Fast ein Jahrzehnt lang herrschte Stille beim Thema Abrüstung. Unter George W. Bush wurde der ABM-Vertrag zur Raketenabwehr aufgekündigt, das Atomteststoppabkommen nicht zur Ratifizierung an den Kongress weitergeleitet. Nun kommt plötzlich Bewegung in die komplizierte Materie. "Ich glaube, dass die Weichen für die nächsten zehn Jahre Abrüstungspolitik in diesem Jahr 2009 gestellt werden", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Ende Januar im Deutschen Bundestag.

Zweierlei rechtfertigt Steinmeiers hochgespannte Erwartungen. Erstens besteht unabweisbarer Handlungsbedarf. So läuft Ende des Jahres das 1991 zwischen Amerikanern und Sowjets abgeschlossene Start-1-Abkommen aus, der vielleicht wichtigste Abrüstungsvertrag zwischen den beiden Supermächten des Kalten Krieges. Beide Seiten haben angedeutet, dass sie das Abkommen verlängern oder erneuern wollen. Im Übrigen muss in diesem Jahr die wichtige Überprüfungskonferenz zum Nichtverbreitungsvertrag (NVV) 2010 vorbereitet werden. Der NVV ist schon so durchlöchert, dass bei einem abermaligen Scheitern seiner Reform die 1968 festgelegten Regeln zur Verhinderung nuklearer Proliferation vollends unglaubwürdig würden.

Zweitens sorgt die neue Regierung in Washington auch bei der Abrüstung und der Rüstungskontrolle für frischen Wind. Barack Obama hatte schon in seiner Rede an der Berliner Siegessäule verkündet: "Das ist der Moment, in dem wir das Ziel einer Welt ohne Nuklearwaffen erneuern müssen." Nun, im Weißen Haus angekommen, lässt er keinen Zweifel daran, dass er dem Thema Abrüstung Priorität einräumen will.

Intellektuelle Vorarbeit hat ein Quartett von " elder statesmen " geleistet. Die ehemaligen US-Außenminister Henry A. Kissinger und George P. Shultz, der frühere Verteidigungsminister William Perry und Sam Nunn, einst Vorsitzender im Streitkräfteausschuss des Senats, haben zwei vielbeachtete Artikel im konservativen Wall Street Journal veröffentlicht, in dem sie eine "Welt ohne Atomwaffen" fordern.