Holocaust-Debatte Bischof Williamson verliert Leitungsamt
Die konservative Pius-Bruderschaft hat den Holocaust-Leugner als Leiter eines Priesterseminars in Argentinien abgesetzt. Der Papst versucht sich in Schadensbegrenzung
Die katholischen Pius-Brüder haben den Holocaust-Leugner Richard Williamson von seinem Posten abgesetzt: Bischof Williamson sei von seinen Pflichten an der Spitze des Seminars La Reja entbunden worden, teilte das Oberhaupt der Bruderschaft Pius X. in Lateinamerika, Pater Christian Bouchacourt, mit.
"Monsignore Williamsons Äußerungen reflektieren in keiner Weise die Haltung unserer Gemeinschaft", hieß es in der Erklärung Bouchacourts. "Ein katholischer Bischof kann sich mit kirchlicher Autorität nur zu Fragen des Glaubens und der Moral äußern", begründete er die Entscheidung. Williamson leitete seit 2003 das Priesterseminar in dem Ort La Reja, etwa 40 Kilometer westlich von Buenos Aires.
Papst Benedikt XVI. hatte Williamson und drei weitere vor Jahren exkommunizierte Bischöfe der Pius-Bruderschaft Ende Januar teilweise rehabilitiert und damit in vielen Ländern Empörung und Sorge über die Zukunft des katholisch-jüdischen Dialogs ausgelöst. Am vergangenen Mittwoch dann forderte der Vatikan Williamson auf, seine Leugnung des Holocausts unmissverständlich und öffentlich zurückzunehmen.
Bis heute aber war dieser dazu nicht bereit. "Ich war aufgrund meiner Recherchen in den 80er Jahren von der Richtigkeit meiner Äußerungen überzeugt", sagte Williamson in einem schriftlich geführten Interview mit dem Spiegel. Sollte er erkennen, dass er sich geirrt habe, werde er sich entschuldigen. Dazu wolle er aber zunächst "alles nochmals prüfen" und sich die historischen Beweise ansehen. "Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen".
In einem TV-Interview hatte der Brite gesagt, historische Fakten sprächen gegen die Existenz von Gaskammern. Es seien nicht sechs Millionen Juden von den Nazis ermordet worden, sondern 200.000 bis 300.000 - aber keiner von ihnen in Gaskammern.
Unterdessen bemüht sich Papst Benedikt XVI. um Schadensbegrenzung. Am Donnerstag will er sich erstmals seit seiner umstrittenen Entscheidung und dem Beginn des Streits mit hochrangigen jüdischen Gesandten treffen. Dabei wolle er sich vor Vertretern des einflussreichen Dachverbandes jüdischer Organisationen in den USA (CPMAJO) zu den Gefahren der Holocaust-Leugnung äußern.
Nach Einschätzung von Beobachtern habe das Vorgehen des Pontifex fast ein halbes Jahrhundert des katholisch-jüdischen Dialogs zunichtegemacht. Den Kreisen zufolge erklärte sich mittlerweile auch das israelische Ober-Rabbinat zur Wiederaufnahme von Kontakten mit dem Vatikan bereit. Ein aus Empörung abgesagtes Treffen mit Vatikan-Vertretern solle nun doch stattfinden. Dabei werde es voraussichtlich auch eine Audienz beim Papst geben.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Papst räumten die jüngsten Verstimmungen in der Affäre um Williamson offenbar aus. Am Sonntag hatten die Beiden miteinander telefoniert. "Es war ein gutes und konstruktives Gespräch, getragen von dem gemeinsamen tiefen Anliegen der immerwährenden Mahnung der Schoah für die Menschheit", teilten Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi und der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. Beide hätten in "großem gegenseitigen Respekt" ihre Haltungen ausgetauscht. Das Gespräch kam auf Wunsch Merkels zustande.
Diese hatte sich vergangene Woche in den Streit um die Papst-Entscheidung zu Wort gemeldet und eine klare Haltung des Vatikans angemahnt. Unionspolitiker und einige Bischöfe sprachen daraufhin von einer nicht akzeptablen Einmischung in Kirchenangelegenheiten. Die Forderung des Papstes an Williamson, seine Holocaust-Thesen zurückzunehmen, bezeichnete Merkel dann als ein "wichtiges und gutes Signal".
Trotz dieser Annäherung zwischen Kanzlerin und Papst, mehren sich die Anzeichen für eine Austrittswelle empörter deutscher Katholiken. Standesämter und Amtsgerichte in deutschen Städten melden einen sprunghaften Anstieg der Austritte. "Die Austrittswelle hat bereits eingesetzt", sagte auch Pater Eberhard von Gemmingen, Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan. Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Papst und den deutschen Katholiken ist seiner Ansicht nach "ein wenig lädiert". Der geplante Papstbesuch in Deutschland im kommenden Jahr könne diese Situation möglicherweise verbessern.
- Datum 13.05.2009 - 13:59 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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und dann waren da noch die Armenier, die Sinti und Roma, Kosaken und natürlich diverse schwarzafrikanische und andere Ethnien, die auch teilweise massakriert worden sind, von Beispielen aus der früheren Geschichte ganz zu schweigen.
Diese Ablenkungsargumente werden jedesmal ins Spiel gebracht, wenn der von NS-Deutschland verschuldete Holocaust an den europäischen Juden relativiert werden soll - als ob ein Völkermord durch einen anderen Völkermord an Gewicht verlieren könnte.
Wenn wir bei der katholischen Kirche bleiben reichen schon die Kreuzzüge im Namen Christi
- Ein Kreuzzug war zugleich Bußgang und Kriegszug, der nach Auffassung der (nicht orthodoxen, katholisch christlichen) Zeitgenossen direkt von Gott durch das Wort des Papstes verkündet wurde. (Wikipedia). -
Das sollte zumindest bei dieser Papstdebatte nicht verschwiegen werden.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Wenn wir bei der katholischen Kirche bleiben reichen schon die Kreuzzüge im Namen Christi
- Ein Kreuzzug war zugleich Bußgang und Kriegszug, der nach Auffassung der (nicht orthodoxen, katholisch christlichen) Zeitgenossen direkt von Gott durch das Wort des Papstes verkündet wurde. (Wikipedia). -
Das sollte zumindest bei dieser Papstdebatte nicht verschwiegen werden.
Gruß, Bernd
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Wenn wir bei der katholischen Kirche bleiben reichen schon die Kreuzzüge im Namen Christi
- Ein Kreuzzug war zugleich Bußgang und Kriegszug, der nach Auffassung der (nicht orthodoxen, katholisch christlichen) Zeitgenossen direkt von Gott durch das Wort des Papstes verkündet wurde. (Wikipedia). -
Das sollte zumindest bei dieser Papstdebatte nicht verschwiegen werden.
Gruß, Bernd
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Sehr geehrte Benutzer,
die Redaktion würde es sehr begrüßen, wenn Sie auf eine sachliche Diskussionsebene zurückkehren könnten. Es trägt sicherlich nicht zu einer fundierten Debatte bei, die Opfer von Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegeneinander aufzurechnen.
Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE
Hat jemand den Wortlaut des schriftlichen Interviews Spiegel/Williamson?
Und postet den link hier?
Ich kann bei Spiegel-online nix finden...
hier ?
hier ?
In einem früheren Kommentar zu diesem Thema habe ich das schon angemerkt. Dazu zählt auch die Inquisition und Zwangs-Christianisierung der römisch katholischen Kirche vor allen Dingen in Latein-Amerika.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
der Diskurs scheint sich auf einem Nebenfeld verlaufen zu haben. Das Thema ist doch nicht, welcher Völkermord der schlimmste war. Der Skandal liegt doch darin, dass ein hoher katholischer Würdenträger den Holocaust überhaupt leugnet und dann auch noch von einem aus Deutschland stammenden Papst rehabilitiert wird. Vielleicht wird es Benedikt ja auch noch schaffen, die Erde wieder zu einer Scheibe zu erklären.
Als ich las, dass dieser feine Herr sein Glaubensgeschäft in Argentinien betreibt war mir alles klar. Dort verleben doch die meisten Braunellen ihren Lebensabend in Sitte und Anstand
Und ohne keine schöne Rede vom Pfarrer gibt's koa schöne Leich.
das ist schon grandios, was der herr williamson da im interview so offenbart: er habe sich in den 80ern mit dem holocaust mal beschäftigt ... uuuuuuund ... welche hauptquelle nennt er?
den leuchter-report!
grandios, oder!
für alle, die jetzt keine ahnung haben, was der leuchter-report ist, dem sei hier der wiki-artikel empfohlen:
http://de.wikipedia.org/w...
ich kannte den herrn leuchter und seine gedanken vor dem interview auch nicht, aber meine neugier wurde sehr schnell gestillt. erstaunlich.
nun will ich herr williamson nicht vorwerfen, er habe in den achtzigern nicht das internet genutzt, aber zwei sachen:
1. überprüfe deine quellen, gerade, wenn du dein (entschuldigung) dummes maul so weit aufreisst. das ging auch schon in den achtizger jahren!
2. fast zwanzig jahre nach den eigenen "nachforschungen" (die mittlerweile hätten locker um das internet erweitert werden können!) so etwas ganz frisch im schwedischen fernsehen zu behaupten, ist kein ausrutscher oder gar ungeschulter umgang eines naiven menschen mit den medien: das ist pure strategie. und wenn der weingärtner von dieser faulen traube nichts wusste, obwohl er ihn ex-exkumminizierte, dann ist das eine große, lächerliche lüge.
und doch, drittens:
3. vielleicht kann mensch doch das internet (wie jedes andere werkzeug) auch für gutes verwenden ... ja lernen ... bilden ... wäre doch toll, wenn die katholische kirche das unterstützen würde mit einem internet-cafe in argentinien ... oder gleich einem großangelegten bildungsprojekt (obwohl, das kloster des herrn williamson hat ja auch eine schule ... da ist mir die geistlichkeit schon wieder voraus), das mit dem internet arbeitet und in argentinien ist ... ach, wäre doch irgendwie schön
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