Porträt Thomas Hitzlspergers Hoeneß ließ er schreienSeite 2/2

Bei den Profis sitzt er noch nicht einmal auf der Auswechselbank. Nach dem Abpfiff sammelt er die Socken der Spieler ein und sortiert ihre Wäsche. Wenn er unter der Woche bei den Amateuren spielt, verlieren sie regelmäßig. Der Trainer sagt nicht mehr “Herman the German“, er brüllt durch die Kabine: "Thomas, fucking, tidy up ...“ Thomas sagt nichts.

Er stellt sich die Frage nach dem Sinn, die Antworten plagen ihn, aber Aufgeben ist keine Alternative.

Dann kommt der neue Trainer für das Profiteam. Im Winter 2002 spielen sie gegen Manchester United. Wechsel in der 63. Minute: Thomas läuft aufs Feld, das erste Mal in der Premier League. Der große Wumms in seinem Schuss beeindruckt die Zuschauer. In der nächsten Partie spielt er von Beginn und wird zum “Spieler des Spiels“ gewählt. Die Profis klatschen mit ihm ab. Der Termin mit Uli Hoeneß liegt fast genau zwei Jahre zurück. Thomas sammelt keine Socken mehr.

Irgendwann in England sei er erwachsen geworden, sagt Thomas Hitzlsperger. Bei Aston Villa wurde er Stammspieler, Nationalspieler, Publikumsliebling. Immer wenn “Hitz the Hammer“ den Ball berührte, schrien die Fans “Shoooot". Die Reporter kamen und fragten, wann er zurück zum FC Bayern wechselt. Er begann, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, nach fünf Jahren in Birmingham wechselte er zum VfB Stuttgart.

Heute geht er häufig zu Lesungen. Steigt in seinen Kleinwagen, fährt hin, hört zu, einfach so. Die Leute fragen dann, “Herr Hitzlsperger, was machen Sie denn hier?“ Er lacht dann, sagt, dass es doch ganz normal sei, sich in einer Buchhandlung für Bücher zu interessieren. “Na klar, stimmt!“, will man darauf antworten. Aber ist das so? Ein Profifußballer, der sein eigener Pressesprecher ist, der keinen flachen Fernseher besitzt, Daniel Kehlmanns Ruhm und Schweigeminute von Siegfried Lenz aus dem Stegreif kritisiert?

Als Lernfußballer hat ihn der Spiegel bezeichnet, weil er sich mit dem Mannschaftspsychologen ohne Vorbehalte unterhält, und weil er sich vor der WM 2006 einen Privattrainer suchte, um an seiner Fitness zu arbeiten. Vom Kuhstallausmisten zum Lernfußballer, könnte man sagen. Aber Thomas Hitzlsperger sagt solche Sätze nicht. Er sagt danke, bitte und manchmal auch gar nichts.

 
Leser-Kommentare
  1. Sehr sympathisch, der Hitzlsperger. Solch Eigensinn gefällt mir.

    Noch eine Frage an Herrn Dobbert. Was ist ein Stehgreif? Ist das ein Vogel, der nicht fliegen kann, oder ein gewohnheitsmäßiger Buffetabräumer? Oder einfach ein schlechter Torwart? – Oder ...
    ___________________
    Lyriost – Madentiraden

  2. Danke
    Seit langem etwas interessantes von einem Fussballer über Fussball gelesen zu haben.
    Viel mehr würde mich aber interssieren, wie solche Gladiatoren, wie z.B. Girardelli, der an die zehn vollnarkose Operationen hatte und der eine Stunde jeden Morgen Dehnübungen machen muss, um dann einigermassen gehen zu können, heute seine "Karriere" betrachtet.

    Oder der Ex-Spieler bei FC Bayern, (türkischer Name glaube ich) dem gesagt wurde, dass er dann, wenn er nicht mehr spielt/trainiert Höllenschmerzen in den Knieen haben werde.

    Hat es sich gelohnt, ist die Frage.

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    Das Leben nach dem Fußball. Viele Spieler können nicht von dem erwirtschafteten Geld des Fußballs leben. Manche arbeiten noch weiter für den Sport, aber viele müssen sich von der Fußballbühne verabschieden und auf andere Weise für ein Einkommen sorgen.
    Auch die körperlichen Folgen wären ein interessantes Thema, welche Schäden entstehen durch Hochleistungssport? Was sind Schicksalsschläge und Schattenseiten des Sports?
    Vielleicht wäre es das mal einen Artikel wert.

    Die Kolumne mit Hitze, Lahm und co. gefällt mir sehr gut! Auch wenn der Lahm beim FC spielt, ist er doch einer der Sympathieträger der Deutschen Elf!

    Das Leben nach dem Fußball. Viele Spieler können nicht von dem erwirtschafteten Geld des Fußballs leben. Manche arbeiten noch weiter für den Sport, aber viele müssen sich von der Fußballbühne verabschieden und auf andere Weise für ein Einkommen sorgen.
    Auch die körperlichen Folgen wären ein interessantes Thema, welche Schäden entstehen durch Hochleistungssport? Was sind Schicksalsschläge und Schattenseiten des Sports?
    Vielleicht wäre es das mal einen Artikel wert.

    Die Kolumne mit Hitze, Lahm und co. gefällt mir sehr gut! Auch wenn der Lahm beim FC spielt, ist er doch einer der Sympathieträger der Deutschen Elf!

  3. Das Leben nach dem Fußball. Viele Spieler können nicht von dem erwirtschafteten Geld des Fußballs leben. Manche arbeiten noch weiter für den Sport, aber viele müssen sich von der Fußballbühne verabschieden und auf andere Weise für ein Einkommen sorgen.
    Auch die körperlichen Folgen wären ein interessantes Thema, welche Schäden entstehen durch Hochleistungssport? Was sind Schicksalsschläge und Schattenseiten des Sports?
    Vielleicht wäre es das mal einen Artikel wert.

    Die Kolumne mit Hitze, Lahm und co. gefällt mir sehr gut! Auch wenn der Lahm beim FC spielt, ist er doch einer der Sympathieträger der Deutschen Elf!

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