NS-Verbrecher Der lange Schutz für die Nazi-Täter
Vor 30 Jahren starb der KZ-Arzt Josef Mengele. Wie er standen viele NS-Verbrecher nie vor Gericht. Schuld daran sind auch die deutsche Politik und Justiz
Josef Mengele war bis 1985 der wohl meistgesuchte Mann der Welt: Rund sieben Millionen Mark Belohnung waren auf seinen Kopf ausgesetzt. Dabei lebte der sadistische Auschwitz-Arzt da schon lange nicht mehr: Am 7. Februar 1979, da sind sich die meisten Historiker einig, erlitt er beim Schwimmen einen Schlaganfall. Das Grab des 1911 geborenen NS-Kriegsverbrechers wurde 1985 in der Nähe des brasilianischen São Paulo entdeckt, die exhumierte Leiche von Gerichtsmedizinern als die Mengeles identifiziert. Ein DNA-Test bestätigte 1992 die Identität.
Mengele ist der berüchtigtste Nazi-Täter, der wie andere davon profitierte, dass sie nach dem Krieg in der jungen Bundesrepublik kaum verfolgt wurden. Ein anderer, der SS-Arzt Aribert Heim , ist offenbar in 1992 in Kairo gestorben, wie das ZDF und die New York Times jetzt herausgefunden haben wollen. Weil er auf einem Armenfriedhof beerdigt wurde, in dem die Gräber schnell wieder neu belegt werden, wird seine Leiche wohl nie gefunden werden. Für tot hält man auch Alois Brunner, einen wichtigen Verantwortlichen für den Massenmord an den Juden, der zuletzt in Damaskus gelebt haben soll.
Die NS-Verbrecher entgingen ihrer Strafe, weil für die westlichen Siegermächte wie für die ersten Bundesregierungen ab 1945 der Kalte Krieg rasch wichtiger wurde als die Aufarbeitung des gerade beendeten. Das Nachkriegs-Deutschland war mit Wiederaufbau, Wirtschaftswunder und Verdrängen beschäftigt. Die Ludwigsburger Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen wurde erst 1958 gegründet; auch dann sahen viele in Politik, Justiz und Verwaltung ihre Arbeit als Nestbeschmutzung und behinderten sie, wo sie nur konnten. Die Archive im Ostblock waren tabu, die Quellenlage entsprechend dünn.
Zudem nahmen die ersten Bonner Regierungen Rücksicht auf Verstrickungen eigener Leute. So wusste die Regierung Adenauer seit März 1958 vom US-Geheimdienst CIA, dass Adolf Eichmann sich in Argentinien aufhielt, der Hauptorganisator des Massenmordes an den Juden. Doch Kanzler Konrad Adenauer (CDU) verhinderte, so interpretiert es zumindest der US-Historiker Timothy Naftali, eine Verhaftung, damit sein tief in das NS-Regime verstrickte Staatssekretär Hans Globke nicht durch Aussagen Eichmanns in einem Prozess belastet würde. Erst im Mai 1960 wurde Eichmann von Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad nach Israel verschleppt, vor Gericht gestellt und 1962 hingerichtet.
Eichmanns Ergreifung verhinderte die Verhaftung Mengele. Nach Argentinien war auch der sadistische KZ-Arzt entkommen, der in Auschwitz ab 1943 mit Zwillingen und Kleinwüchsigen experimentiert, rund 40000 Menschen für den Tod in der Gaskammer ausgewählt und Häftlinge mit der Spritze ermordet hatte. Mengele war 1949 nach Buenos Aires gelangt; das deutsche Konsulat stellte ihm einen Pass auf seinen echten Namen aus. Später ging er nach Paraguay und Brasilien. Der Mossad hatte ihn neueren Erkenntnissen zufolge 1960 aufgespürt, ließ ihn aber laufen, um die Entführung Eichmanns nicht zu gefährden.
In Südamerika wurde bislang auch Aribert Heim vermutet. Der Lagerarzt in Sachsenhausen, Buchenwald sowie Mauthausen hatte es zunächst geschafft, sich als Arzt in der Bundesrepublik eine bürgerliche Existenz aufzubauen. Er tauchte erst 1962 unter und kassierte wohl noch bis 1979 Mieteinnahmen eines Hauses in Berlin. ZDF-Reporter fanden jetzt Dokumente, die vermuten lassen, Heim sei als Tarek Farid Hussein 1992 in Kairo gestorben.
In den Nahen Osten floh auch Alois Brunner, rechte Hand Eichmanns und bislang vor Heim meistgesuchter NS-Kriesgverbrecher auf der Liste des Wiesenthal-Zentrums. Der Mann, der Wien „judenfrei“ meldete, lebte als Alois Schmaldienst bis 1954 in Essen. In Frankreich wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
Als sein Alias aufzufliegen drohte, verhalfen ihm alte Kameraden zur Flucht nach Damaskus. Rudolf Vogel, Ex-Mitglied der NS-Propagandastaffel in Saloniki und später Bundestagsabgeordneter der CDU, soll die Tickets nach Syrien besorgt haben. Der frühere SS-Kamerad Georg Fischer, Leibwächter Adenauers, überließ Brunner 1954 seinen Pass.
Der wichtigste Fluchthelfer aber war wohl Reinhard Gehlen, einst Chef der Ostspionage der Wehrmacht, der im Auftrag des US-Geheimdienstes den bundesdeutschen Nachrichtendienst aufbaute: Die „Organisation Gehlen“ wurde zum BND und er dessen Chef bis 1968.
Brunner, der jetzt Dr. Fischer hieß, übermittelte Gehlen Informationen über den Nahen Osten und wurde zudem so etwas wie„Berater für Judenfragen“ des syrischen Regimes. Die österreichischen und deutschen Behörden fahndeten erst seit den 70er Jahren ernsthaft nach Brunner - und wurden in Syrien abgewimmelt: Brunner sei nicht in Damaskus. Dabei telefonierten westliche Reporter mehrfach mit ihm, noch in den 80er Jahren gab er Interviews.
Bei zwei möglicherweise vom Mossad verübten Briefbombenanschläge verlor Brunner 1961 ein Auge und 1980 vier Finger der linken Hand. Seit 2001 wurde der NS-Verbrecher, der heute 96 Jahre alt wäre, nicht mehr gesehen. Das Simon-Wiesenthal-Center nennt ihn zwar noch auf der Liste der Meistgesuchten, nimmt aber an, dass er tot ist.
Der Nahe Osten war neben Südamerika ein beliebtes Versteck der verbliebenen NS-Täter: Als Judenhasser fanden sie dort Gleichgesinnte, vor allem aber kooperierten die Regimes nicht mit westlichen Geheimdiensten. In Südamerika waren Chile und Paraguay wichtige Zielländer sowie vor allem Argentinien.
Dort lebte lange auch der an Erschießungen von Zivilisten in Italien beteiligte Erich Priebke – unter seinem richtigen Namen, mit deutschem Pass und als angesehenes Mitglied der deutschen Gemeinde, obwohl die Deutsche Botschaft seine Vergangenheit kannte. Erst 1993 wurde Priebke unter Arrest gestellt, 1995 nach Italien ausgeliefert und 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt – die wegen des schlechten Gesundheitszustandes des damals 85-jährigen umgehend in Hausarrest umgewandelt wurde.
Denn das ist das Problem der Nazi-Jäger: Weil die Verfolgung der noch lebenden NS-Kriegsverbrechen lange Jahre vernachlässigt wurde, sind etliche Zeugen tot, andere können oder wollen sich nicht mehr erinnern. Die greisen Angeklagten und Zeugen können Prozesstermine nicht wahrnehmen, sind nicht reisefähig, und kommt es doch zu einem Urteil, das der Angeklagte noch erlebt, wird es aus Gesundheitsgründen meist nicht vollstreckt. Die Versäumnisse der 50er, 60er und 70er Jahre sind nicht mehr aufzuholen.
- Datum 08.02.2009 - 10:12 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, 7.2.2009
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Das ganze ist eine einzige große Schande für die Bundesrepublik!
Und insb. auch für die CDU, die sich meines Wissens (ich lasse mich da aber durchaus eines anderen belehren - nur sollte das dann stichhaltig sein) nie mit ihrer Vergangenheit auseinandergesetzt hat - ja, sich sogar wieder zunehmend auf ihre "Grundungsväter" beruft.
Und gleichzeitig (was für eine Heuchelei und Verkennung der Verhältnisse!) der LINKEn ihre SED-Vergangenheit bei jeder Gelegenheit vorwirft - obwohl diese unendlich viel sorgfältiger und gründlicher aufgearbeitet wurde.
Die CDU wurde meines Wissens erst nach dem Krieg gegründet, kann also als Partei gar nicht unmittelbar an Verbrechen der Nazizeit verstrickt sein. Natürlich gab es ehemalige Nazis in der CDU. Die gab es aber auch in der SED.
Kümmern Sie sich erstmal um den Dreck vor der eigenen Haustür, bevor Sie andere mit Dreck bewerfen.
Und die ganzen nach der Wende gegründeten Seilschaften von Ex Armee angehörigen und normalen Beamten, die heute durchaus in Amt und Würden sind, da man sie brauchte.
Was die Historie angeht? Auch die SPD hat für das Ermächtigungsgesetz gestimmt. Im Grunde ist der ganze Ansatz des Autors verfehlt. Bereits die Nürnberger Prozesse haben ein gewisses Dilemma der Strafverfolgung aufgezeigt. Und auch das vor Gericht-Stellen von Milosevic und Saddam Hussein ist längst nicht allgemein akzeptiert.
Man kann an das Thema einfach nicht herangehen wie an "normale" Prozesse gegen Kriminelle. Allein der Verdacht von Siegerjustiz und Rachegelüste ehemaliger Zu Kurz gekommener gepaart mit begieriger Aufnahme machtpolitisch Interessierter komplizieren das ganze.
Ihr Kommentar zeigt es ja beispielhaft. Mal eben alle aus der ungeliebten politischen Richtung in Sippenhaft nehmen, und das Problem ist gelöst. Überlassen Sie, verehrter Markus Ka das doch besser den Wahlkampfstrategen, die gerne mit undifferenzierten Schuldzuweisungen arbeiten.
Die CDU wurde meines Wissens erst nach dem Krieg gegründet, kann also als Partei gar nicht unmittelbar an Verbrechen der Nazizeit verstrickt sein. Natürlich gab es ehemalige Nazis in der CDU. Die gab es aber auch in der SED.
Kümmern Sie sich erstmal um den Dreck vor der eigenen Haustür, bevor Sie andere mit Dreck bewerfen.
Und die ganzen nach der Wende gegründeten Seilschaften von Ex Armee angehörigen und normalen Beamten, die heute durchaus in Amt und Würden sind, da man sie brauchte.
Was die Historie angeht? Auch die SPD hat für das Ermächtigungsgesetz gestimmt. Im Grunde ist der ganze Ansatz des Autors verfehlt. Bereits die Nürnberger Prozesse haben ein gewisses Dilemma der Strafverfolgung aufgezeigt. Und auch das vor Gericht-Stellen von Milosevic und Saddam Hussein ist längst nicht allgemein akzeptiert.
Man kann an das Thema einfach nicht herangehen wie an "normale" Prozesse gegen Kriminelle. Allein der Verdacht von Siegerjustiz und Rachegelüste ehemaliger Zu Kurz gekommener gepaart mit begieriger Aufnahme machtpolitisch Interessierter komplizieren das ganze.
Ihr Kommentar zeigt es ja beispielhaft. Mal eben alle aus der ungeliebten politischen Richtung in Sippenhaft nehmen, und das Problem ist gelöst. Überlassen Sie, verehrter Markus Ka das doch besser den Wahlkampfstrategen, die gerne mit undifferenzierten Schuldzuweisungen arbeiten.
Der Autor sorgt zur richtigen Zeit für Aufklärung, nachdem die Unbelehrbaren in unserem Land immer offener das Terrain für Weiterungen sondieren die in einem Land, das Kultur und Menschlichkeit hochhält, nicht mehr auch bei "harmlosen" kleinen Anfängen ruhig bleiben lassen kann. Krisen sind immer auch eine Versuchung, in seiner Verzweiflung den nächst besten "Halt" zu suchen - je pompöser die Aufmachung, um so verführerischer wirkt er für Menschen, die ihre Verantwortung ängstlich aus dem Weg gehen.
Der Artikel hat auch klar gemacht, wie einfach es für solche Ungeheuer in Menschengestalt war, sich ungefährdet in der Welt weiter zu bewegen, in der sie unzählige unschuldige Opfer hinterlassen hatten.
Die Feigheit der Zuschauer und der Mitläufer war von Anfang an der beste Schutz für die Schergen des Nazi-Regimes.
Wielange wird die die kath. kirche auch diesen abschnitt ihrer geschichte verdrängen? Die zigtausenden von vatikanspässen und anderen gefälschten papieren mit denen nazigrößen nach südamerika fliehen konnten?Solange bis williamssen & co dies als einen akt der menschlickeit verbrämen dürfen?
anderer Benutzer gegenüber Ihrem Kommentar möchte Ihnen an dieser Stelle meine Zustimmung aussprechen! Sucht man nach der Schuld in Hinblick auf die Frage, wie es möglich war, dass so viele ehemalige Nazigrößen fliehen konnten, ist es unverzichtbar, sich die "Rattenlinien" nach Argentinien anzuschauen, insbesondere diejenigen über italienische Geistliche nach Buenos Aires. Perón hatte für sie als Offiziere, Ärzte, Ingenieure und Vermögensträger eine hervorragende Verwendung.
anderer Benutzer gegenüber Ihrem Kommentar möchte Ihnen an dieser Stelle meine Zustimmung aussprechen! Sucht man nach der Schuld in Hinblick auf die Frage, wie es möglich war, dass so viele ehemalige Nazigrößen fliehen konnten, ist es unverzichtbar, sich die "Rattenlinien" nach Argentinien anzuschauen, insbesondere diejenigen über italienische Geistliche nach Buenos Aires. Perón hatte für sie als Offiziere, Ärzte, Ingenieure und Vermögensträger eine hervorragende Verwendung.
Die CDU wurde meines Wissens erst nach dem Krieg gegründet, kann also als Partei gar nicht unmittelbar an Verbrechen der Nazizeit verstrickt sein. Natürlich gab es ehemalige Nazis in der CDU. Die gab es aber auch in der SED.
Kümmern Sie sich erstmal um den Dreck vor der eigenen Haustür, bevor Sie andere mit Dreck bewerfen.
ist die Nachfolgepartei des "Zentrums", sowie die Linke Nachfolgepartei der SED ist!
Zentrum=Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz! Die SPD und die Kommunisten waren als einzigste Parteien dagegen. Die SED ist die "Gemeinschaftspartei" von SPD und Kommunisten gewesen.
ist ein probates Mittel. Schauen Sie z.B. mal in den Wirtschaftsteil.
Obwohl, das Tafelsilber nimmt man immer gerne mit. Wäre wirklich interessant zu wissen, wie lange die deutschen Sicherheitsgesetze in diversen Schubladen schlummerten.
Natürlich gab es mal ein Ahlener Programm, in schweren Zeiten ist gut kleine Brötchen backen, doch "entscheidend ist, was hinten rauskommt".
Und - was kommt hinten raus?
ist die Nachfolgepartei des "Zentrums", sowie die Linke Nachfolgepartei der SED ist!
Zentrum=Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz! Die SPD und die Kommunisten waren als einzigste Parteien dagegen. Die SED ist die "Gemeinschaftspartei" von SPD und Kommunisten gewesen.
ist ein probates Mittel. Schauen Sie z.B. mal in den Wirtschaftsteil.
Obwohl, das Tafelsilber nimmt man immer gerne mit. Wäre wirklich interessant zu wissen, wie lange die deutschen Sicherheitsgesetze in diversen Schubladen schlummerten.
Natürlich gab es mal ein Ahlener Programm, in schweren Zeiten ist gut kleine Brötchen backen, doch "entscheidend ist, was hinten rauskommt".
Und - was kommt hinten raus?
Die Frustration der Nazi-Jäger ist offenbar groß, daß Dr. Heim, den man so gerne noch als Hundertjährigen hinter Gitter gebracht hätte, schon seit 1992 in den ewigen Jagdgründen weilt.
Mein Gott, gibt es keine dringlicheren tagespolitischen Themen als die Jagd auf alte Nazis? Z.B. sitzen Verantwortliche der letzten deutschen Diktatur, des SED- und Stasi-Regimes (das diejenigen Bürger tötete, die das gefängnisartig befestigte Staatsgebiet verlassen wollten), heute wieder in Regierungsämtern und feiern fröhliche Urständ' in ihrer umbenannten Partei. Diese Leute sind nicht 96 Jahre alt, sondern zwischen 50 und 70 und können noch viel Schaden anrichten. Wie wäre es, hier einmal Nägel mit Köpfen zu machen?
Mit dem Verdrängen waren die Regierungen schon immer sehr groß. Die Nazis mit der Stasi zu vergleichen ist sicher nicht angebracht, aber über die Verbrechen der Stasi wurde der Mantel des Vergessens gebreitet. Ich war im letzten Jahr in Erfurt und habe eine Stadtführung mitgemacht und hatte die Gelegenheit mit einer Frau der Stadtverwaltung zu sprechen. Sie hat mir einige Dinge aus der SED-Zeit im Zusammenhang mit der Stasi in Erfurt berichtet. Mir standen die "Haare zu Berge". In der Presse wurde das Thema Stasi auch sehr gekonnt umgangen. Viele der ehemaligen Stasi-Mitglieder sind heute in Parteien (nicht nur in der Linken) und Ämtern vertreten.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Mit dem Verdrängen waren die Regierungen schon immer sehr groß. Die Nazis mit der Stasi zu vergleichen ist sicher nicht angebracht, aber über die Verbrechen der Stasi wurde der Mantel des Vergessens gebreitet. Ich war im letzten Jahr in Erfurt und habe eine Stadtführung mitgemacht und hatte die Gelegenheit mit einer Frau der Stadtverwaltung zu sprechen. Sie hat mir einige Dinge aus der SED-Zeit im Zusammenhang mit der Stasi in Erfurt berichtet. Mir standen die "Haare zu Berge". In der Presse wurde das Thema Stasi auch sehr gekonnt umgangen. Viele der ehemaligen Stasi-Mitglieder sind heute in Parteien (nicht nur in der Linken) und Ämtern vertreten.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Mit dem Verdrängen waren die Regierungen schon immer sehr groß. Die Nazis mit der Stasi zu vergleichen ist sicher nicht angebracht, aber über die Verbrechen der Stasi wurde der Mantel des Vergessens gebreitet. Ich war im letzten Jahr in Erfurt und habe eine Stadtführung mitgemacht und hatte die Gelegenheit mit einer Frau der Stadtverwaltung zu sprechen. Sie hat mir einige Dinge aus der SED-Zeit im Zusammenhang mit der Stasi in Erfurt berichtet. Mir standen die "Haare zu Berge". In der Presse wurde das Thema Stasi auch sehr gekonnt umgangen. Viele der ehemaligen Stasi-Mitglieder sind heute in Parteien (nicht nur in der Linken) und Ämtern vertreten.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
menschlicher Greuel und das absolute Versagen der deutschen Gesellschaft. Dass eben diese, von Tätern durchsetzte, Gesellschaft, die unfähig war sich selbst zu befreien und aus eigener Kraft in den Kreis halbwegs zivilisierter Völker zurück zu kehren, nach dem Ende des Krieges weiter schuldig wurde, liegt auf der Hand. Die Täter und ihre Seilschaften waren so Teil dieser Gesellschaft, ihrer Politik und Justiz, dass eine wirkliche moralische wie rechtliche Selbstreinigung unmöglich war. Auch hierfür war die deutsche Gesellschaft auf Hilfe von außen angewiesen, weil jedes menschliche, moralische und ethische Maß so gründlich verloren gegangen war.
Wie hätten Selbsterkenntnis und ehrliche Trauer angesichts dieser Schuld Raum greifen können?
Wie lange es mitunter braucht die Auseinandersetzung mit dem eigenen Anteil kenntlich zu machen zeigt u.a. das Beispiel von Günter Grass.
Ralf Giordano schrieb sehr richtig von der "Zweiten Schuld" und manchmal, wenn ich die Aufmärsche der neuen Nazis sehe, fürchte ich der Zweiten könnte eine Dritte folgen.
Das Sterben der Täter von damals entlässt uns niemals aus der Verantwortung!
Wer wie Sie die eigene Gesellschaft bedenkenlos in die kollektive Haftung für den Holocaust nimmt, obwohl wenigstens 90 % aller in Deutschland lebenden Menschen entweder nach 1945 geboren wurden oder bei Kriegsende noch im Kindesalter waren, der muß sich fragen lassen, ob es ihm nicht eher darum geht, sich selbst und die eigene moralische Überlegeneheit vor diesem düsteren Hintergrund in einem um so helleren Licht darzustellen. Die Zweitschuld also soll es sein, und die Drittschuld ist auch nicht weit. Also mit anderen Worten, die Kollektivschuld bis ins siebente Glied? Aber sicher kommt jetzt gleich die Standardantwort, nicht Schuld, sondern die besondere Verantwortung der Deutschen? Ich trage sicher Verantwortung, daß so etwas nicht wieder passiert. Diese Verantwortung teile ich aber mit jedem vernunftbegabten Menschen auf diesem Planeten, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist. Also nicht mehr und nicht weniger als jeder andere im In- und Ausland.
Wer wie Sie die eigene Gesellschaft bedenkenlos in die kollektive Haftung für den Holocaust nimmt, obwohl wenigstens 90 % aller in Deutschland lebenden Menschen entweder nach 1945 geboren wurden oder bei Kriegsende noch im Kindesalter waren, der muß sich fragen lassen, ob es ihm nicht eher darum geht, sich selbst und die eigene moralische Überlegeneheit vor diesem düsteren Hintergrund in einem um so helleren Licht darzustellen. Die Zweitschuld also soll es sein, und die Drittschuld ist auch nicht weit. Also mit anderen Worten, die Kollektivschuld bis ins siebente Glied? Aber sicher kommt jetzt gleich die Standardantwort, nicht Schuld, sondern die besondere Verantwortung der Deutschen? Ich trage sicher Verantwortung, daß so etwas nicht wieder passiert. Diese Verantwortung teile ich aber mit jedem vernunftbegabten Menschen auf diesem Planeten, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist. Also nicht mehr und nicht weniger als jeder andere im In- und Ausland.
...inklusive die, der Kirchen.
Nazis, Inquisitoren, Stalinisten, Glaubensfundamentalisten, AlQuaidisten sind u. a. der Beweis für die Grausamkeit des Menschen. Die bestialische Natur des "Ich" eines Täters ist nichts mehr als die Potenzierung des Bösen, das in uns allen latent ist. Horror Täter müssen bestrafft werden, Täter des Alltags allerdings auch: sie erfahren aber selten und leider eine Straffe.
Verdrängen ist eine Strategie des Selbstschutzes. Wir alle üben sie aus. Wir alle sind Täter.
Ich kann diese LariFari-Ausrede nicht mehr hören. Es ist die Grausamkeit der Präanthropoiden, von denen wir abstammen. Ihre Taten und Ansichten sind ihrer evolutionären Primitivität geschuldet und haben abe gar keinen menschlichen Aspekt.
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In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
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Ich kann diese LariFari-Ausrede nicht mehr hören. Es ist die Grausamkeit der Präanthropoiden, von denen wir abstammen. Ihre Taten und Ansichten sind ihrer evolutionären Primitivität geschuldet und haben abe gar keinen menschlichen Aspekt.
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In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
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