Stadt der Zukunft Urbane Utopien

Seitdem es Architekten gibt, existiert auch die Vision von der idealen Stadt. Ein Überblick über die fantastischsten Pläne aus dem 15. Jahrhundert bis heute

Ob es die chinesische Planstadt Lingang ist, die derzeit um einen künstlich angelegten kreisrunden See in der Provinz Shanghai entsteht, oder die Insellandschaften in Form mehrerer Palmen, auf der die Scheichs von Dubai trotz Weltwirtschaftskrise weitere Luxusvillen errichten lassen: Architektonische und städteplanerische Großprojekte faszinieren die Menschen.

Das gilt heute wie vor 500 Jahren, als der Urvater der Stadtutopie – der florentiner Bildhauer und Architekt Filarete – seine Ideen entwickelte. Er beschrieb schon im 15. Jahrhundert in seinem 25-bändigen Werk Trattato d'architettura , wie sich in der Idealstadt Architektur und Zusammenleben zu einem harmonischen Organismus zusammenfügen.

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Filarete entwarf nicht nur Strukturen, Straßenzüge und Gebäudetypen, sondern einen gesamten Verhaltenskodex für alle Bewohner dazu. Dafür erntete er Bewunderung und Spott gleichermaßen. Umgesetzt wurde von seiner Vision wenig. Der sternförmige Stadtgrundriss von Palmanova in Norditalien spielt formal auf seine Arbeit an. Vor allem legte Filarete jedoch den Grundstein des für Jahrhunderte gültigen Paradigmas des Städtebaus, dass die ideale Gesellschaft in einer idealen Architektur verwirklicht werden könnte.

Auch hypermoderne Stadtvisionen, die ohne sozialen Anspruch einer besseren Welt auskommen, vermitteln mehr als ein bloßes ästhetisches Programm. Bei jeder Vision von Stadt geht es auch immer um eine bestimmte Vision vom Zusammenleben.

Leser-Kommentare
  1. 1. Naja

    So utopisch sin die gebäse auch wieder nicht. Bis 2020 ist das ganze Design sowieso schon genauso selbstverständlich, wie heute ein Touchscreen-Handy. Wenn ich etwas gelernt habe, dann das Zukunftsprognosen die Menschheit immer unterschätzen. :-)

  2. Die erwähnten Konzepte und Projekte können noch um ein Beispiel erweitert werden.
    In Curitiba wurden von Anfang an der öffentliche Verkehr sowie Wohn-und Arbeitsräume aus städtebaulicher Sicht organisch verbunden. Urbanisten pilgern dorthin um das praktische Resultat zu beurteilen.
    http://www.curitiba-paran...

    Die zu beobachtende weltweite Städtewucherung ist das Resultat von verfehlter globaler Wirtschaftsplanung, welche zu massiver Landflucht in Richtung Städte geführt hat. Dadurch werden die ökonomischen Kraftfelder aufgezeigt, welche sowohl auf dem Land wie in den Städten immensen Schaden anrichten. Nicht geplantes harmonisches Wachstum, sondern ökologische Ueberbeanspruchung, Verschmutzung, soziales und wirtschaftliches Elend werden dadurch produziert.

    Stadtutopien werden der gesamtgesellschaftlichen Dimension der Stadt insofern nicht gerecht, als sie oft auf einer architektonischen und technischen Ebene angesiedelt sind, im narzistischen Elfenbeinturm von elitären Geistern. Die Stadt ist aber ein gesellschaftliches Phänomen, das mit politischen und wirtschaftlichen Massnahmen zu steuern ist. Architekten und Urbanisten sind die Ausführenden, sofern vorher ein übergreifendes Konzept geschaffen wurde. Das ist meines Wissens nirgends der Fall.

  3. Es existieren bereits wunderbare städtebauliche Konzepte, nur das Denken Vieler ist dafür nicht bereit, zu unflexibel. Architektur bedeutet weit mehr, als hier umschrieben. Architektur kann man schwer wissen oder vermitteln. Man muss Architektur leben; den Wesenszug erkennen. In diesem Bereich steckt ein gigantisches Potenzial, und wenn ich ein hoher Entscheidungsträger eines Staates wäre, würde ich als erstes ein Ministerium für Architektur starten, aber nicht nach dem Muster des 20. Jahrhunderts, sondern weiser, allumfassend.

    Ich fände es toll, derlei Themen ausgeprägter zu beleuchten, zumal uns unsere `gebaute´ Welt mehr beeinflusst, als wir zuzugeben bereit sind.

    Ob Architektur nun erstarrte Musik ist, oder Musik hervorruft, bleibt dahingestellt.
    Man könnte die Frage mit einem Atemzug beantworten.
    Aber die richtige Frage ist oft wichtiger, als die richtige Antwort.
    Schlussendlich bleibt ein klägliches `Hm´ übrig.

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