CSU Krisenexegese à la Seehofer

Selbstkritik ist dem CSU-Chef auch nach der schwersten Krise seiner Amtszeit fremd. Der neue Wirtschaftsminister muss sich unterdessen gegen Zweifel an seiner Kompetenz wehren.

Wer erwartet hatte, nach den Turbulenzen der vergangenen Tage am Dienstagabend in Berlin auf einen zerknirschten oder zumindest ein wenig nachdenklichen Horst Seehofer zu treffen, der wurde enttäuscht. Selbstbewusst und ironisch wie eh und je präsentierte Seehofer vor der Bundespressekonferenz in Berlin den neuen Wirtschaftsminister und das künftige Generalsekretärsteam.

Dabei hatte der bayerische Ministerpräsident in den vergangenen Tagen viel Schlechtes über sich lesen müssen. Der starke Mann der CSU, der seit seinem Amtsantritt von München aus erfolgreich die Große Koalition in Berlin in Bedrängnis brachte, erschien auf einmal ziemlich angeschlagen. Seine Weigerung, den amtsmüden Michael Glos sofort ziehen zu lassen, wurde auch in den eigenen Reihen als fataler Fehler bewertet.  Sein Führungsstil stand plötzlich offen in der Kritik. „Weggemobbt“ habe er Glos, hieß es. Im Übrigen sei seine „Menschenführung nicht optimal“.

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Seehofer will davon freilich nichts wissen. Wenn er Glos’ Rücktrittsangebot nicht sofort angenommen habe, dann doch nur, weil er am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz unabdingbar war. Sollte er etwa den amerikanischen Vize-Präsidenten einfach stehen lassen, bloß weil da „dieses Fax“ kam?

Im Übrigen, beteuert er, habe er sich, was die Unterstützung von Michael Glos als Wirtschaftsminister angehe, keinen Fehler zuschulden kommen lassen. Die Gründe für dessen Rücktritt seien „komplexer gewesen“ als dies nun dargestellt werde. Das Verhältnis zu dem Mann, mit dem ihn mehr als 30 Jahre gemeinsame Politik verbinden, sei weitgehend in Ordnung gewesen, auch wenn es manchmal einen „Überbietungswettbewerb in Ironie und Sarkasmus“ gegeben habe.

Dass er sich bereits nach einem Nachfolger für Glos umsah, habe dieser immer gewusst. Auch der Name des CSU-Schatzmeisters Thomas Bauer sei in diesem Zusammenhang gefallen. Einem Zeitungsbericht zufolge soll es dagegen gerade diese Personalspekulation gewesen sein, die für Glos’ das Fass zum Überlaufen brachte.

Dass Glos während einer Sitzung der CSU-Landesgruppe am Montagabend in erster Linie der Kanzlerin die Schuld an seinem Rücktritt gegeben haben soll, ist für Seehofer gewissermaßen ein Glücksfall. Lenkt diese Behauptung doch den Blick von seiner eigenen Verantwortung ab. Kommentieren will er entsprechende Medienberichte aber lieber nicht. Das Verhältnis Merkel/Glos sei vielmehr so gut gewesen, dass er manchmal „schon neidisch“ gewesen sei, behauptet er stattdessen.

Verteidigen muss Seehofer sich an diesem Abend aber auch dafür, dass er den jungen Karl-Theodor zu Guttenberg an Glos Stelle gesetzt hat. Auch aus den eigenen Reihen sind am Dienstag Zweifel an dessen Kompetenz laut geworden, hat er sich doch bislang vor allem mit Außenpolitik beschäftigt.

Leser-Kommentare
  1. Ich habe gestern eine Umfrage gelesen, nach welcher es in Europa einen einzigen Menschen gibt, der den neuen Bundeswirtschaftsminister ernst nimmt. Er heißt Name Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester von und zu Guttenberg.

  2. Hr. Seehofer war 3 Jahre lang unter anderem Verbraucherminister. Für den Verbraucherschutz hat er nichts geleistet. Teilweise hat er ihn sogar behindert. So hat er beispielsweise die Ampel auf den Lebensmittelpackungen verhindert. Als angeblicher Verbraucherminister hat er nur auf die Wirtschaftslobby gehört.
    Wie sollte man annehmen, dass er als Ministerpräsident Großartiges leistet.

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