Krisenopfer Obdachlos in New York
Die Zahl der Armen steigt, aber die öffentliche Unterstützung und die der Sponsoren sinkt. Früher kam 80 Prozent des Geldes von Unternehmen, allen voran von den Banken
Die Banker — darunter JP Morgan Chase-Boss Jamie Dimon und Immobiliengrößen wie Stephen Ross und Jonathan Tisch — wollten eigentlich ein festliches Mahl für 249 Dollar pro Teller genießen. New Yorks Bürgermeister Mike Bloomberg hatte dazu eingeladen. Aber schon nach fünf Minuten wurden sie unterbrochen. Rund hundert Menschen stürmten den Ballsaal im Grand Hyatt in Manhattan, sie trugen Schilder, auf denen stand, "Bürgermeister Bloomberg, rede mit allen New Yorkern“. "Anstatt sich um die Armen, um die Obdachlosen zu kümmern, interessiert sich Bloomberg nur für die Banker, die doch für die Rezession verantwortlich sind“, meinte einer der Protestler.
Die Demonstranten, die rasch von der Polizei aus dem Saal gedrängt wurden, gehören zu Bürgerinitiativen, die sich um Obdachlose kümmern. Denn diese sind ein wachsendes Problem. Ihre Zahl ist in einem der kältesten Winter des Jahrhunderts auf Rekordhöhen geklettert. Aber die Stadt hat ihren 600-Millionen-Dollar-Etat um 2,5 Prozent gekürzt. "Dabei brauchen wir in der jetzigen Situation mehr Geld, nicht weniger“, sagt Mary Brosnahan von der "Coalition of the Homeless“.
Bloomberg hatte beim Amtsantritt vor sieben Jahren versprochen, die Zahl der Obdachlosen um zwei Drittel zu senken. Davon ist der Bürgermeister weiter entfernt denn je. Und dazu kommt noch, dass Spenden von Konzernen der Krise an der Wall Street wegen zurückgehen.
Obdachlos zu werden, kann in New York schnell gehen. Einer, den es erwischt hat, ist Harald Gardner, ein Taxifahrer aus Poughkeepsie, ein Städtchen im Norden der Bronx. Er hatte einen Unfall, bei dem er schwer verletzt wurde. Er verlor sein Haus und mietete den Wohnwagen eines Bekannten in einem Trailerpark. Der kostete jedoch 350 Dollar im Monat und Gardner bekam nur 300 Dollar Sozialhilfe — und bis er sie bekam, dauerte es mehr als sechs Wochen. Nach ein paar Monaten musste er auch aus dem Wohnwagen ausziehen. Heute lebt er in einem Obdachlosenheim. "Mit 300 Dollar schaffe ich es nie wieder, auf die Füße zu kommen”, sagt er. “Davon kann ich kaum das Essen bezahlen.”
Gardner ist kein Einzelfall. In New York City gibt es mehr Obdachlose als jemals in den letzten 25 Jahren: Im Februar waren 9427 Familien mit 15049 Kindern in Obdachlosenheimen untergebracht, 35.275 Menschen insgesamt, und deutlich mehr als Ende 2008. "Die Zahl der Familien in Obdachlosenheimen ist seit der Krise um 15 Prozent gestiegen“, meint Gordon Campbell, Präsident von United Way of New York City, ein Verein, der arme New Yorker unterstützt. Dazu kommen noch mindestens 3000 Menschen, die draußen oder in der U-Bahn schlafen.
Noch im Jahr 2007 gaben Firmen und Konzerne US-weit 300 Milliarden Dollar im Jahr an die Wohltätigkeit und New York bekam ein großes Stück vom Kuchen ab. Gerade die Banken gehörten zu den größten Spendern. Allein die in Konkurs gegangene Bank Lehman Bros. gab 2007 rund 39 Millionen Dollar an 200 gemeinnützige Organisationen. Darunter waren DonorsChoose, eine Organisation, die öffentliche Schulen unterstützt oder "Doctors without Borders“. Das hat sich geändert. "Wir beobachten, so wie alle gemeinnützige Vereine, einen Rückgang der Unterstützung durch Konzerne“, meint Rachel Hyman, Managerin der New Yorker Obdachlosenorganisation Habitat for Humanity. "Das liegt daran, dass auch die Gehälter und die Bonusse der Wall-Street-Banker weniger werden.“
- Datum 06.02.2009 - 13:00 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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... die auf Spenden von Betrügern angewiesen ist um ihre Bevölkerung am Leben erhalten zu können, ist echt ein Witz. Sozialhilfe, die nichtmal die Miete für einen Wohnwagen abdeckt, da kommt einem ja selbst H4 wie ein Geschenk Gottes vor.
Hier kommen zwei kapitalistische Grotesken zusammen: Landflucht mit Megacities auf der einen Seite und Geldverknappung durch Anhäufung unglaublicher Vermögen auf der anderen. Die Armen sollten sich zusammenrotten und Manhatten plündern, das wäre eine adäquate Antwort auf dieses System und eine Mahnung an all jene Städte und Länder in denen es bald ähnlich zugehen wird.
Vielen Dank Frau Schweitzer,
Immer wieder lese ich Ihre knappen, aber sehr informativen Berichte aus der alten, neuen Welt. Ob zur Kriminalität, zum Gesundheitssystem oder jetzt zur Lage der Obdachlosen und Armen im kalten New York.
Wenn Sie erst einmal beschreiben was Sie sehen und hören, gefällt mir das ganz besonders. - Vielleicht gelingt es ja auch einmal zu beschreiben, was sie riechen, wenn Sie die Straßen des Big Apple durchstreifen.
Eine Anmerkung: Die Zahlen Ihres Artikels suggerieren, dass "Charity" einen erheblichen Anteil des privaten Reichtums an jene zurückfließen lässt die bedürftig sind. Aber ohne Verhältnisangaben hängen die Millionen oder Milliarden (Billions) in der Luft. Welchen Anteil am Etat der Stadt haben die Sozialausgaben, wie sieht das Budget New Yorks im Vergleich zu den Umsätzen der Privatwirtschaft und der Vermögensverteilung in der Stadt aus?
Wäre es nicht einmal lohnend, die Etats zweier Großstädte (Berlin, New York), bezogen z.B. auf das Thema Armen- und Obdachlosenfürsorge , miteinander zu vergleichen oder, den Anteil an Spenden und Stiftungen in Bezug zum Umsatz der Stadt und zu den vorhandenen Einkommen, sowie auf die Kopfzahl der Einwohner und die der Betroffenen hin in Beziehung zu setzen?
Ansonsten großes Lob, vor allem auch für Ihren guten Stil.
Liebe Grüße
Christoph Leusch
Zitat: "Aber die Situation in New York wird sich noch verschlechtern. Bald werden sich heimkehrende Soldaten aus dem Irak oder Afghanistan zu dem Heer der Obdachlosen gesellen. Bloomberg hat für sie ein Obdachlosenheim in Queens renovieren lassen, und lässt zwei neue Heime bauen, gleich um die Ecke von einem Krankenhaus in der Bronx."
Kann mir jemand bitte mal den "Mechanismus" erklären, weshalb die heimgekehrten Soldaten zu Obdachlosen werden?
Egal ob post-Vietnam-Looser oder post-Irak-Winner, das Trauma "Krieg" macht Soldaten für die Plutokratie funktionsuntüchtig. Und das führt im toollen amerika ratzifatzi in die Obdachlosigkeit.
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In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
______
Egal ob post-Vietnam-Looser oder post-Irak-Winner, das Trauma "Krieg" macht Soldaten für die Plutokratie funktionsuntüchtig. Und das führt im toollen amerika ratzifatzi in die Obdachlosigkeit.
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ideologische Heimat hat: die FDP.…
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.... dann ist es entsetzlich mit welcher Gleichgültigkeit oder Selbstverständlichkeit in dem Artikel geschrieben wurde: "Bald werden sich heimkehrende Soldaten aus dem Irak oder Afghanistan zu dem Heer der Obdachlosen gesellen. Bloomberg hat für sie ein Obdachlosenheim in Queens renovieren lassen {..]."
... tja ist halt so, weiter gehts. Eine kleine Nebensächlichkeit unter vielen Fakten. Ein gefühlter Nebensatz. Kalkulierter Verschleiß?
Jaja zu den Verlieren der Finanzkrise kommen halt noch die "ollen" unterversorgten Veteranen. [Ironie]
Aber egal.... welches Kleid trug doch gleich Anschelina Scholie auf der Preisverleihung zum Goldenen Kuckuck in Kleinkleckersdorf?
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