ZEIT ONLINE: Hat das Ihr Klavierspiel beeinflusst?

Uchida: Nein, überhaupt nicht! (lacht) Man versucht halt alles, um der Welt solcher Komponisten näherzukommen. Auf Originalinstrumenten zu musizieren, hilft mir bei dieser Suche dagegen sehr. Im Kunsthistorischen Museum in Wien steht ein historischer Walter-Flügel aus der Mozart'schen Zeit. Ich liebe dieses Instrument und habe darauf sogar ein Konzert gespielt.

ZEIT ONLINE: In Ihren Programmen kombinieren Sie gern Mozart, Schubert oder Schumann mit Werken der Zweiten Wiener Schule …

Uchida: … oder mit noch späteren Kompositionen. Kürzlich habe ich in Salzburg ein Programm mit Stücken von Mozart, Boulez und Kurtág aufgeführt. Das Publikum kam sicherlich in erster Linie wegen Mozart, aber ich möchte auch interessante zeitgenössische Musik spielen. Man kann nicht nur in der Vergangenheit leben, die Welt bewegt sich weiter. Zu Mozarts Zeiten gingen die Leute in Konzerte, um neue Musik kennenzulernen. Heute will das Publikum dagegen fast immer nur Werke hören, die längst bekannt sind. Das finde ich sehr schade. Es ist wichtig, verschiedene Epochen miteinander zu mischen und große Musik zu würdigen, gleich ob sie alt ist oder neu.

ZEIT ONLINE: In den USA spielen Sie regelmäßig mit jungen Musikern. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Uchida: Gemeinsam mit Richard Goode leite ich das Marlboro Festival in Vermont, wo jeden Sommer Nachwuchsmusiker mit erfahrenen Kollegen hauptsächlich Kammermusik aufführen. Unsere Idee ist, dass die Älteren die Jüngeren nicht unterrichten, sondern gemeinsam mit ihnen musizieren. Die jungen Leute haben noch nicht so viel erlebt, aber sie sind offen und voller Träume. Mich mit ihnen zu beschäftigen, gibt mir persönlich sehr viel.

Das Gespräch führte Corina Kolbe.

Mitsuko Uchida
ist in dieser Saison "Pianist in Residence" bei den Berliner Philharmonikern. Am 11., 12. und 13. Februar führt sie mit dem Orchester unter Leitung von Sir Simon Rattle das "Klavierkonzert a-Moll op. 54" von Robert Schumann auf. Alle drei Konzerte sind ausverkauft.


Plattenrezensionen, Künstlerporträts und Netzradio rund um die Uhr gibt's auf zeit.de/musik "

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Klicken Sie hier, und unser RSS-Newsletter bringt Ihnen die Musik direkt auf den Schirm.