Gleich zehn neue Kraftwerke will die schwedische Regierung in den kommenden Jahren bauen – im Zusammenhang mit einer neuen Energie- und Klimapolitik, wie es heißt. Ausgerechnet Schweden! Der Atomausstieg des Landes vor 30 Jahren war immer ein Vorbild für die deutsche Anti-Atompolitik. Jetzt haben die Skandinavier sich entschlossen, doch nicht auf die Kernenergie verzichten zu wollen. 

Sie befinden sich in bester Gesellschaft. Bulgarien kündigte den Neubau von Meilern an, ebenso Polen, die Niederlande und Italien. Jetzt wittern die deutschen Befürworter der Kernkraft ihre Chance. Stolz listete das Deutsche Atomforum während seiner Wintertagung auf einer vollbedruckten DIN A4-Seite die neuesten Ausbaupläne der Nachbarn auf.

Das Hauptargument, mit dem die Regierungen ihre Pläne begründen, ist simpel: Klimaschutz. Schließlich emittieren Kernkraftwerke kein Kohlendioxid – betrachtet man nur die Stromproduktion, ohne den Uranabbau und dessen Aufbereitung mit einzurechnen. Die Atombranche jubelt und spricht einmal wieder von der Renaissance der Atomenergie weltweit. Sie zeichnet ein dramatisches Bild: Deutschland stehe mit seinem Atomausstieg allein da und sei weltweit isoliert. Der Ausstieg wird sogar als "naiv" verspottet.

Doch die Mehrheit muss nicht immer Recht haben. Hier ein paar Argumente, die von den Befürwortern der Atomenergie gerne unerwähnt bleiben:

Das Potenzial der Atomkraft, den Klimawandel zu bremsen, ist weitaus geringer, als die Branche behauptet. Das zeigt der aktuelle Bericht "Energy Technology Perspectives 2008" (hier als .pdf-Datei) der Internationalen Energieagentur (IEA) – die sicherlich nicht als besonders atomkritisch verschrien ist. Die Kernenergie könne gerade einmal sechs Prozent der nötigen Einsparungen beitragen, um die Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent zu reduzieren.

Im Vergleich zu acht anderen Möglichkeiten, Kohlendioxid einzusparen, rangiert die Kernkraft aus der Sicht der IEA sogar auf dem letzten Platz! Wer auf Energieeffizienz in der Industrie und bei den Privathaushalten setzt, die Benzinverschwendung im Verkehr eindämmt und erneuerbare Energien ausbaut, erzielt weitaus größere Effekte.