Internet & Jugend Psychoterror im Netz

Viele Kinder sind Internetprofis. Doch im Netz lauern auf sie auch Gefahren. Zum heutigen EU-Aktionstag "Safer Internet Day" werden Schüler über Cyber-Mobbing aufgeklärt

Ist das Internet denn wirklich so gefährlich?  Ann-Sophie weiß, dass die Weiten des Netzes auch dunkle Seiten bereit halten. Die Elfjährige erzählt, wie sie zusammen mit ihrer Mutter auf Internetseiten mit pornografischen Bildern gestoßen ist. "Meine Mutter hat versucht, das irgendwie zu unterdrücken und die Seiten zu sperren." Doch eine Kindersicherung für sexuelle oder gewaltverherrlichende Inhalte gibt es nicht. Deswegen hat der Lehrer Gordon Seiler seine Klasse 6a der Freien Mittelschule Leipzig für den Safer Internet Day angemeldet. Statt Deutsch und Mathe zu büffeln, verbringen Ann-Sophie und ihre Mitschüler den Nachmittag in der Stadtbibliothek. Dort erwartet sie eine Rallye zu den Tücken und Fallen im Netz.

Der elfjährige Felix stürmt gleich zu Beginn zur Lernstation "Chatten". Die Medienpädagogin Wenke Rösler ist schnell umringt von Mädchen und Jungen. Gemeinsam stellen sie Chatregeln auf. Manche der Kinder haben bereits eigene Erfahrungen gesammelt – im moderierten Kinderchat seitenstark.de . Wenke Rösler fragt, ob jemand schon einen " Nickname " hat. Denn Fantasienamen helfen, sich gegen ungebetene Datenschnüffler zu schützen. "Sonne. Strand. Meer!" ruft  ein Junge in die Runde. "Optimal" urteilt die Teamleiterin und lacht. Die Kinder sollten ihr Alter nicht verraten und möglichst auch nicht ihr Geschlecht; E-Mail-Adressen schon gar nicht. "Ich habe beobachtet, wie eine Schülerin auf dem Schulflur unbekümmert ihre Telefonnummer herausgegeben hat", sagt der Klassenlehrer und runzelt die Stirn. "Gut möglich, dass sie das dann auch im Internet tut."

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Jeder zweite Jugendliche, der chattet, wurde schon nach solchen persönlichen Daten gefragt. Mehr als zehn Prozent von ihnen telefonieren anschließend mit einem völlig fremden Menschen. Oder sie treffen sich. Das zeigt die Jugendmedienstudie 2008 vom medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest. Zahlen, die nachdenklich machen. Was kann den Chat-Spaß zu einer Gefahr machen? Die Tafel ist schon nach wenigen Minuten bunt beschrieben mit den Ideen der jungen Internet-Nutzer: "Fremde, die anrufen", steht da, "Leute, die nerven" und "Mobbing."

Mobbing – um dieses Thema geht es ein paar Meter weiter bei Gruppenleiter Sebastian Schwabe. Auf seinem T-Shirt klebt, etwas schief, ein Namenszettel. "Nennt mich Seba", sagt er in die Runde. Felix und Ann-Sophie sind auch darunter. Untersuchungen haben ergeben, dass jeder fünfte Schüler in Deutschland schon einmal im Netz beleidigt, beschimpft oder gedemütigt wurde. Cyber-Mobbing steht deshalb heute im Zentrum des Safer Internet Days . Es geht dabei um absichtliche und anhaltende Beleidigungen im Internet und anderen Kommunikationsmitteln. "Also mit Schüler VZ, Studi VZ, ICQ, Mail oder per Handy", erläutert der Trainer, "es reicht nicht, wenn man jemandem gegenübersteht und sagt, ich find dich blöd." Manchmal ist auch von Cyber-Bullying die Rede. Ein "Bully" ist derjenige, der jemanden mobbt. Sebastian Schwabe sagt aber, dass Cyber-Bullying den Blick zu sehr auf den Täter lenkt. Auch verbale Gewalt sollte immer von der Opfer-Seite betrachtet werden.

Leser-Kommentare
  1. Sorry, aber die ganze Sache hinkt gewaltig. Niemand braucht solcherart "Medienpädagogik". Kinder und jüngere Jugendliche haben im Internet schlicht nichts verloren - sowenig wie in den 80ern im Pornokino oder in St. Pauli. Verantwortungsbewusste Eltern verbieten ihren Kindern schlicht und einfach, per ICQ irgendwelchen Perversen zu begegnen zu können, denen gegenüber sie Namen und Geschlecht verheimlichen müssen.

  2. lauern nun gefahren auf die jugendlichen im netz oder sind sie internetprofis.
    oder sind sie gefährtdete internetprofis oder was????
    schön auch dieser satz - zitat:
    "Der Internettrainer Sebastian Schwabe rät, sich an den Betreiber der Seite zu wenden und unliebsame Gefährten in Foren, Plattformen und Chats sperren zu lassen."
    was sind den gefährten?????

    Gefährte

    * war ursprünglich jemand, den man auf einer längeren Fahrt (Reise) bei sich hatte, also z. B. auf einer Reisegesellschaft (siehe auch Geselle), ein "Reisekamerad" (siehe auch Kamerad).
    * wird im übertragenen Sinn noch vielfach gebraucht ("Ehegefährte", Lebensgefährte).

    aber genau das sind die bösen buben gerade nicht - gefährten.

    bin auch mal gespannt was passiert, wenn sich felix an den provider wendet.
    vielleicht zeigt es ja den eingescannten surf-pass vor.

  3. Der Gedanke dahinter ist sicherlich gut gemeint, dass Kindern der verantwortungsvolle Gebrauch des Internet erklärt werden soll. In den Kindern das Internet zu verbieten erscheint mir dagegen eher ein Schritt nach hinten in die Vogelstrauß-Politik. Anstatt zu verbieten sollte man er- und aufklären denn früher oder später werden diese Kinder, lass sie nur noch ein paar Jahre älter werden, zwangsläufig mit dem Netz konfrontiert, spätestens dann wenn sie nämlich in einen Beruf bzw. in die Universität einsteigen. Das Internet gehört zu unserem Zeitalter dazu, man kann nicht einfach die Augen davor verschließen.

    Doch zum Artikel, leider wird die Maßnahme nur einen Bruchteil derjenigen erreichen, die wirklich davon betroffen sind. Dagegenhin werden diejenigen, die Mobbing ausüben wohl trotzdem nicht aufhören andere Mitmenschen zu beleidigen und zudrangsalieren. Sonst hätte das Schulhofmobbing schon vor Jahren aufhören müssen.

    • JOB-GG
    • 05.03.2009 um 2:20 Uhr

    @ Bela
    Ich glaub es nicht.
    Das internet mit einem Pornokino zu vergleichen.
    Kindern und Jugendlichen zugang zu verbieten.
    das internet kann man eher mit einer Großstadt vergleichen, und das du deinen Kindern beibringst das gewisse virtel eben nichts für kinder sind, sollte deine aufgabe sein. Genauso gut kannst du einem Jugendlichem verbietem aus dem Haus zu gehen weil du angst hast das er irgendwelche sachen machst die du nicht willst.
    OK, du kannst deinen Kindern das verbieten, aber irgendwie werden sie es trotzdem machen.
    Ich als jugendlicher würde warscheinlich in eine Trotzreaktion verfallen und mir irgendwo illegalen internetzugang verschaffen. Das dann die Hemmschwelle zu weiteren illegalen Taten weit runter ist ist dann ja klar.
    Und per ICQ irgendwelche Perversen treffen. Welche Perversen dein Kind trifft ist immernoch ihm überlassen, es kann sie einfach übers ICQ ignorieren. Da gibts so einen kleinen IGNORE Button.
    Bella, entweder du lebst deeeeeeeeermasen in der Vergangenheit, bist naiv, oder du kennst keinen Jugendlichen der sich irgendwie im Web auskennt.
    Bei solchen beiträgen packt mich echt die Wut. Was du nicht verstehst solltest du nicht versuchen zu unterbinden, denn du kannst die Folgen nieeeeeeee voraussehen.

    PS: Dies ist in einem kurzen Rausches der Wut über absolute Naivität geschrieben worden.
    @ All

    Mobbing im Netz? Bislang weis ich aus eigener Erfahrung das man nur aus eigenem Unwissen und falscher Prävention, bzw. fehlender, im Netz ein Opfer von solchen Mobbingatacken werden kann. Jegliche Internetplatform die für ihre Kinder, und auch Kinder sonnst, oder jegliches Chatprogramm hat eine Ignore Funktion. Beim SVZ hat man die Möglichkeit User die einen mobben zu melden, bei ICQ kann man ihn ignorieren (es gibt einen Button dafür das alle seine Nachrichten nicht angezeigt werden), und ihn aus der Liste löschen.
    Außerdem kann man mit einigem Technischem Wissen... seiten über eine Firewall blockieren lassen. Sicherlich kennen sie jemanden der ihnen das einrichten kann.
    Falls ja, sollten sie dafür sorgen das er oder sie es ihnen beibringt und sie fragwürdige Inhalte im Internet in diese Liste aufnehmen können. Falls sie diese Listen möglicherweise mit anderen Eltern erweitern dürfte sie bald auf eine beträchtliche länge gewachsen sein und sie und ihre Kinder vor unerwünschten Inhalten schützen. Allerdings sollte das nicht als mittel gedacht sein um Kinder zu bestrafen (Das ist weitaus sardistischer als Hausarest und co da sie ihren Kindern soziale kontakte zu anderen menschen...auf unbestimmte zeit nehmen kann).

    Sollten diese Tipps nicht genügen, können sie ich per Nachricht an mich wenden.

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