Afghanistan Neue Kooperation von Kabul und Washington
Die amerikanische und die afghanische Regierung wollen Zivilisten im Kampf gegen die Taliban besser schützen.
Angesichts massiver Kritik an der steigenden Zahl ziviler Opfer bei internationalen Militäroperationen in Afghanistan haben sich US-Regierung und afghanische Behörden auf einen besseren Schutz der Bevölkerung verständigt.
Afghanische Sicherheitskräfte würden zukünftig stärker in Planung und Ausführung von US- Militäraktionen in dicht besiedelten Gebieten eingebunden, sagte Staatspräsident Hamid Karsai am Sonntag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem neuen US-Sondergesandten für Afghanistan, Richard Holbrooke. Er sei „dankbar“, dass beide Seiten ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet hätten, so Karsai weiter.
Im vergangenen Jahr kamen mehr als 2000 Zivilisten bei Kämpfen und Anschlägen in Afghanistan ums Leben. Für etwa ein Viertel der Opfer sollen die internationalen Truppen verantwortlich sein. Erst im Januar starben nach afghanischen Angaben mehr als 30 Zivilisten bei US-Angriffen im Osten des Landes, was heftige Proteste in der Region auslöste. Karsai hatte daraufhin erklärt, die „unkoordinierten Angriffe“ schwächten seine Regierung und stärkten die Terroristen. Die zivilen Opfer belasteten auch die Beziehungen zu den USA.
Holbrooke sagte zum Abschluss seines viertägigen Besuchs, er sei nach Afghanistan gekommen, um „zu lernen und zuzuhören“. Gleichzeitig sicherte er dem afghanischen Präsidenten die weitere Unterstützung der Vereinigten Staaten im Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban und das Terrornetzwerk al-Qaida zu. Zudem solle Kabul in die vom neuen US-Präsidenten Barack Obama angekündigte Überprüfung der amerikanischen Strategie für Afghanistan einbezogen werden, so Holbrooke weiter.
Karsai kündigte an, dass dafür ein Team unter Leitung des afghanischen Außenministers Rangin Dadfar-Spanta nach Washington reisen werde.
Vor seinem Besuch in Kabul hatte Holbrooke bereits mit der Regierung in Pakistan über Strategien im Kampf gegen die Extremisten beraten. An diesem Montag wird der US-Diplomat zu politischen Gesprächen in der indischen Hauptstadt Neu Delhi erwartet.
Nach dem Willen der deutschen Bundesregierung soll sich künftig auch ein Sonderbeauftragter des Auswärtigen Amtes um die Krisenherde in Afghanistan und Pakistan kümmern sowie die Zusammenarbeit mit den USA koordinieren. Nach einem Spiegel -Bericht hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier den deutschen Botschafter in Indien, Bernd Mützelburg, für den Posten benannt.
Auf Bitten der US-Regierung solle der 65-Jährige in Berlin als Ansprechpartner für Holbrooke fungieren, der die Einrichtung einer internationalen Kontaktgruppe für die Region plane, berichtete das Magazin. In den 90er Jahren hatten ähnliche Runden versucht, die Konflikte auf dem Balkan zu lösen.
- Datum 15.02.2009 - 15:38 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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