BuchmarktSuhrkamp-Verlag zieht nach Berlin

Der Standort des renommierten Verlags soll von Frankfurt nach Berlin verlegt werden. Der Umzug soll im ersten Quartal 2010 geschehen

Wie der traditionsreiche Verlag mitteilte, bleibt in Frankfurt am Main neben drei Stiftungen eine Dependance bestehen. Suhrkamp beschäftigt in Frankfurt rund 130 Mitarbeiter, unter denen die Umzugspläne große Unruhe hervorgerufen hatten. 80 Prozent von ihnen hatten sich gegen den Umzug ausgesprochen.

Vor der Entscheidung hatten sich die zerstrittenen Verlags-Gesellschafter geeinigt. Die Unseld-Familienstiftung unter Vorsitz von Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz sowie die Winterthurer Medienholding AG haben ihre Prozesse vor dem Landgericht Frankfurt durch einen Vergleich beendet.

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Teil der Einigung sei, dass die Unseld-Stiftung eine zeitlich befristete Möglichkeit besitze, Verlagsanteile der Medienholding zu erwerben. Diese Minderheitsanteile hält der Hamburger Unternehmer Hans Barlach. Er hat sich zuvor ebenfalls für einen Umzug nach Berlin ausgesprochen.

Der Verlag hatte bereits 2006 eine Niederlassung unweit des Kurfürstendamms in Berlin eröffnet. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte in letzter Zeit das Interesse der Hauptstadt an dem traditionsreichen Verlag auch öffentlich bekräftigt.

Im Ranking der größten deutschen Buchverlage taucht Suhrkamp nicht einmal unter den Top 30 auf. Doch kein anderes Haus hat nach dem Zweiten Weltkrieg so viele bedeutende Schriftsteller und Philosophen verlegt, darunter Bertolt Brecht und Hermann Hesse oder Theodor W. Adorno. Auf Drängen Hesses hatte sich Peter Suhrkamp nach dem Krieg vom Verlag S. Fischer getrennt. Er gründete 1950 in Frankfurt seinen eigenen Verlag und nahm 33 prominente Autoren mit.

Nach dem Tod von Peter Suhrkamp im Jahr 1959 trat Siegfried Unseld dessen Nachfolge an. Er baute den Verlag sowohl in der Belletristik als auch in den Geisteswissenschaften zu einer der intellektuellen Säulen der alten Bundesrepublik aus. Nach dem Tode Unselds im Jahr 2002 übernahm seine Witwe Ulla die Macht.

Zum Haus gehören seit Jahrzehnten unter anderem auch der Insel Verlag und der Jüdische Verlag. Unter Unseld-Berkéwicz kam der Verlag der Weltreligionen hinzu. Suhrkamp hat nach eigenen Angaben derzeit 127 Beschäftigte. Der Umsatz wurde von der Fachzeitschrift Buchreport für 2007 mit rund 46 Millionen Euro angegeben. Im selben Jahr brachte der Verlag rund 500 neue Titel auf den Markt.

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Leserkommentare
    • hagego
    • 06. Februar 2009 17:11 Uhr

    Jetzt wird für den Suhrkamp-Verlag der Besuch der Frankfurter Buchmesse wieder zu einem lohnenden Reiseziel. Vorausgesetzt, die Frankfurter Buchmesse wird nicht als Berliner Buchmesse fortgesetzt.

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Berlin | Hermann Hesse | Siegfried Unseld | SPD | Suhrkamp | Bertolt Brecht
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