich als Unternehmen ausgibt? Wollen wir ein unwirtschaftliches Unternehmen, für dessen Verluste der Steuerzahler einzustehen hat?“

    Kleine Gedächtnisstütze.

    Um die Bahnreform zu finanzieren – was offenbar absolut in Vergessenheit geraten ist- wurde mit Wirkung 1. Januar 1994 die Mineralölsteuer um 7 Pfennig erhöht.

    Schon mal was davon gehört, dass diese wieder zurück genommen wurde?
    Ich nicht.

    • angste
    • 30.03.2009 um 16:13 Uhr

    weil Verstöße gegen das Datenschutz nur Ordnungswidrigkeiten sind.

    Von der Bahn bestätigt wurde bisher unter anderem:
    Der mehrfache flächendeckende Abgleich ALLER Personaldaten mit Daten von Firmen, mit denen die Bahn Geschäftsbeziehungen unterhält.
    ABER: Diese Personaldaten (incl. Kontodaten) wurden einer dubiuosen Detektei übergeben, ohne schriftlichen Auftrag, ohne eine Verschiegenheitsklausel. Die Bahn mußte zugeben, daß sie nicht weiß, was diese Detektei mit den Daten gemacht hat. Die gleiche Detektei war auch bei der Telecom-Spitzelaktion beteiligt.
    Zusätzlich wurden über 700 Führungskräfte überprüft, ebenfalls mit Hilfe der Detektei. Dabei wurde auch auf die Kundendatei zugegriffen um an die Daten der Ehepartner zu kommen. Bei diesen Überprüfungen wurden wahrscheinlich auch Kontobewegungen überprüft.
    Es waren vorbeugende Aktionen, ohne irgendeinen Verdacht. Und selbstverständlich ohne den Betriebsrat zu informieren, ohne die Überprüften nachträglich zu informieren.
    Desweitern gabs den Auftrag "Uhu. Es sollte die Person gefunden werden, die Mehdorn bei den Steuerbehörden angezeigt hatte. Dafür wurden heimlich Festplatten überprüft, Mails von Mitarbeitern einem Experten übergeben, der eine Schriftstilgutachten erstellen sollte, herausfinden sollte, welcher Schriftstil mit der Anzeige übereinstimmen konnte. Bei diesen Mails war unter anderen auch vertrauliche Korrespondenz mit dem Betriebsrat.
    Insgesamt gab es wohl über 40 verschieden Aufträge für die Detektei, meist mündlich.
    Alle Vorwürfe an die Bahn, die im Januar bekannt geworden sind, sind von der Bahn bestätigt worden. Allerdings wurde alles von ihr als rechtens bezeichnet .

    Die jetzt bekannt gewordenen Vorwürfe sind bisher von der Bahn noch nicht bestätigt worden (bis auf das Abfangen und Löschen der Gewerkschaftsmails), aber es geht wohl um das Kontrollieren von Emails an und von über 50 verschieden Personen oder Gruppen, Journalisten, Professoren, Politiker, die die Bahn als Kritiker indentifiziert hatte. Teilweise auch wieder das ausspionieren von Festplatten. Bis 2008, obwohl zumindest seit 2007 die Privatmail ausdrücklich erlaubt war.
    Die Untersuchungen da laufen weiter. Das wäre dann keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern tatsächlich eine Straftat.

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