Musik-Software Jeder ist seines Stückes Schmied

Das neue Microsoft-Programm "Songsmith" soll Hobbymusikern die Begleitband ersetzen. Die Ergebnisse klingen unfreiwillig komisch. Unser Autor hat's ausprobiert

Verglichen mit anderen Musik-Programmen sieht "Songsmith" aus wie Kinderspielzeug

Verglichen mit anderen Musik-Programmen sieht "Songsmith" aus wie Kinderspielzeug

Wer träumt nicht davon, einmal zur allgemeinen Verzückung seine Lieblingssongs ins Mikrofon zu schmettern, mit einer starken Band im Rücken? Nun, Stimme oder ein Instrument sollte man haben, aber zur Begleitkapelle präsentiert Microsoft nun eine Alternative: die Musiksoftware Songsmith.

Die Demoversion des Programms (98 MB, 6 Stunden nutzbar) ist schnell heruntergeladen und installiert. Ein Geburtstagsständchen gefällig, das per Mail verschickt werden kann? Los geht's. Als Erstes wählt man einen Musikstil – 30 Genres von Jazz über Salsa bis zu Discopop stehen zur Auswahl – und ein passendes Tempo; für Happy Birthday beispielsweise Piano Pop in 3/4 und die gemäßigte Metronomzahl von 113 bpm. Ein Klick startet die Schlagzeugspur, zu der man die Melodie singt und aufnimmt. Das Programm sucht nun automatisch die dazu passenden Akkorde, anschließend lässt sich das fertige Lied bequem exportieren und versenden.

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"Selbst jemand, der keine Ahnung von Musiktheorie hat, kann mit Songsmith Musikstücke produzieren", schwärmt Dan Morris von Microsoft Research, der die Software mit seinem Kollegen Sumit Basu entwickelt hat. Tatsächlich spielt Notenschrift keine Rolle – anders als bei Apples Konkurrenzprodukt Garage Band oder dem deutschen Kompositionsprogramm Ludwig.

Damit der Rechner aus Melodien automatisch Harmoniefolgen ableiten kann, mussten die Entwickler viel Vorarbeit leisten. Das Problem ist, dass ein und derselbe Ton in mehreren denkbaren Akkorden vorkommen kann. Die Software muss also bei jedem Ton abwägen, welches der passende Akkord ist. Dabei gilt es, die umgebenden Töne einer Melodie sowie die Tonart des Stückes insgesamt zu berücksichtigen. Schließlich muss das errechnete Akkordschema in ein gefälliges Arrangement umgesetzt werden.

Leser-Kommentare
  1. Ich fand den Werbespot sehr lustig, um ehrlich zu sein, einer der besten, den ich kenne. Aber wer ihn voellig ernst nimmt, kann ihn natuerlich nur daemlich finden.

    Hier ein Link, fuer die die ihn noch nicht kennen:

    Wenn ich mich nicht sehr taeusche, zeigt Microsoft hier eine grosse Portion an Selbstironie. Und wieso die Kritik an den Gesangsqualitaeten der Schauspieler? Zur Zielgruppe gehoeren wohl kaum professionelle Musicaldarsteller, sondern gerade Leute, die eben kein Instrument spielen oder Noten lesen koennen und wahrscheinlich auch gesangtechnisch keine Wunderdinge vollbringen. Also die Mehrheit der Bevoelkerung, die jetzt trotzdem ohne viel Muehe Musik produzieren kann. Der Unterhaltungswert der Laienproduktionen mit Songsmith wird wohl aehnlich unterhaltsam sein oder "daemlich", wie dieser Werbespot. Genau das macht Songsmith aus, genau wie Singstar und die Nintendo Wii. Kein Ernst, sondern der Spassfaktor des unerwarteten, aber dennoch wiederzuerkennenden.

    Schade, dass es noch nicht ganz so gut funktioniert, wie die Werbung glauben macht, aber das wird schon noch kommen.

    Kostet ja auch nur 29 €.

  2. Das Problem an Songsmith scheint zu sein, dass es nicht polyphon "denken" kann. Denn dann würde die Logik der Stimmführung den Akkord vorgeben, der wirklich passt.
    Auch funktioniert die Gewichtung von Akkorden im harmonischen Gefüge des Songs anscheinend nicht so richtig.
    Abhilfe: das Programm mit allen Bach-Chorälen füttern. Das wäre mal ein Anfang.

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