Holocaust-Debatte Vatikan will Kommunikation verbessern
Fehlersuche im Vatikan: Ein Sprecher sieht Defizite in der Kommunikation, fordert Reformen – und stellt sich vor den Papst

© ALBERTO PIZZOLI/AFP/Getty Images
Der Papst spricht, doch die Außenkommunikation seines Apparats muss offensichtlich verbessert werden
Nach dem Streit über den Holocaust-Leugner Richard Williamson beginnt im Vatikan die Suche nach eigenen Fehlern. Der Sprecher des Vatikans, Federico Lombardi, forderte eine bessere Kommunikation wichtiger Entscheidungen nach außen. "Vor allem, wenn es sich um 'heiße' Themen handelt, ist es vorzuziehen, seine Erklärungen gut vorzubereiten", sagte Lombardi.
Zugleich nahm der Sprecher den Papst
gegen Kritik
in Schutz. Dieser habe von den extremen Ansichten des britischen Bischofs Williamson nichts gewusst. Die Vatikan-Abteilung, die sich mit den traditionalistischen Katholiken befasst, sei hierfür zuständig gewesen. Diese habe sich auf den Anführer der abtrünnigen Gruppe konzentriert, den Bischof Bernard Fellay, nicht auf die Haltung von Williamson und der anderen Bischöfe.
Papst Benedikt XVI. hatte am 24. Januar die Rücknahme der Exkommunizierung von vier Bischöfen der erzkonservativen Bruderschaft Pius X. bekanntgegeben. Dazu gehört auch der Bischof Richard Williamson, der die Ermordung von sechs Millionen Juden in den Gaskammern der Nazis bestritten hatte. Die Entscheidung hatte weltweit Proteststürme ausgelöst.
Nach eineinhalb Wochen öffentlicher Diskussion hatte der Vatikan am Mittwoch Williamson
zum Widerruf seiner Holocaust-Äußerungen
aufgerufen. Um als katholischer Bischof vollständig rehabilitiert zu werden, müsse "Williamson in unmissverständlicher Weise öffentlich Abstand nehmen von seinen Erklärungen zur Schoah", hieß es weiter. "Die Äußerungen von Monsignore Williamson sind absolut inakzeptabel und werden vom Papst abgelehnt."
"Leichtfertig ins Messer laufen lassen"
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch kritisierte den fehlenden Informationsfluss im Vatikan scharf. Bei der Aufhebung der Exkommunikation des Holocaust- Leugners Richard Williamson habe man "den Papst leichtfertig ins Messer laufen lassen", sagte Zollitsch. Kardinal Darío Castrillon Hoyos, der der zuständigen päpstlichen Kommission als Präsident vorsteht, hätte sich vergewissern müssen, "was für Personen“ die betroffenen vier Mitglieder der Piusbruderschaft seien. Dass dies nicht geschehen und Papst Benedikt nicht informiert worden sei, sei "ein offenes Versagen".
Zollitsch rechnet nun damit, dass die Kirche mit der Bruderschaft breche, da es nicht zu erwarten sei, dass diese einlenke. "Bei der Mehrheit der Angehörigen der Pius-Bruderschaft sehe ich keinen Willen zur Einigung", sagte der Freiburger Erzbischof. Das Bistum Rottenburg-Stuttgart warf der Priesterbruderschaft Volksverhetzung vor. "Meinungsfreiheit ist keine Legitimation dafür, den Glauben und die Gefühle anderer Menschen zu verhöhnen", sagte der Sprecher der Diözese, Thomas Broch. Der Bistums-Sprecher warf der Bruderschaft vor, "fundamentalistisch, antisemitisch und faschistisch" zu sein.
Umfrage: Rückhalt für Papst schwindet
Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, forderte die völlige Abkehr der katholischen Kirche von der Bruderschaft. Nach einem Bericht des
Kölner Stadt-Anzeigers
ist diese weiter auf Konfrontationskurs. Für Ende Juni seien bereits die nächsten Priesterweihen angesetzt, obwohl solche Weihen den vier abtrünnigen Bischöfen der Bruderschaft verboten seien, berichtet die Zeitung. Zudem äußerte sich der deutsche Distrikt-Obere Pater Franz Schmidberger
im Südwestrundfunk
. Auf die Frage, ob jemand sein Mitbruder sein könne, der die Vernichtung der Juden durch die Nazis leugnet, sagte Schmidberger: "Solange er die katholischen Dogmen anerkennt, ja natürlich."
Einer Umfrage der ARD-Tagesthemen zufolge schwindet in Deutschland inzwischen der Rückhalt für den Papst. Hatten beim Amtsantritt von Joseph Ratzinger als Papst im April 2005 noch fast zwei Drittel der Deutschen (63 Prozent) von einer guten Wahl gesprochen, so sind jetzt nur noch 42 Prozent mit seiner Arbeit sehr zufrieden oder zufrieden. Fast zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) sprachen sich dafür aus, Williamson wieder aus der katholischen Kirche auszuschließen. Für die Umfrage wurden 1000 Bundesbürger befragt.
Unterdessen wurde bekannt, dass Benedikt im nächsten Jahr nach Deutschland kommen will – zu den Feierlichkeiten 20 Jahre Deutsche Einheit.
- Datum 13.05.2009 - 13:59 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Kirchen ansich und die katholische insbesondere, geben sich doch gerne, als die Garanten von Wahrheít und Wahrhaftigkeit.
Wie glaubt Die römische Kurie ihren Schäfchen den Umstand verkaufen zu können, daß ausgerechnet der langjährige Chef der "heiligen Kongregation", also der innerkirchlichen Einrichtung, die sich doch genau um etwaige Abweichler und im Glauben "Fehlgeleitete" zu kümmern hat, über das Treiben der Piusbrüder, ihre absolut kranke, antidemokratische und antliberale und zynisch unmenschliche Grundhaltung nicht informiert gewesen sein soll. War dem Herrn Dogmatikprofessor Ratzinger etwa entgangen, daß der jahrzehntelange Kampf des Le Pen Freundes Lefevbre, sich gegen Juden, gegen den Liberalismus, den Freigeist, eigentlich so ziemlich alles was die Aufklärung positives hat bewirken können, richtet, Ist denn der "personifizierten Heiligen Inquisition" entgangen, wie sehr sich diese Pius-Anhänger von einem Menschenbild entfernt haben, daß einer heutigen Kirche zwingend entsprechen müßte. Ist eine Kirche schon auf das Niveau armseliger, politischer "Spielchen" herabgesunken, wo man sich mit Ausreden, wie : "Von Bischof Williams letztem antisemitischem Interview hatten wir noch keine Kenntnis", wenn dieser Menscherverächter seit Jahren kaum etwas anders predigt.
Schamloser kann man den paar Verbliebenen, die im Glauben an den Glauben verharren kaum entgegentreten
[Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]
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