Buschfeuer in Australien Gericht will Anklage wegen Brandstiftung erheben

Durchbruch bei den Ermittlungen nach den verheerenden Buschbränden: Ein Mann wurde festgenommen, er soll wegen Brandstiftung mit Todesfolge angeklagt werden

Forensiker und Polizisten auf einem Gehöft nördlich von Melbourne: Die Ermittler vermuten Brandstiftung als Ursache für viele Buschbrände

Forensiker und Polizisten auf einem Gehöft nördlich von Melbourne: Die Ermittler vermuten Brandstiftung als Ursache für viele Buschbrände

Der Mann wird beschuldigt, am vergangenen Samstag den Brand in Churchill nördlich von Melbourne gelegt zu haben. Dort starben 21 Menschen. Der Mann sei mental nicht stabil, hieß es. Bei ihm wurde außerdem pornografisches Material mit Kindern als Opfer gefunden.

Die Polizei veröffentlichte zudem ein Phantombild eines weiteren mutmaßlichen Brandstifters. Der Mann von etwa Mitte 20 sei in der Nähe einer der Brände nördlich von Melbourne gesehen worden. Im Visier der Beamten sind daneben noch zwei weitere Verdächtige. "In einem Fall haben wir einen Verdächtigen und er wird verhört", sagte die Polizeichefin von Victoria, Christine Nixon. "In einem anderen Fall wissen wir ziemlich genau, wer der Verdächtige ist." Die Person sei aber noch nicht festgenommen.

Anzeige

Die Polizei geht davon aus, dass zahlreiche der mehr als 400 Brände in den vergangenen Tagen absichtlich gelegt wurden. Sie hat die Einwohner ermuntert, verdächtiges Verhalten zu melden. Bereits am Donnerstag nahm sie zwei Leute fest, ließ sie aber später wieder frei.

Noch immer kämpfen mehr als 4000 Feuerwehrleute im am schwersten betroffenen Bundesstaat Victoria gegen rund 21 Buschbrände. Bei den verheerendsten Feuern, die Australien je erlebt hat, waren am vergangenen Wochenende mindestens 181 Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden rechnen damit, dass die Zahl der Toten auf mehr als 200 steigt, sobald alle 1800 zerstörten Häuser untersucht worden sind. Eine halbe Million Hektar Land brannte ab.

Unterdessen forderte die Feuerwehr in Australien mehr Anstrengungen in der Klimapolitik des Landes. "Ohne eine deutliche Umkehr der Politik würden wir von den Feuerwehrleuten verlangen, sich einem unannehmbaren Risiko auszusetzen, ganz abgesehen vom tragischen Verlust von Leben und Besitz", schrieb die Gewerkschaft der australischen Brandbekämpfer in einem offenen Brief an Ministerpräsident Kevin Rudd. Es liege in der Natur der Sache, dass der Beruf der Feuerwehrleute gefährlich sei. "Wir sind aber zutiefst besorgt, dass die gegenwärtige Politik zwangsläufig zu einer Wiederholung der tragischen Ereignisse führt."

Australien gilt wegen seines überwiegend trockenen Klimas als eines der anfälligsten Länder für den Klimawandel. Am Samstag war es in der Millionenmetropole Melbourne mit 46,4 Grad Celsius so heiß wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Angesichts der Abhängigkeit von Kohlekraftwerken will Regierungschef Rudd den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 aber lediglich um fünf Prozent reduzieren. Die Feuerwehr-Gewerkschaft zitierte indes in ihrem Brief Wissenschaftler, denen zufolge bereits bei einer geringen Klimaerwärmung bis 2020 katastrophale Buschbrände im südlichen Bundesstaat Victoria alle fünf bis sieben Jahre auftreten würden.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service