Berlinale Tag 8 Letzte Ausfahrt Hollywood
Die Favoriten kristallisieren sich heraus. Im Wettbewerb laufen die letzten Filme im Kampf um einen Bären, darunter "My One And Only" und "La Teta Asustada"
Langsam, nach acht Festivaltagen, beginnt sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Viele gute Filme waren in den vergangenen Tagen im Wettbewerb zu sehen, nur wenige Totalausfälle. Im Großen und Ganzen lässt sich schon jetzt sagen: Es ist ein guter Berlinale-Jahrgang.
Zwei der stärksten Arbeiten kommen aus Deutschland: Maren Ades Beziehungsstück Alle Anderen und Hans-Christian Schmids Kriegstribunalfilm Sturm . Mindestens einer von beiden müsste, wenn es mit rechten Dingen zugeht, am Ende mit einem Preis bedacht werden. Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass die Wege der Jury unergründlich sind. Also gilt es noch ein wenig zu spekulieren, bevor am Samstagabend die Preise vergeben werden.
Sicherlich mit im Rennen, wenn es um einen Bären geht: Oren Movermans großartiger Schauspielerfilm The Messenger , der iranische Beitrag About Elly und Francois Ozons Ricky . Von allen Wettbewerbsfilmen hat Ozons als Sozialstudie getarnte Arbeit Kritiker und Publikum am meisten polarisiert. Ein Preis wäre eine Überraschung, aber nicht unverdient.
Zu all den überragenden Frauendarstellungen , die in den vergangenen Tagen das Festival prägten, hat sich am vorletzten Tag noch eine weitere hinzugesellt. Im peruanischen Beitrag La Teta Asustada – Milch des Leids von Claudia Llosa spielt Magaly Solier mit großer Eindringlichkeit eine traumatisierte junge Frau. Die Ursache dieser Verstörung zeigt der Film nicht, aber er erzählt von ihr, ganz behutsam.
Fausta, so heißt die Hauptfigur, ist ein "Vergewaltigungskind". Ihre Mutter gebar sie in den Jahren des terroristischen Kampfes in Peru. Zahllose Frauen wurden in jener Zeit misshandelt, vergewaltigt, erniedrigt. Auch Faustas Mutter, die damals schwanger war. Der Film beginnt mit ihrem Sterben. Singend erzählt sie von ihrem Leid, das die Tochter mit der Muttermilch aufgesogen habe.
Es ist ein strenger, ein unbequemer und rätselhafter Film, den Regisseurin Claudia Llosa da gedreht hat, mit langen Einstellungen. Man sieht Staub, Steine, eine fast archaische Landschaft und immer wieder Magaly Solier, die das Seelenflattern ihrer Figur, ihre panische Angst vor Männern, vor Berührungen in jedem Moment fühlbar macht.
- Datum 16.02.2009 - 10:27 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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