Sicherheitskonferenz In München treffen neue Freunde auf alte Feinde

300 Spitzenpolitiker, Generäle und Experten diskutieren von heute an über den Nahen Osten, Atomrüstung und Afghanistan. Die Vorzeichen haben sich entschieden verändert

Von heute bis zum Sonntag wird München zur wichtigsten Stadt der Welt, und das Hotel "Bayerischer Hof" zu einer kleinen Ausgabe der Vereinten Nationen. Dort treffen mehr als 300 führende Politiker, Generäle, Diplomaten und Wissenschaftler aus der ganzen Welt aufeinander. Zur 45. Münchner Sicherheitskonferenz werden unter anderem der amerikanische Vizepräsident Joe Biden, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Kanzlerin Angela Merkel erwartet. Auch der EU-Außenbeauftragte Javier Solana, Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer und Hamid Karsai, der afghanische Präsident, haben sich angemeldet.

Beschlüsse werden auf dieser Konferenz nicht gefasst. Aber Beobachter und Fachleute erwarten von der Tagung nicht weniger als einen weiteren Schritt zur Neuordnung der Weltpolitik. Denn Biden wird die neuen Ziele der amerikanischen Außenpolitik unter Barack Obama darlegen. Das kann weitreichende Folgen haben.

Anzeige

Auch wenn die Sicherheitskonferenz den Auftakt für eine neue Entspannungspolitik darstellen könnte, birgt die Tagung gleichwohl hohes Konfliktpotenzial. Denn in München treffen sich nicht mehr nur wie früher westliche Alliierte: Es stoßen hochrangige Vertreter der USA auf Abgesandte Irans, die ukrainische Regierung auf russische Diplomaten, die Nato-Führung auf russische Militärs und deutsche Politiker auf amerikanische Kollegen, die ein größeres Engagement der Bundeswehr in Afghanistan fordern könnten.

Auf Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Sicherheitskonferenz, kommt daher viel Arbeit als Moderator zu. Über die Konferenz berichten mehr als 300 Journalisten aus über 50 Ländern. Stolz präsentierte Ischinger diese Superlative auf einer Pressekonferenz. Der 62-Jährige leitet die Tagung in diesem Jahr zum ersten Mal. Der ehemalige Botschafter in Washington und London wurde vom Auswärtigen Amt für diese Aufgabe abgestellt. Er folgt auf Horst Teltschik, den früheren Sicherheitsberater von Helmut Kohl, der die Konferenzführung seit 1998 innehatte.

Zum ersten Mal fand das Treffen 1962 statt. Damals hieß es noch "Wehrkundetagung". Die Idee hatte der Verleger Ewald von Kleist, der auch moderierte. Zwei Mal fiel die Konferenz aus, 1991 wegen des Golfkrieges und 1997, weil Kleist in den Ruhestand ging. In diesem Jahr gibt es einige leichte Neuerungen. Die Redezeit wurde verkürzt und junge Führungskräfte werden eingebunden. Die erfahrenen Politiker und Militärs treffen in München auf den Nachwuchs. Die "Young Leaders" sollen sich an Diskussionen beteiligen und Schwung in den "Altherren-Klub" bringen, wie Spötter die Tagung nennen.

Am Nachmittag beginnt die Konferenz mit einer Rede von Außenminister Frank-Walter Steinmeier und einem Vortrag des früheren amerikanischen Außenministers Henry Kissinger. Das Thema des ersten Tages ist die nukleare Rüstung und die Nichtverbreitung von Kernwaffen. Der Vorsitzende des iranischen Nationalen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, wird sich zum Atomprogramm seines Landes äußern und mit dem Generalsekretär der internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Mohamed ElBaradei, und amerikanischen Vertretern auseinandersetzen.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 06.02.2009 um 7:37 Uhr

    "warum dürfen junge Menschen das nicht auch mal ausprobieren?"

    Ist ja nun vielleicht nicht nötig, jeden Scheiss auszuprobieren, wenn es erwiesenermaßen nur schädlich ist, oder?

    Salus Publica Suprema Lex

    Antwort auf
  1. Auf gehts in eine "atomwaffenfreie Welt" :

    Dazu

    1. "Offener Brief an US-Präsident Obama: Für eine atomwaffenfreie Welt
    In einen offenen Brief an US-Präsident Barack Obama bestärken zwölf Nobelpreisträger, u.a. Harold Kroto und Paul Crutzen sowie der Präsident von Pugwash International, Jayantha Dhanapala, den US-Präsidenten in seinem Anliegen, sich für eine atomwaffenfreie Welt zu engagieren.

    Die Unterzeichner verweisen in dem Brief auf die Schwächen des jetzigen Nichtverbreitungs- und Abrüstungsregimes mit dem nuklearen Nichtverbreitungsvertrag. Sie erinnern daran, dass UN-Generalsekretär Ban Ki-moon vor Kurzem empfahl, den von Nichtregierungsorganisationen verfassten Modellentwurf für eine Nuklearwaffenkonvention als Ausgangspunkt für entsprechende Abrüstungsbemühungen zu nehmen."

    http://www.vdw-ev.de/imag...

    2. Die PUGWASH kämpft seit Jahrzehnten für eine atomwaffenfreie Welt:

    http://www.pugwash.org/

    John Holdren, ehem. Chair des Pugwash Executive Committee wird Wissenschaftsberater von US-Präsident B. Obama

    http://www.vdw-ev.de/imag...

    3. Für eine atomwaffenfreie Welt
    FAZ Artikel vom 9.1.2009

    von Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Egon Bahr und Hans-Dietrich Genscher

    http://www.vdw-ev.de/imag...

  2. dass man den Weltenlenkern der NATO drei Tage vor Tagungsbeginn die Hauptversorgungsroute ins afghanische Kriegsgebiet unter dem Hintern weggesprengt hat. Und dass nun 75% des Nachschubs auf der Kippe stehen, sollte auch noch die zweite Linie durch Pakistan angegriffen werden. Da hilft wohl nur Ranschleimen an den Iran und Betteln bei den Russen. Gut dass die auch eingeladen wurden.

    Statt über die neue Weltordnung zu diskutieren sollte man es vielleicht mal mit praktischeren Themen versuchen, beispielsweise mit Vorträgen zu "Wie sichere ich eine Brücke" oder "Wie finde ich heraus ob ein Land am Meer liegt bevor ich es angreife".

    • Anonym
    • 06.02.2009 um 19:55 Uhr

    So, jetzt haben wir sie wieder die Plage des Herrn im Zentrum Münchens. Sicherheitszonen wohin Du schaust, in die Stadt braucht man gleich gar nicht fahren und der Münchner fragt sich leicht grantelnd: "Ja, muass denn des sein? Warum muss so ein Treffen von 300 "Gschaftlhubern" (Wichtigtuern) samt Gegendemo und sonstigem unbedingt in das Zentrum gelegt werden? Rauskommen tut eh nix aber die Profilisierungssucht ist mal wieder gestillt - effektiv und pressewirksam.

    Da denken sich die Münchner: "Meiomei, der Schmarrn scho wieda!"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service