Finanzkrise Bankenverband will "Bad Bank" mit Gütertrennung

In der Debatte über riskante Finanzprodukte hat der Bankenverband einen Kompromiss vorgelegt. Er bündelt die bisherigen Ideen für eine Bad Bank

Bei dem im Herbst eingerichteten staatlichen Bankenrettungsfonds will die Finanzbranche eine "Bad Bank" mit differenzierter Struktur schaffen. Sie soll toxische Wertpapiere einerseits zentral verwalten, zugleich werde aber für jedes Institut ein eigenes Konto eingerichtet, berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf ein Arbeitspapier des Verbandes. Damit wäre eine Forderung von Finanzminister Peer Steinbrück erfüllt, dass sich die Papiere auch in Zukunft noch ihren ursprünglichen Besitzern zuordnen lassen müssen. Der SPD-Politiker hatte bisher für Auffanglösungen auf Ebene der jeweiligen Banken plädiert. Die Unions-Bundestagsfraktion soll intern bereits großes Interesse an dem Konzept des Bankenverbands bekundet haben.

Ob der Fonds einzelne Werte der Wertpapier-Konten verkauft, kann er laut dem Bericht selbst entscheiden. Die jeweilige Bank berät ihn dabei. Alle Verkaufserlöse bleiben ebenso im Fonds wie mögliche Zins- und Tilgungszahlungen auf einzelne Papiere. Ziel der staatlichen Auffanggesellschaft ist, die Banken von Risiken zu entlasten sowie vor stetigem Kapitalverlust zu bewahren und sie somit selbst wieder kreditwürdig zu machen.

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Mit dem vom Bankenverband angestrebten Kompromiss scheinen diese Probleme gelöst: Die "Bad Bank" soll die durch die Finanzkrise extrem abgewerteten Wertpapiere und Forderungen zu dem Buchwert übernehmen, den sie am 31. Dezember 2008 hatten. Damit könne verhindert werden, dass die Banken den in ihre Bilanzen eingestellten Wert der riskanten Papiere weiter mindern müssten. Bislang mussten sie Abschreibungen in dreistelliger Milliardenhöhe verkraften. Auch sind sie von Quartal zu Quartal zu Wertberichtigungen gezwungen, weil sich im Zuge der Finanzkrise kein Käufer für die Papiere findet. Das wiederum belastet die Eigenkapitalbasis der Banken weiter.

Die große Menge der verlustbehafteten Wertpapiere und unbeglichenen Forderungen hatte zudem den Kreditverkehr unter den Banken, den so genannten Interbankenhandel, nahezu zum Stillstand gebracht. Das ist noch immer so: "Das Vertrauen am Kapitalmarkt und zwischen den Banken ist trotz der mittlerweile angelaufenen Maßnahmen noch nicht in ausreichendem Maße wiederhergestellt", heißt es in dem Entwurf.

Nach den Vorstellungen des Bankenverbands sollen die Institute alle aus ihrer Sicht problematischen Wertpapiere bis zum 30. Juni beim Staat abgeben. Der Mobilisierungsfonds könne jedoch einzelne Papiere oder Portfolios auch ablehnen. Ein jeweils kleiner Teil bleibe dabei jeweils in der Bank, um für die Geldhäuser einen Anreiz zu schaffen, sich an der Verlustminimierung zu beteiligen.

Im Gegenzug sollen die Institute für den Buchwert der Papiere variabel verzinsliche Anleihen des Rettungsfonds erhalten. Endet deren Laufzeit, wird bilanziert. Sollte nach Abrechnung aller Kosten, Verkaufserlöse und Zinseinnahmen ein Fehlbetrag anfallen, könne der staatliche Rettungsfonds von der betroffenen Bank dafür einen Anteil an den künftigen Gewinnen des Instituts verlangen, heißt es in dem Bericht. Ein theoretisch möglicher Gewinn aus der Verwertung der Wertpapiere würde ebenfalls zwischen Staat und Bank geteilt.

 
Leser-Kommentare
    • NoG
    • 17.02.2009 um 13:28 Uhr

    bad bank unter aufsicht des bankenrettungsfonds:
    dieser ist parlamentarisch nicht kontrollierbar, sondern mit einem budget ausgestattet wo einem schwindlig wird.
    schon mal eine gute idee sich jeglicher transparenz zu entziehen und "eventuelle" machenschaften zwischen politik und finanzwelt im großen schwarzen loch verschwinden zu lassen.

    der artikel geht weiter...und enthaelt weitere ungeheuerlichkeiten, die hier sicherlich auseinandergenommen werden.

    es besteht ein großes interesse daran, mindestens die gesamtsumme der bilanzwerte dieser toxischen papiere zu erfahren...und da ja jede bank ihr eigenes schmutzkonto erhalten soll, duerfte es auch kein problem sein aufzuzeigen welche bank am tiefsten im schmutz gewuehlt hat.
    das interessiert sicherlich auch den einen oder anderen aktionaer dieser banken.

    • MIFF
    • 17.02.2009 um 13:42 Uhr

    Kurz gesagt, die Banken verleihen oder verpensionieren die
    Toxika an einen Staatsfond, Bundesbank oder EZB. Bei Fälligkeit erfolgt
    die Auflösung der Position. Vorteil Eigenkapital wird wieder erhöht,
    weitere Abschreibungen bei den Banken auf Jahre verteilt.
    Woher kommt das Geld/Staatspapiere? Diese werden "gedruckt",
    also ohne "Deckung" ausgegeben! Da dieses "Geld" nach Fälligkeit
    wieder eingestampft wird, wäre diese temporäre und inflationäre
    Massnahme durchaus denkbar.
    Anders als bei meinem Vorschlag einer Leihe bei der EZB,
    bei dem die Banken Leihgebühr bezahlen müssten, kommen die Banken
    hier auf die hervorragende Idee, für ihre Großzügigkeit auch
    noch "variable Zinsen" zu erwarten.
    Da bleibt mir dann die Spucke weg! Bei einer geschätzten möglichen
    Größenordnung von 1 Billion Euro und angenommenen 1% Zinsen
    darf dann der Bundeshaushalt sprich Steuerzahler jährlich
    10 Milliarden Euro an die Banken überweisen! Mit höheren Zinssätzen
    möchte ich gar nicht erst rechnen.
    Ich kann nur hoffen, dass sich die Regierung nicht schon wieder
    über den Tisch ziehen läßt.
    Der 2.Trick ist aber noch gigantischer: Wenn am Ende ein Papier
    nur 10% des Wertes erreicht hat, wäre die Bank gezwungen
    90% an den Fond abzuführen. Da sich aber Bank und Staat den
    Gewinn teilen, erhält der Staat 45% und die Bank braucht auch nur
    (90-45) 15% zu bezahlen. Hier finanzieren sich also 2 nicht-ganz
    Gesunde offen über die Geldentwertung. Das ist der Knaller!
    Ich würde sagen: Daumen nach unten!

    • MIFF
    • 17.02.2009 um 13:45 Uhr
    3. Zu 2.

    Statt 15% sollte 45% stehen.

  1. Transparent = Durchsichtig ?
    Demokratisch = Volks-Herrschaft ?
    Verantwortlich = ?

    ... für diesen speziellen Zweck, den Bad Banks die mal eben Mrd. verschlucken, definiert wie die Demo-Kratien die es ursprünglich mal gab. Demo-Kratie für einen eng begrenzten Anteil der Bevölkerung...

    ...mir fehlt bei all dem immer noch, das primär mal die zur Sanierung herangezogen werden die in der vergangen Generation all die obszönen Renditen verlangt und bekommen haben und die Profite eingesackt... Nein, nicht nur die Manager sondern die ruhig im Hintergrund agierenden Aktionäre und andere Kapitalgeber...

    ... aber nein, man macht das ganze mal eben mit Steuergeldern, verziert das alles mit dem Teilen von zukünftigen Gewinnen und lässt die aktuell Verantwortlichen einfach alle auf ihren Posten...

    Bald wird es soweit kommen das am Monatsende ein 10ter mehr eingetrieben wird um die Truhe des Schatzmeisters wieder zu füllen...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    • MIFF
    • 17.02.2009 um 14:32 Uhr

    Je öfter ich den Artikel lese, desto besser gefällt mir mein
    eigener kostenneutraler Lösungsansatz von letzter Woche:

    Sowenig, wie die aktuellen Konjunkturpakete zu einer
    Hyperinflation geführt haben, wäre es denkbar 2 bis
    10 Billionen Euro europaweit durch die EZB zu
    verleihen (gegen die Schrott-Papiere), ohne eine
    Riesen-Inflation auszulösen. Wahrscheinlich ist eher,
    dass die aktuelle Deflation gestoppt werden könnte.
    Wird sie allerdings gestoppt und Inflation macht sich
    auf den Weg, so ist ein feinfühliges Instrumentarium
    nötig, die Leihe in Tranchen wieder zurückzuführen,
    an Zinssätzen und Gebühren zu drehen, um die Inflation
    nicht ausufern zu lassen.Letztlich müssen die Banken,
    wenn auch zeitverzögert, ihre Zockerein begleichen.
    Wie man dann an das Geld - inzwischen verstorbener
    Banken kommt - müsste sich durch die Gebühren
    rechnen (die EZB muss/darf ja kaum Gewinn machen).
    Nach Erreichen der letzten Fälligkeit/des letzten Rückzahl-
    termins wäre im Idealfall die virtuelle Geldblase wieder
    verschwunden, die zwischenzeitlich aufgetretenen
    Inflationseffekte müssten durch die Geldvernichtung
    wieder zurückgeführt sein. Das ganze bei erheblich
    verbesserter Kreditvergabemöglichkeit der Banken,
    somit Vorteilen für Wirtschaft, Mittelstand und Konsumenten.
    Auch die Einzelstaaten werden weitere Konjunkturpakete
    sparen können. Mal sehen, welche Ideen aus Regierungs-
    kreisen publik werden.
    Mein Kommentar von mitte letzter Woche in Welt-Online.

    • Chali
    • 17.02.2009 um 14:47 Uhr

    Die allermeisten dieser Papiere haben das gemeinsame Merkmal, dass Gewinn und Einkommen des jeweiligen Urhebers von Anfang an gesichert sind, während das sorgfältig verborgene Risiko der Wertminderung eines Derivats oder gar eines Absturzes allein beim Käufer des Papiers liegt – eine gut getarnte Form von Raubtierkapitalismus.
    (http://www.zeit.de/2009/0...)

    Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass die Konstrukteure dieser "Produkte" hier am Werke waren.

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    • wll
    • 17.02.2009 um 15:07 Uhr

    da bekommt das Wort "Bankraub" eine völlig neue Bedeutung...

    Ich frage mich, wann endlich die erste Staatsanwaltschaft aufwacht und anfängt, diesen ganzen kriminellen Sumpf zu durchleuchten. Ein vernünftiger Mensch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte kann doch unmöglich denken, hier wäre alles mit rechten Dingen zugegangen.

    • wll
    • 17.02.2009 um 15:07 Uhr

    da bekommt das Wort "Bankraub" eine völlig neue Bedeutung...

    Ich frage mich, wann endlich die erste Staatsanwaltschaft aufwacht und anfängt, diesen ganzen kriminellen Sumpf zu durchleuchten. Ein vernünftiger Mensch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte kann doch unmöglich denken, hier wäre alles mit rechten Dingen zugegangen.

    • wll
    • 17.02.2009 um 15:07 Uhr
    7. Genau,

    da bekommt das Wort "Bankraub" eine völlig neue Bedeutung...

    Ich frage mich, wann endlich die erste Staatsanwaltschaft aufwacht und anfängt, diesen ganzen kriminellen Sumpf zu durchleuchten. Ein vernünftiger Mensch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte kann doch unmöglich denken, hier wäre alles mit rechten Dingen zugegangen.

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    Interessant hierzu koennte folgender Link sein:

    http://www.merkur.de/2009...

    Interessant hierzu koennte folgender Link sein:

    http://www.merkur.de/2009...

    • MIFF
    • 17.02.2009 um 15:25 Uhr

    viel dreister.
    Die Version der US-Bad-Bank ist der absolute Steuer-Killer.
    Kurz: der Staat verkauft für 1 Billion US-$ Staatspapiere (Banken?)
    Die Zinsen zahlt der Staatshaushalt (Steuerzahler).
    Mit dem Geld werden die Banken entgiftet, indem die Papiere
    abgekauft werden (zu welchen Preisen?).
    Die Papiere wandern dann in einen Fond, an dem sich andere
    beteiligen können (Banken!), dies aber nur tun werden, wenn
    sich das Geschäft lohnt.
    Wenn also angenommen die Papiere nach 5 Jahren (Durchschnitt)
    fällig geworden sind, hat der US-Steuerzahler bei 3% Zinsen,
    150 Milliarden Dollar gezahlt.
    Wenn nun die Papiere nur 50% des Kaufpreises eingebracht haben,
    so bleibt ein offener Betrag von 500 Mrd.US$. Da aber 1 Billion
    für die Tilgung der Staatspapiere nötig sind, hat sich der brave
    Steuerzahler noch mal 500 Milliarden $ eingefangen.
    Da kann die Mafia noch eine Menge lernen!

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