ZEIT ONLINE: Von Wien sind Sie in den siebziger Jahren nach England gezogen. Wie sehr sind Sie noch mit der japanischen Kultur verwurzelt?

Uchida: Schwierig zu sagen, das könnten Außenstehende vielleicht besser beurteilen als ich. Auf jeden Fall ist mir die Sprache immer noch sehr nah. Ich kann Japanisch sprechen und lesen, obwohl ich nie wieder richtig in dem Land gelebt habe. Von meinem Denken her bin ich aber Europäerin. Neben Englisch ist mir Deutsch sehr wichtig. Um Johann Sebastian Bach zu verstehen, muss ich seine Sprache können. Das merke ich auch, wenn ich Beethoven und Schumann spiele. Wenn man deutsche Lieder ohne Wörterbuch verstehen kann, macht das einen riesigen Unterschied. Deutsch habe ich nicht erlernt, sondern erlebt – darüber bin ich sehr dankbar.

ZEIT ONLINE: Sie haben Mozarts gesamte Klaviersonaten und -konzerte auf CD eingespielt, ebenso alle Konzerte Beethovens und fast alle Sonaten von Schubert. Reizt es Sie, bestimmte Komponisten vollständig zu ergründen?

Uchida: Je mehr ich über sie erfahre, desto besser ist es. Die sinfonischen Werke und vor allem die Streichquartette von Beethoven bedeuten mir sehr viel. Auch Mozarts Opern wollte ich unbedingt kennenlernen. Seine Werke interpretiere ich inzwischen anders als vor 25 Jahren, als ich die Sonaten aufnahm. Das liegt allerdings weniger an mir als an Mozart selbst. Seine Musik verändert sich von Tag zu Tag.

ZEIT ONLINE: Sie sammeln altes englisches Porzellan und besitzen auch eine Tasse, die aus Mozarts Geburtsjahr 1756 stammt.

Uchida: Ich war einmal ziemlich verzweifelt darüber, wie schlecht mein Mozart-Spiel klang. Das ist jetzt etwa 30 Jahre her. In einem Geschäft in London entdeckte ich dann diese große Tasse und wusste sofort, dass ich sie haben wollte.