Krisenland Afghanistan Karsai ist berechenbar

US-Präsident Obama will 17.000 zusätzliche Soldaten an den Hindukusch entsenden. Jedoch ist Afghanistans Präsident Karsai bei der US-Regierung nicht mehr wohlgelitten - zu Unrecht

In Afghanistan ist Wahlkampf, im Sommer wird ein neuer Präsident gewählt. Offenbar wünscht man sich in einigen Hauptstädten einen anderen Mann an der Spitze des Landes, denn Amtsinhaber Hamid Karsai wird zurzeit demontiert, als stünde sein Nachfolger schon bereit. Es wirkt mitunter, als würde Karsai dafür abgestraft, dass er sich zunehmend erlaubt, auf der Souveränität Afghanistans zu bestehen und das Vorgehen der Interventen zu kritisieren.

An Karsai kann man die Schwächen des von Washington forcierten liberal statebuilding, in der vulgären Form "Wahlen und Marktwirtschaft", gut studieren. Während des relativ friedlichen Neuanfangs nach 2001, als ein erschöpftes Volk sich optimistisch nach friedlichem und zivilem Alltag sehnte, drängten die USA unerbittlich auf eine vorgezogene Wahl des Präsidenten und des Parlaments, um damit die Wiederwahl von George W. Bush zu unterstützen.

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Karsai war nie nur ein Mann Washingtons, aber natürlich hängt er bis heute von jener Macht am stärksten ab, die die meisten Soldaten, das meiste Geld und die meisten zivilen Projekte bereitstellt. Die Abhängigkeit Afghanistans von außen ist so groß, dass Karsai sich kaum erlauben konnte, zu demonstrieren, was der Zweck des Staatsneubaues aus der Sicht der afghanischen Regierung ist. Dieser neue Staat Afghanistan konnte, ja musste kollidieren mit Stammesinteressen, mit den Nachfolgekonflikten mit früheren Kommandanten, mit lokalen Traditionen, aber natürlich ebenso mit organisiertem Verbrechen, Drogenökonomie und der teilweise erschreckenden Unkenntnis der Probleme des Landes aufseiten der internationalen Gemeinschaft. Die Interventen hätten viel früher viel mehr tun müssen, um den Staat für diesen Kampf um ein staatliches Gewaltmonopol zu rüsten.

Das ist nicht geschehen, jetzt brennt es im Land an allen Ecken. Der charismatische Karsai hat keine schlechte Figur abgegeben beim Versuch, sein Land trotzdem zusammenzuhalten. Nun wird aber jeder einwerfen: Die Taliban sind wieder da, die Armut, die Korruption, die Unregierbarkeit ist schlimmer geworden. Alles halb richtig, aber auch halb falsch. Es gibt überraschend viel Frieden mitten im Krieg, es gibt auch Ansätze zur gesellschaftlichen (nicht unbedingt staatlichen) Konsolidierung.

Man muss vor allem verstehen, dass für Karsai die Staatsgründung viel wichtiger ist als der Kampf im Krieg gegen den Terrorismus. Das bedeutet eine gänzlich unterschiedliche Haltung gegenüber den Taliban, die nicht unser Feind sind, sondern der des zivilen Afghanistan. Übrigens hat Karsai Recht: Wenn jemand mit den Taliban verhandelt, um sie zur Verfassung und zum Aufgeben zu bewegen, dann er, und nicht selbsternannte Mediatoren.

Leser-Kommentare
    • TDU
    • 18.02.2009 um 17:17 Uhr

    Die vom Autor angesprochenen Heimatländer der Interventen wollten die stärkere Ausstattung aber nicht, um das Gewaltmonopol des afghanischen Staates zu stärken. Denn es gab eben kein Staatswesen, dass man durch ausschließlich zivile Hilfen stärken konnte, wie z. B. Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg.

    Hätte Barsai mehr Militär gewünscht, er hätte es nicht bekommen, er wäre dann wieder eine Marionette des Westens, übrigens mit Zustimmung großer Teile eben dieses Westens, gewesen. Insofern ist die Argumentation des Autors ein bißchen "Hinterher-Klüger-Sein". Recht hat er die USA zu warnen. Basai ist berechenbar und beide Seiten sollten sorgfältig miteinander umgehen.

  1. "Hamid Karsai ist bei den USA nicht mehr wohlgelitten. Zu Unrecht: Denn Afghanistans Präsident setzt auf den Aufbau des Staatswesens statt auf den Krieg gegen den Terror."
    Man muss nur "Zu Unrecht" streichen.
    Ob im Kosovo, Afghanistan, Irak, wo immer die USA eingreifen: es bleiben gescheiterte Staaten. Ein geordnetes Staatswesen liegt spätestens seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion als Gegenmachtentwurf überhaupt nicht im Interesse der einzigen Weltmacht. In den militärisch besiegten, besetzten Staaten werden riesige Militärstützpunkte eingerichtet, von dort aus wird die Staatsruine kontrolliert, das reicht.

  2. Man tut so, als ob es etwas Gutes sei, wenn islamische Staaten "Souveränität" hätten ... Wenn Rückständigkeit souverän ist, ist es eben nicht gut. Das Beste was Afghanistan passieren kann ist westlicher "Kulturimperalismus" - denn wenn sie nur in eine geahnte Nähe von westlicher Kultur kämen wäre das ein unglaublicher Fortschirtt. Somit klingt auch eine "Marionette des Westens" wie etwas, wofür man täglich beten sollte!

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    wer nicht so tickt wie der westen es will, sollte sofort entsorgt werden, den was die USA, EU, GB, usw. uns erzählen ist nur das einzig wahre. nieder mit karsei, nieder mit Khamenai, nieder mit ghandi.

    • keox
    • 18.02.2009 um 21:01 Uhr

    nicht schon längst im Bett sein:-))?

    wer nicht so tickt wie der westen es will, sollte sofort entsorgt werden, den was die USA, EU, GB, usw. uns erzählen ist nur das einzig wahre. nieder mit karsei, nieder mit Khamenai, nieder mit ghandi.

    • keox
    • 18.02.2009 um 21:01 Uhr

    nicht schon längst im Bett sein:-))?

  3. wer nicht so tickt wie der westen es will, sollte sofort entsorgt werden, den was die USA, EU, GB, usw. uns erzählen ist nur das einzig wahre. nieder mit karsei, nieder mit Khamenai, nieder mit ghandi.

    • keox
    • 18.02.2009 um 21:01 Uhr

    nicht schon längst im Bett sein:-))?

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  4. Antwort auf "Müßtest Du"
  5. Die Entwicklung in Afghanistan macht mir nur sehr wenig Hoffnung für die Zukunft. Ich bin mir sicher, daß wir Westeuropäer mit unserer Vorstellung von Gesellschaft auch in diesem Land scheitern werden. Zu unterschiedlich ist die Geschichte verlaufen, als das sich in wenigen Jahrzehnten eine Gemeinsamkeit eintwickeln könnte. Ich wäre schon froh, wenn es Muslimen und Westeuropäern gelänge, sich gegenseitig zu akzeptieren.

    Meine Meinung begründet sich auf mehrere persönliche Gespräche mit Mitarbeitern von staatlichen und christlichen Organisationen (Triefensteiner Bruderschaft). Diese Menschen erzählen von einem Land ohne Hoffnung, von unvorstellbaren Zuständen und von uns gänzlich fremden Denkweisen,
    welche ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Bettelnde Kinder in Kabul werden als etwas ganz selbstverständliches angesehen.

    Wir Europäer haben in diesem Land nur sehr wenig zu suchen - auf keinem Fall als Aufsicht oder als Militär. Dann hätten die Familien der getöteten Soldaten noch Ihre Väter und Söhne.

    Die sinnlos verpulverten Millionen wären langfristig viel besser in Schulen und Krankenhäuser investiert worden. Dort wird m.E. der Grundstein für die deutsche Sicherheit gelegt.

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    ... aber man hört auch immer wieder, wie froh viele Afghanen waren, als die Taliban vertrieben wurden. Denn die Taliban kommen in erster Linie aus Pakistan und hatten ein sehr unangenehmes und wahrscheinlich auch den meisten Afghanen unliebsames Regime errichtet.

    Wenn ich die Interviews mit Insidern lese, dann komme ich immer zu folgendem Schluß: es hätte funktionieren können, wenn:

    1) man die ungeliebten Feudalherren entmachtet hätte, statt mit ihnen zusammen zu arbeiten (die Taliban entmachten sie und werden dafür zumindest geachtet)

    2) man von Anfang an ausreichend Militär eingesetzt hätte, um überall Ruhe und Kontrolle zu gewährleisten, solange bis Afg. ein eigenes ernstzunehmendes Heer hätte (ist die Frage, ob das bezahlbar gewesen wäre)

    3) man vielleicht mehr auf eine Stammes- oder Bürgerdemokratie gesetzt hätte, repräsentative Demokratie funktioniert ja schon bei uns schlecht, in den meisten dritte-Welt-Ländern ist eine solche zentrale Macht der Dreh- und Angelpunkt für die Korruption und lässt sich nur mit ständiger Gewaltandrohung am Leben halten

    Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Menschenrechte nicht unvereinbar mit dem Islam sind. Ebenso glaube ich, dass diese durchaus Aktzeptanz finden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Problematisch wird es, wenn man zwar Menschenrechte, Demokratie und Wohlstand predigt, aber in der Praxis ganz anders handelt. Daran ist seinerzeit auch der Schah im Iran gescheitert und hat damit einen konservativen Rückwärtssalto ausgelöst, der nicht hätte sein müssen.

    In Afg. wird es ähnlich kommen, denn das Geld ist alle (oder bald wertlos), im schlechtesten Fall geht der Bürgerkrieg weiter, im zweitschlechtesten übernehmen die Taliban. Dass Obama es noch richtet (richten kann), ich glaube nicht dran. Es könnte sogar die Fußangel werden, die ihn letztlich eine zweite Amtsperiode kostet.

    ... aber man hört auch immer wieder, wie froh viele Afghanen waren, als die Taliban vertrieben wurden. Denn die Taliban kommen in erster Linie aus Pakistan und hatten ein sehr unangenehmes und wahrscheinlich auch den meisten Afghanen unliebsames Regime errichtet.

    Wenn ich die Interviews mit Insidern lese, dann komme ich immer zu folgendem Schluß: es hätte funktionieren können, wenn:

    1) man die ungeliebten Feudalherren entmachtet hätte, statt mit ihnen zusammen zu arbeiten (die Taliban entmachten sie und werden dafür zumindest geachtet)

    2) man von Anfang an ausreichend Militär eingesetzt hätte, um überall Ruhe und Kontrolle zu gewährleisten, solange bis Afg. ein eigenes ernstzunehmendes Heer hätte (ist die Frage, ob das bezahlbar gewesen wäre)

    3) man vielleicht mehr auf eine Stammes- oder Bürgerdemokratie gesetzt hätte, repräsentative Demokratie funktioniert ja schon bei uns schlecht, in den meisten dritte-Welt-Ländern ist eine solche zentrale Macht der Dreh- und Angelpunkt für die Korruption und lässt sich nur mit ständiger Gewaltandrohung am Leben halten

    Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Menschenrechte nicht unvereinbar mit dem Islam sind. Ebenso glaube ich, dass diese durchaus Aktzeptanz finden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Problematisch wird es, wenn man zwar Menschenrechte, Demokratie und Wohlstand predigt, aber in der Praxis ganz anders handelt. Daran ist seinerzeit auch der Schah im Iran gescheitert und hat damit einen konservativen Rückwärtssalto ausgelöst, der nicht hätte sein müssen.

    In Afg. wird es ähnlich kommen, denn das Geld ist alle (oder bald wertlos), im schlechtesten Fall geht der Bürgerkrieg weiter, im zweitschlechtesten übernehmen die Taliban. Dass Obama es noch richtet (richten kann), ich glaube nicht dran. Es könnte sogar die Fußangel werden, die ihn letztlich eine zweite Amtsperiode kostet.

  6. ... aber man hört auch immer wieder, wie froh viele Afghanen waren, als die Taliban vertrieben wurden. Denn die Taliban kommen in erster Linie aus Pakistan und hatten ein sehr unangenehmes und wahrscheinlich auch den meisten Afghanen unliebsames Regime errichtet.

    Wenn ich die Interviews mit Insidern lese, dann komme ich immer zu folgendem Schluß: es hätte funktionieren können, wenn:

    1) man die ungeliebten Feudalherren entmachtet hätte, statt mit ihnen zusammen zu arbeiten (die Taliban entmachten sie und werden dafür zumindest geachtet)

    2) man von Anfang an ausreichend Militär eingesetzt hätte, um überall Ruhe und Kontrolle zu gewährleisten, solange bis Afg. ein eigenes ernstzunehmendes Heer hätte (ist die Frage, ob das bezahlbar gewesen wäre)

    3) man vielleicht mehr auf eine Stammes- oder Bürgerdemokratie gesetzt hätte, repräsentative Demokratie funktioniert ja schon bei uns schlecht, in den meisten dritte-Welt-Ländern ist eine solche zentrale Macht der Dreh- und Angelpunkt für die Korruption und lässt sich nur mit ständiger Gewaltandrohung am Leben halten

    Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Menschenrechte nicht unvereinbar mit dem Islam sind. Ebenso glaube ich, dass diese durchaus Aktzeptanz finden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Problematisch wird es, wenn man zwar Menschenrechte, Demokratie und Wohlstand predigt, aber in der Praxis ganz anders handelt. Daran ist seinerzeit auch der Schah im Iran gescheitert und hat damit einen konservativen Rückwärtssalto ausgelöst, der nicht hätte sein müssen.

    In Afg. wird es ähnlich kommen, denn das Geld ist alle (oder bald wertlos), im schlechtesten Fall geht der Bürgerkrieg weiter, im zweitschlechtesten übernehmen die Taliban. Dass Obama es noch richtet (richten kann), ich glaube nicht dran. Es könnte sogar die Fußangel werden, die ihn letztlich eine zweite Amtsperiode kostet.

    Antwort auf "Wenig Hoffnung"
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    Ja Frau/Herr Johaupt,
    ich kann Ihnen in vielem Recht geben. Eine Herrschaft der Taliban wird für das Volk in Afghanistan nichts ändern. Der 3. Punkt Ihres Kommentares hat es mir sehr angetan. Das Wachsen von Demokratie und damit eine langfristige Änderung kann nur von den Afghanen selber kommen. Ich hätte mir eben Hilfe in dieser Richtung erwünscht. Dies ist aber unendlich schwerer - dauert länger und ist nicht so medienwirksam.

    Ja Frau/Herr Johaupt,
    ich kann Ihnen in vielem Recht geben. Eine Herrschaft der Taliban wird für das Volk in Afghanistan nichts ändern. Der 3. Punkt Ihres Kommentares hat es mir sehr angetan. Das Wachsen von Demokratie und damit eine langfristige Änderung kann nur von den Afghanen selber kommen. Ich hätte mir eben Hilfe in dieser Richtung erwünscht. Dies ist aber unendlich schwerer - dauert länger und ist nicht so medienwirksam.

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