Hausverkauf Traumvilla per Tombola

In Kärnten wurde eine Luxus-Immobilie für 99 Euro verlost. Andere Hausbesitzer in Österreich wollen es nachmachen. Eine verlockende Idee in Zeiten der Finanzkrise

Das Anwesen von Jakob Kotlarenko kann sich sehen lassen: eine 600-Quadratmeter-Villa aus dem Jahre 1830, generalsaniert, umschlossen von einem Garten mit 1100 Quadratmetern. Auf dem Grundstück steht ein beschauliches Gartenhaus. Außerdem hat Kotlarenko die Ausstattung seiner Zahnarztpraxis mit diversen Röntgenapparaten nebst Behandlungsstuhl im Erdgeschoss belassen. Er ist vor Kurzem in Pension gegangen, und für ihn und seine Frau Raisa ist die Villa in Pressbaum, einem noblen Vorort Wiens, zu groß geworden.

Auf regulärem Wege hatte sich kein Käufer gefunden, der bereit war, 1,1 Millionen Euro für das Haus auf den Tisch zu legen. Die Kotlarenkos wurden ungeduldig, sie hörten von der Verlosung in Kärnten und wollen nun auch ihr Haus verlosen.

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Raisa Kotlarenko wirbelt durch die Räume, weist auf marmorvertäfelte Bäder, Maßschränke und Designerduschen und preist die Vorzüge des Anwesens mit seinen mehreren Wohnungen: „Der neue Besitzer kann einige vermieten, dann hat er sicher monatlich 3500 Euro Einnahmen.“ Das heißt, flötet Raisa, der glückliche Gewinner kann hier wohnen mit der Familie und hat dazu noch ein Einkommen!

Jetzt müssen sich bloß noch genügend Interessenten finden, die 99 Euro für ein Los ausgeben. Reich werden die Kotlarenkos, österreichische Staatsbürger, die vor 30 Jahren aus der Sowjetunion ausgewandert sind, durch die Verlosung aber nicht. Sie wollen lediglich den Verkehrswert für die Villa erzielen.

Sie finden sich damit ab, dass der Gesetzgeber eine Hürde vor die Verlosung gestellt hat. Zwölf Prozent des Verkehrswertes plus allfälliger Nebenkosten müssen nämlich ans Finanzamt abgeführt werden – und zwar unabhängig davon, ob die Verlosung stattfindet  oder mangels Nachfrage ins Wasser fällt. Im letzten Fall bekommen die Loskäufer ihren Einsatz zurück, die Kotlarenkos aber nicht die 155.000 Euro, die sie ans Finanzamt gezahlt haben.

Deshalb hat auch Bernd Asbeck, Inhaber des EDV-Dienstleisters „Auxionit“ einen neuen Markt gefunden. Er prüft sorgfältig, ob eine Immobilie den Aufwand einer Verlosung lohnt. Seit Kurzem erst sind er und sein Kompagnon auf den viel versprechenden Sektor Hausverlosungen aufgesprungen. In ihrem Internetportal auxionit.com halten sie das „werthaltigste Angebot“ an Immobilien in Österreich vor,  behauptet Diplomingenieur Asbeck - darunter eben die Villa der Kotlarenkos.

Leser-Kommentare
  1. ...und gibt Leuten Geld, die ihre Verluste nicht wahrhaben wollen. Wenn das Haus um 1.1 Milionen nicht verkauft werden konnte, hat es auch nicht diesen Wert. Der Preis ist immer durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Der "Verkehrsvert" ist bedeutungslos, eine reine Luftsumme, aus Zeiten wo die Blase noch intakt war.

    Die Verlosungsumme ist dadurch um den realen Marktwert erhöht. Mit anderen Worten: Die Loskäufer decken den Verkaufsverlust des der Besitzers, den er im Falle eines real (legalen) Verkaufs zum Marktpreis (vielleicht 700 000?) realisiert hätte.

    Wenn man die 1.1 Milionen direkt verlosen würde, hätten die Loskäufer eines faireres Einsatz zu Gewinn Verhälltniss.

    Auf dem gleichen Prinzip werden über Steuern die Bankenverluste auf viele viele brave Arbeiter verschmiert. Willkommen in der modernen Finanzwirtschaft: Gewinne auf wenige Personen fokusieren, und Verluste auf gemeinschaftlich tragen. Wenn man das über eine Verlosung tarnt, lassen sich offensichtlich genug arme Mitspieler finden. Es ist die Aufgabe vom Gesetzgeber, solche Geschäfte zu verbieten!

    Also seid nicht so blöd ! Finanziert nicht den Spekulationsverlust von Personen, die das nicht akzeptieren wollen! Das haus ist problemlos verkaufbar...wenn man es zum Marktpreis auch anbietet ;-)

    Was kommt als nächtes? Mann könnte auch das gleiche mit Aktienpaketen machen. Beispiel: Verlosung von 10 000 Deutsche Bank Aktien über 100 000 losen zu je 10 Eur. Schlieslich war ja vor einem Jahr deren Verkerswert bei 100 Eur. Über die Verlosung erzielt man dann 900 000 Eur Gewinn. Der Gewinner bekommt ja auch eine Nette Summe von fast 12000 Eur für sein 10 Eur Los...

    Nicht blöd sein Leute!! Zuerst rechen dann Geld ausgeben!!

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    Es wurdert mich zudem, dass eine Finanzmarkt kritische Zeitschrift wie die Zeit einen so positiven Bericht über diese Verlosung schreiben. Ich hätte mir erwartet, dass die Zeit Journalisten dieses falsche Spiel durchschaut hätten...

    Es wurdert mich zudem, dass eine Finanzmarkt kritische Zeitschrift wie die Zeit einen so positiven Bericht über diese Verlosung schreiben. Ich hätte mir erwartet, dass die Zeit Journalisten dieses falsche Spiel durchschaut hätten...

  2. Es wurdert mich zudem, dass eine Finanzmarkt kritische Zeitschrift wie die Zeit einen so positiven Bericht über diese Verlosung schreiben. Ich hätte mir erwartet, dass die Zeit Journalisten dieses falsche Spiel durchschaut hätten...

  3. Hallo,
    ich glaube man darf da nicht alle in einen Topf werfen, ich verlose nämlich auch mein Haus und habe mich gründlichst über alles informiert, ein Schätzwertgutachten ist bei mir vorhanden, der Gewinner hat keine kosten und ich trage alle Spesen!!!
    (entfernt. Bitte verzichten Sie auf werbliche Links. Die Redaktion/jk)
    Und noch etwas ist sehr wichtig, der verkehrswert darf in diesem Fall keine Luftsumme, denn man muss ja uch die hohen Kosten beachten die der Verloser trägt!

    LG Elisabeth

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