Stadt der Zukunft Urbane UtopienSeite 3/3

Gigantische Raumtragwerke, die Entfaltungsmöglichkeiten für eine freiere Gesellschaft bildeten, wurden zu einem viel diskutierten Thema. Günter Domening und Eilfried Huth aus Graz legten mit der Überbauung Ragnitz einen der radikalsten Entwürfe der Zeit vor. Verwirklicht wurde unter anderem die Überbauung der Berliner Stadtautobahn an der Schlangebader Straße. Der Gebäudekomplex von Georg Heinrichs weist nicht nur formal in Richtung der utopischen Megastructures .

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Rem Koolhaas' Entwurf für ein kreisrundes Hochhaus in Dubais "Waterfront City" wurde von der mondgroßen Raumfähre "Death Star" aus der Science-Fiction-Serie "Star Wars" inspiriert

Rem Koolhaas' Entwurf für ein kreisrundes Hochhaus in Dubais "Waterfront City" wurde von der mondgroßen Raumfähre "Death Star" aus der Science-Fiction-Serie "Star Wars" inspiriert

Stadtutopien besitzen selbst dann einen leicht totalitären Beigeschmack, wenn sie so fröhlich wirken wie Archigrams Entwurfscollagen. Darauf wollte der Italiener Adolfo Natalini mit seinem Team namens Superstudio hinweisen. Superstudio zeichnete sinnentleerte und brutal wirkende Stadtvisionen, deren Ausdruckskraft allerdings eher fasziniert, als dass sie schockiert.

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Was bei Superstudio noch als bissige Satire galt, wurde von dem niederländischen Architekten Rem Koolhaas bereits in dessen The Voluntary Prisoners ins Positive verkehrt. Inspiriert von der Berliner Mauer war seine Abschlussarbeit an der Architecture Academy London eine Stadtvision, bei der sich Zynismus und Optimismus die Waage hielten.

Die Satellitenaufnahme der "Waterfront" zeigt den Umriss der Jebel-Ali-Insel – einer von drei künstlich angelegten Insellandschaften in Palmenform vor Dubai. Das 1,9 Milliarden Quadratkilometer große Areal umfasst mehrere Stadtteile und soll Lebensraum für 1,5 Millionen Menschen werden. Das Zentrum Waterfront City wird von dem "Office for Metropolitan Architecture" (OMA) des Niederländers Rem Koolhaas gestaltet

Die Satellitenaufnahme der "Waterfront" zeigt den Umriss der Jebel-Ali-Insel – einer von drei künstlich angelegten Insellandschaften in Palmenform vor Dubai. Das 1,9 Milliarden Quadratkilometer große Areal umfasst mehrere Stadtteile und soll Lebensraum für 1,5 Millionen Menschen werden. Das Zentrum Waterfront City wird von dem "Office for Metropolitan Architecture" (OMA) des Niederländers Rem Koolhaas gestaltet

Ein aktueller Plan für die Waterfont City Dubai bedient sich ähnlicher theoretischer Konzepte. Ein mit dem Skalpell ausgeschnittenes und transplantiertes Stück Manhattan soll dieses Viertel darstellen. Dabei werden "das Eigenschaftslose und das Fantastische" die Eckpfeiler der Stadt werden, Marketing hat einen festen Platz in der Stadtplanung bekommen.

Ähnlich optimistisch sehen die Architekten Gerkan Marg und Partner die Zukunft von Lingang New City nahe Shanghai. Diese Stadtneugründung erweckt durch ihre Kreisform ähnlich religiöse Assoziationen wie die Gartenstädte von Ebenezer Howards. Da auch in China wirtschaftliche Pragmatik Vorrang vor Sozialutopien hat, dürften alle Ähnlichkeiten mit früheren Idealstädten rein ästhetischer Natur sein.

Aus China selbst von den Architekten MAD stammt der Entwurf Super Star – ein riesiger dreidimensionaler Stern als Lebensraum für 1,5 Millionen Menschen, die darin Energie- und CO 2 -neutral leben können. Auch wenn die Realisierung eines solchen Projektes unmöglich ist, zeigt der Entwurf doch, wie lebendig Stadtutopien sind. Und er zeigt, dass sich die Stadt der Zukunft immer ein Glücksversprechen bereithält – in diesem Falle das der Freiheit.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Naja

    So utopisch sin die gebäse auch wieder nicht. Bis 2020 ist das ganze Design sowieso schon genauso selbstverständlich, wie heute ein Touchscreen-Handy. Wenn ich etwas gelernt habe, dann das Zukunftsprognosen die Menschheit immer unterschätzen. :-)

  2. Die erwähnten Konzepte und Projekte können noch um ein Beispiel erweitert werden.
    In Curitiba wurden von Anfang an der öffentliche Verkehr sowie Wohn-und Arbeitsräume aus städtebaulicher Sicht organisch verbunden. Urbanisten pilgern dorthin um das praktische Resultat zu beurteilen.
    http://www.curitiba-paran...

    Die zu beobachtende weltweite Städtewucherung ist das Resultat von verfehlter globaler Wirtschaftsplanung, welche zu massiver Landflucht in Richtung Städte geführt hat. Dadurch werden die ökonomischen Kraftfelder aufgezeigt, welche sowohl auf dem Land wie in den Städten immensen Schaden anrichten. Nicht geplantes harmonisches Wachstum, sondern ökologische Ueberbeanspruchung, Verschmutzung, soziales und wirtschaftliches Elend werden dadurch produziert.

    Stadtutopien werden der gesamtgesellschaftlichen Dimension der Stadt insofern nicht gerecht, als sie oft auf einer architektonischen und technischen Ebene angesiedelt sind, im narzistischen Elfenbeinturm von elitären Geistern. Die Stadt ist aber ein gesellschaftliches Phänomen, das mit politischen und wirtschaftlichen Massnahmen zu steuern ist. Architekten und Urbanisten sind die Ausführenden, sofern vorher ein übergreifendes Konzept geschaffen wurde. Das ist meines Wissens nirgends der Fall.

  3. Es existieren bereits wunderbare städtebauliche Konzepte, nur das Denken Vieler ist dafür nicht bereit, zu unflexibel. Architektur bedeutet weit mehr, als hier umschrieben. Architektur kann man schwer wissen oder vermitteln. Man muss Architektur leben; den Wesenszug erkennen. In diesem Bereich steckt ein gigantisches Potenzial, und wenn ich ein hoher Entscheidungsträger eines Staates wäre, würde ich als erstes ein Ministerium für Architektur starten, aber nicht nach dem Muster des 20. Jahrhunderts, sondern weiser, allumfassend.

    Ich fände es toll, derlei Themen ausgeprägter zu beleuchten, zumal uns unsere `gebaute´ Welt mehr beeinflusst, als wir zuzugeben bereit sind.

    Ob Architektur nun erstarrte Musik ist, oder Musik hervorruft, bleibt dahingestellt.
    Man könnte die Frage mit einem Atemzug beantworten.
    Aber die richtige Frage ist oft wichtiger, als die richtige Antwort.
    Schlussendlich bleibt ein klägliches `Hm´ übrig.

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