FDP Gelbe Scheinblüte

Die FDP müht sich, trotz Umfragehochs bescheiden zu bleiben. Sie weiß: Sie profitiert vor allem von enttäuschten CDU-Wählern. Und die Werte purzeln schon wieder

"Wir bleiben auf dem Teppich", sagt Guido Westerwelle. Aber er strahlt dabei übers ganze Gesicht. Es ist der erste Auftritt des FDP-Chefs, nachdem sein schon beerdigt geglaubter Traum scheinbar in Erfüllung gegangen ist: 18 Prozent sprach die neueste Forsa-Umfrage seiner Partei in dieser Woche zu. So hoch war die Zustimmung für die FDP noch nie. Westerwelle hat genau diese Zahl vor neun Jahren als Zielmarke ausgegeben – und nie erreicht.

Auch Dirk Niebel gibt sich Mühe, möglichen Übermut bei den Anhängern zu dämpfen. In seinem Blog schreibt der FDP-Generalsekretär mahnend: "Nichts wäre jetzt falscher als jubelndes Abheben." Seine Partei werde verantwortungsvoll mit dem Vertrauensbonus umgehen, aber nicht so tun, als könne sie plötzlich "vor Kraft nicht mehr laufen".

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So bescheiden kennt man die Liberalen gar nicht, Demutsgesten passen eigentlich nicht zur ihr. Im Gegenteil: In der Vergangenheit gehörte es zum Gestus der Westerwelle-Partei, sich stärker zu machen, als sie in Wirklichkeit war.

In alt-bundesrepublikanischen Zeiten sowieso, da war die FDP natürliche Mehrheitsbeschafferin; Union und SPD konkurrierten um ihre Gunst und entlohnten sie stets großzügig. Später, als die Grünen aufkamen, verlor die FDP ihre natürliche Rolle als Dauer-Mitregierungspartei. Um den Machtverlust zu kompensieren, legte sie sich in der bislang längsten Oppositionszeit ihrer Geschichte ein rüpelhaftes, lautsprecherisches Gehabe zu. In dieser Phase erfanden Westerwelle und Jürgen Möllemann einst das "Projekt 18", das ihnen viel Häme und Spott einbrachte, weil sie 2002 nicht mal die Hälfte des ausgegebenen Ziels erreichten. Westerwelle hat sich von diesen Eskapaden lange nicht erholt.

Heute liegt die FDP nur noch fünf Prozentpunkte hinter der SPD. Aber keiner der liberalen Parteistrategen kommt darauf, den Anspruch zu reanimieren, "Volkspartei" werden zu wollen. Die FDP-Spitzen sind klug genug, um zu wissen, dass ihre momentane Stärke nicht auf die eigene Strahlkraft zurückzuführen ist, sondern auf die rückläufigen Popularitätswerte der Regierungsparteien. Westerwelle wie Niebel verweisen deshalb als erstes darauf, dass die Große Koalition "abgewirtschaftet" habe, wenn sie über die Stärke ihrer eigenen Partei sprechen.

Und damit haben sie vermutlich Recht. Forsa-Chef Manfred Güllner, der der FDP ihr historisches Hoch prognostiziert hat, sagt: "Die Stärke der FDP basiert primär auf der Schwäche der Unionsparteien." Viele bürgerliche Wähler seien vom ordnungspolitischen Schlingerkurs von Angela Merkel und ihrer Partei enttäuscht, die zwischen Staatsinterventionismus und dem neoliberalen Parteiprogramm hin und herschwanke. "Die FDP muss eigentlich gar nichts machen", sagt der Wahlforscher. Viele Wähler sähen in ihr einen Garanten dafür, dass die Union in einer möglichen künftigen Koalition eine klarere, wirtschaftsfreundlichere Politik mache werde.

Leser-Kommentare
  1. 1. ...

    Viele Traditionswähler nahmen ihr übel, dass Gerhard Schröder den Sozialstaat massiv umbaute...

    Schreibfehler: Es muss natürlich "abbaute" heissen.

  2. ...dann purzeln die Werte sicher wieder, je näher die Wahl kommt. Erst kürzlich war zu vernehmen, die FDP wolle die Kosten für die Gesetzliche Krankenversicherung von der Umlagefinazierung auf eine kapitalgedeckte Variante umbauen. Wäre spannend zu erfahren, was wäre, wenn das heute Realität wäre.

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    • SeppD
    • 13.02.2009 um 17:24 Uhr

    Die FDP möchte nicht die GKV von Umlagefinanzierung auf Kapitaldeckung umstellen, sondern die GKVen abschaffen und nur noch private Versicherungen haben. Das kann man gar nicht oft genug sagen. Ähnliche Abbaupläne existieren auch für die anderen Sozialversicherungen. So hält man in FDP-Kreisen die Arbeitslosenversicherung für entbehrlich, genau so wie den Kündigungsschutz.
    Aber Sie bemerken richtig. Mit der gestiegenen Popularität beschäftigen sich mehr Leute mit den Inhalten dieser Partei und wenden sich wieder ab.

    Schlechter als heute wäre die Finanzierung sicherlich nicht, aber man könnte bei der Verwaltung gigantische Beträge einsparen. Aber Sie haben recht, je näher die Wahl rückt desto heftiger wird dieses Thema von den "Volksparteien" gegen die FDP verwendet werden. Ist ja auch verständlich, CDUCSUSPDGRÜNE stellen ja auch einen nicht unbeträchtlichen Anteil an Krankenkassenvorständen und -abteilungsleitern. Wenn der Kooperativismus es einem so schön gemütlich macht, wäre eine Partei wie die FDP eine echte Gefahr für diese Besitzstandswahrer...

    • SeppD
    • 13.02.2009 um 17:24 Uhr

    Die FDP möchte nicht die GKV von Umlagefinanzierung auf Kapitaldeckung umstellen, sondern die GKVen abschaffen und nur noch private Versicherungen haben. Das kann man gar nicht oft genug sagen. Ähnliche Abbaupläne existieren auch für die anderen Sozialversicherungen. So hält man in FDP-Kreisen die Arbeitslosenversicherung für entbehrlich, genau so wie den Kündigungsschutz.
    Aber Sie bemerken richtig. Mit der gestiegenen Popularität beschäftigen sich mehr Leute mit den Inhalten dieser Partei und wenden sich wieder ab.

    Schlechter als heute wäre die Finanzierung sicherlich nicht, aber man könnte bei der Verwaltung gigantische Beträge einsparen. Aber Sie haben recht, je näher die Wahl rückt desto heftiger wird dieses Thema von den "Volksparteien" gegen die FDP verwendet werden. Ist ja auch verständlich, CDUCSUSPDGRÜNE stellen ja auch einen nicht unbeträchtlichen Anteil an Krankenkassenvorständen und -abteilungsleitern. Wenn der Kooperativismus es einem so schön gemütlich macht, wäre eine Partei wie die FDP eine echte Gefahr für diese Besitzstandswahrer...

  3. FDP waehlen heisst bei manchen Waehlern uebersetzt: den "Volksparteien" ein's drauf zu geben. Forsa sieht die FDP bei 18%
    und dies waere wirklich sensationell, bei den EUROPA-WAHLEN sehe ich eher eine Wahlenthaltsamkeit,auch ich werde ggf.nicht waehlen weil ich keine EU beurteilen kann wenn ich sie nicht verstehe, ausserdem habe ich
    Angst vor einen BEITRITT TUERKEI.

    Diese "Bananen-Kruemmungs-Kommision" kann machen was sie will es sei denn man hoert wirklich Nuetzliches , meistens sind es doch die Zahlungsforderungen der E.U. die uns aergen weil wir nie genau wissen was mit den immer wieder steigenden Betraegen eigentlich passiert.

    Aber vielleicht wird die Europawahl als Warnschuss gewertet und man
    verspricht transparenter zu werden, ich sage bewusst: verspricht.........

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    • SeppD
    • 13.02.2009 um 17:27 Uhr

    sollte man darauf achten, daß die gewählte Protestpartei nicht in die Regierung kommen kann. Sonst muß man (oder andere) die Regierungsarbeit der gewählten Protestpartei ausbaden, auch wenn's nicht genehm ist.

    Gruß
    Sepp

    • SeppD
    • 13.02.2009 um 17:27 Uhr

    sollte man darauf achten, daß die gewählte Protestpartei nicht in die Regierung kommen kann. Sonst muß man (oder andere) die Regierungsarbeit der gewählten Protestpartei ausbaden, auch wenn's nicht genehm ist.

    Gruß
    Sepp

    • SeppD
    • 13.02.2009 um 17:24 Uhr

    Die FDP möchte nicht die GKV von Umlagefinanzierung auf Kapitaldeckung umstellen, sondern die GKVen abschaffen und nur noch private Versicherungen haben. Das kann man gar nicht oft genug sagen. Ähnliche Abbaupläne existieren auch für die anderen Sozialversicherungen. So hält man in FDP-Kreisen die Arbeitslosenversicherung für entbehrlich, genau so wie den Kündigungsschutz.
    Aber Sie bemerken richtig. Mit der gestiegenen Popularität beschäftigen sich mehr Leute mit den Inhalten dieser Partei und wenden sich wieder ab.

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    So hält man in FDP-Kreisen die Arbeitslosenversicherung für entbehrlich, genau so wie den Kündigungsschutz.

    Man schlage auf mich ein, aber auch ich, der sich nicht zu den FDP-Kreisen zählt, halte den Kündigungsschutz für zumindest lockerbarer. Andere Länder, wie z.B. Dänemark, die Schweiz, haben auch keinen Kündigungsschutz und da funktioniert der Arbeitsmarkt. Hier haben wir praktisch keinen Arbeitsmarkt sondern nur ein Bollwerk, wo Arbeitsplatzbesitzer schwer rauskommen, aber Arbeitssuchende eben auch schwer reinkommen. Und wenn, dann nur als Zeitarbeiter.

    Aber das mag ein anderes Thema sein.

    So hält man in FDP-Kreisen die Arbeitslosenversicherung für entbehrlich, genau so wie den Kündigungsschutz.

    Man schlage auf mich ein, aber auch ich, der sich nicht zu den FDP-Kreisen zählt, halte den Kündigungsschutz für zumindest lockerbarer. Andere Länder, wie z.B. Dänemark, die Schweiz, haben auch keinen Kündigungsschutz und da funktioniert der Arbeitsmarkt. Hier haben wir praktisch keinen Arbeitsmarkt sondern nur ein Bollwerk, wo Arbeitsplatzbesitzer schwer rauskommen, aber Arbeitssuchende eben auch schwer reinkommen. Und wenn, dann nur als Zeitarbeiter.

    Aber das mag ein anderes Thema sein.

    • SeppD
    • 13.02.2009 um 17:27 Uhr

    sollte man darauf achten, daß die gewählte Protestpartei nicht in die Regierung kommen kann. Sonst muß man (oder andere) die Regierungsarbeit der gewählten Protestpartei ausbaden, auch wenn's nicht genehm ist.

    Gruß
    Sepp

    Antwort auf "wir brauchen die FDP"
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    wenn aber, lieber seppD , soll ich den waehlen ?
    CSU kann ich nicht da ich nicht in bayern bin.
    GRUENE, gott beschuetze mich vor CLAUDIA ROTH, ausserdem brauchen
    wir kernkraft um zu ueberleben
    LINKE kommt ueberhaupt nicht in frage, einziger lichtblick an Intelligenz
    ausser Gysi und Lafontaine = Sarah Wagenknecht.
    SPD vollkommen ueberalterte fuehrungscrew die auch noch immer
    mehr links agiert.
    NPD Na, sowas !
    CDU innenpolitisch lahm, rechthaberisch und ggf; sogar krisenversager

    WAS BLEIBT = WEGBLEIBEN (leider)

    wenn aber, lieber seppD , soll ich den waehlen ?
    CSU kann ich nicht da ich nicht in bayern bin.
    GRUENE, gott beschuetze mich vor CLAUDIA ROTH, ausserdem brauchen
    wir kernkraft um zu ueberleben
    LINKE kommt ueberhaupt nicht in frage, einziger lichtblick an Intelligenz
    ausser Gysi und Lafontaine = Sarah Wagenknecht.
    SPD vollkommen ueberalterte fuehrungscrew die auch noch immer
    mehr links agiert.
    NPD Na, sowas !
    CDU innenpolitisch lahm, rechthaberisch und ggf; sogar krisenversager

    WAS BLEIBT = WEGBLEIBEN (leider)

  4. seitdem die FDP dieses peinliche Spiel (was zu seinem Tode* führte) mitgemacht hat, seitdem ist die Partei für mich gestorben. Da bin ich dann ausgetreten.

    Seitdem ist dieser Laden eine Clownshow für mich die mit wahren liberalen Werten nichts mehr am Hut hat.

    * Bevor nun wieder dieser lächerliche Antisemitsmusvorwurf kommt: Möllemann war zuvor 22 Jahre Vorsitzender der deutsch-arabischen Gesellschaft und kannte den Nahen Osten wie kein Zweiter. Fast "witzig" erscheint es, dass die politisch Korrekte, die damals auf Möllemann eingeschlagen haben, heute auf Israel einschlagen (aus fast dem gleichen Grund, den Möllemann nannte).

    Der aktuelle Aufwind der FDP: nur Protestwähler.

  5. Unabhängig davon, wie viele "Scheinblüten" bei anderen Parteien zu erkennen sind,
    stelle ich hiermit Richtig:
    Nicht wie im Artikel von Michael Schlieben zu lesen hat Guido Westerwelle
    die 18% als Ziel deklariert.
    Nein,Herr Michael Schlieben,es war lange vorher ein gewisser
    Herr Jürgen Möllemann der dieses Ziel für die FDP vorgegeben hat.
    Erst recherchieren, dann schreiben.

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    ein vorschlag zur güte: lesen sie den artikel in gänze. möllemanns urheberschaft für die tolle zahl 18 wird hier doch gar nicht bestritten, sondern sogar explizit erwähnt.

    ein vorschlag zur güte: lesen sie den artikel in gänze. möllemanns urheberschaft für die tolle zahl 18 wird hier doch gar nicht bestritten, sondern sogar explizit erwähnt.

  6. Wer diesen getürkten Umfragen noch immer Glauben schenkt, hat´s nicht besser verdient. Das ist hochbezahlte Kaffeesatzleserei, Bauernfängerei, kurz gesagt Schwindel und soll lediglich davon ablenken, dass wir von einer Einheitspartei aus CDSUSPDFDPGRÜNE regiert werden. Und die LINKE und wenn man sie denn ließe die NPD würden nur zu gern mittun, ihre Politikfähigkeit unter Beweis stellen. Keine Wahl wird einen Wechsel in der Politik bewirken. Das belegt ein Blick in die Vergangenheit. Lediglich ein Zusammenbruch des Systems, wie vor 20 Jahren im "Ostblock" könnte eine Änderung herbeiführen. Aber zum Besseren?

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    zu einer gangbaren Alternative. Nicht wählen ist damit wohl nicht gemeint. Eine neue Partei - Bürgerbewegung - Plattform gründen?

    zu einer gangbaren Alternative. Nicht wählen ist damit wohl nicht gemeint. Eine neue Partei - Bürgerbewegung - Plattform gründen?

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