Musikpresse Warme Worte für Schweinerock
Die englische Presse findet Morrisseys neue CD tölpelhaft. Die deutschen Kollegen hingegen loben sie ehrfürchtig. Außerdem im Echolot: Stefan Raabs Musikwettbewerb

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Jede Woche spiegelt das Echolot, worüber die Feuilletons und Fanzines schreiben
Am Freitag ist das neue Album des ehemaligen Smiths-Sängers Morrissey erschienen – und endlich wird die bange Frage beantwortet, die sich seine Anhänger stellen, seitdem vor einigen Wochen ein erstes Foto der Platte kursierte: Hat Morrissey ein Kind? Womöglich einen bislang heimlichen gemeinsamen Spross mit Mariah Carey? Er hat nicht.
Das stirntätowierte Kind, das er auf der Plattenhülle etwas ungelenk im Arm trägt, heiße Sebastien und sei der Sohn seines Tourmanagers, stellt Tobias Rüther in der FAZ klar. "Morrissey trägt seine charakteristische Tolle auf dem Kopf und hat sich in ein hellblaues Hemd von Fred Perry gezwängt, bis die Knöpfe platzen. Hochempfindliche Virilität soll das wohl bedeuten. Ein bisschen gefährlich, ein bisschen soft, eine zarte, harte Pflanze, Männertreu."
Years Of Refusal heißt das Album, Morrisseys Musik werde von Album zu Album aggressiver, stellt Rüther fest, "und das ist angenehm. Morrissey bittet darum, seine zwölf neuen Lieder 'sehr laut' abzuspielen. Früher, bei den Smiths und auch noch eine Zeitlang danach, wirkte er keuscher. Da klammerte er sich, um Halt ringend, an Laternenpfähle und schmachtete, schmachtete, schmachtete."
Früher habe er Lieder geschrieben, die Leben retten konnten. Auf Years Of Refusal gebe es höchstens eines dieser Sorte: "Es heißt It's Not Your Birthday Anymore, beginnt still und türmt sich dann auf zu einem Refrain, der nichts fehlen lässt an Gemeinheit und Selbsterkenntnis: 'Dein Geburtstag ist vorbei', singt Morrissey da, 'hast du wirklich geglaubt, dass wir all den sentimentalen Sirup ernst meinten, den wir gestern über dich gesagt haben?'"
Das sei genau der sentimentale Sirup, von dem seine Fans zehrten, "süßestes Selbstmitleid, wer kennt es nicht: Jetzt lästert ihr alle über mich, aber wenn ich tot bin, werdet ihr alle an meinem Grab stehen und mich beweinen. Allzumenschlich ist das, aber gegen Allzumenschliches hat Morrissey noch nie etwas gehabt."
Franziska Seyboldt beschreibt in der taz, dass ihr das neue Album erst mal nicht gefiel. "Liefe eins der Stücke im Radio, fiele es in der Kategorie Gitarrenrock nicht einmal besonders auf. Dafür sind die Melodien oft zu beliebig, um zu eingängig um herausragend zu sein.
Aber einen Morrissey hört man auch nicht nebenher. Seine Songs sind wie guter Rotwein, sie brauchen Zeit, um ihr Bukett zu entfalten. Im Fall von Steven Patrick Morrissey sind das die tiefsinnigen Texte und seine unverwechselbare Stimme. Und plötzlich ist sie da, die Gänsehaut." Und so begeistert sie sich schließlich doch noch für die beliebigen, eingängigen Melodien: "Years of Refusal hat alles, was ein gutes Album braucht, traurige Texte, hoffnungsvolle Melodien, hoffnungsvolle Texte, traurige Melodien." Für DIE ZEIT hat Arno Frank die Platte besprochen.
- Datum 16.02.2009 - 16:30 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Tölpelhaft, Überfrachtet mit musikalischen Klischees, Altes auf Neu, dass wären auch die Umschreibungen meinerseits gewesen. Wer in den Wirrungen der 80er sein musikalische Glück sucht, wird natürlich bei Morrissey hängen bleiben, nicht mein Ding!
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