Kreisklasse Mädchenfussball "Alle haben rote Köpfe"

Merle, 14, ist Innenverteidigerin beim Kreisklasseverein SC Alstertal-Langenhorn. Drei Wochen hat sie sich auf die Rückrunde vorbereitet und für uns Protokoll geführt

Merle während des Trainings in der Halle (rechts) und auf dem Mannschaftsfoto der B-Jugend des SC Alstertal-Langenhorn

Merle während des Trainings in der Halle (rechts) und auf dem Mannschaftsfoto der B-Jugend des SC Alstertal-Langenhorn

Wir spielen in der Kreisklasse 032222, haben fünf Punkte Rückstand auf den Tabellenführer und stehen im Halbfinale des Pokals. Am Samstag, dem 14.2.09, beginnt die Rückrunde. Vergangene Saison sind wir Hamburger Vizemeister geworden. Vor meiner Mannschaft liegt eine Menge Arbeit. Vorbereitung ist wichtig.

Donnerstag, 22. Januar 2009    

Nur die Flutlichter über dem Trainingsplatz leuchten. Wir sind heute zehn Spielerinnen, eine schaut nur zu, weil sie krank ist. Dass sie kommt, zeigt, dass es einen guten Zusammenhalt im Team gibt. Wir sind momentan fast nie komplett. Jedes Mal sind einige krank, müssen lernen oder haben andere Termine. Ich trage zwei langärmelige T-Shirts, ein Trikot, einen dicken Pullover und eine Trainingsjacke. Dazu neben den normalen Schienbeinschonern und Stutzen zwei Paar Strümpfe, eine Strumpfhose und darüber eine lange Trainingshose. Und eine Mütze, einen Schal und Handschuhe. Nur Loriana ist so verrückt und trägt eine kurze Hose. “Ist doch gar nicht so kalt”, sagt sie.

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Um 18.05 Uhr trotten wir aus der Kabine. Kurzes Stöhnen. Vor etwa fünf Wochen hatte Raimon, unser Trainer, die revolutionäre Idee, nach dem Dehnen Steigerungsläufe einzuführen. Wir fangen locker an, werden schneller, noch mal schneller und die letzten Meter im Vollsprint. Das Ganze sechs Mal. “Schneller, schneller” ruft Raimon immer wieder. “Es kann doch nicht sein, dass ich eine Schachtel Zigaretten am Tag rauche und schneller bin als ihr”. Hat es vielleicht damit zu tun, dass er erwachsen und männlich ist? Unsere Co-Trainerin Tine steht dick eingepackt am Rand. Ab und zu lobt oder kritisiert sie. Sie ist eher die mütterliche der beiden Trainer.

Danach vier Stationen: Lea schießt von der Seite hoch in den Fünfmeterraum. Nadine fängt den Ball aus der Luft und wirft ihn weiter zu Sandra, die dann zu Jeanette passt. Jeanette muss versuchen, Sandra auszuspielen und ein Tor zu schießen. Danach gehen alle eine Position weiter. Zwei haben nicht verstanden, wie sie die Positionen wechseln sollen. Raimon ist genervt und erklärt noch mal. Er kritisiert immer wieder, dass wir zu wenig und zu langsam laufen und tut so, als sei es keineswegs anstrengend. Irgendwann reicht es. Wir müssen zur Strafe zehn Mal 20 Meter sprinten. Es beginnt zu regnen. Wir machen weiter. Die letzte halbe Stunde spielen wir gegen die A-Mädchen. Sie sind ein bis vier Jahre älter und ein ganzes Stück größer. Wir gewinnen 3:1.

Montag, 26. Januar 2009

Zu meiner Verwunderung hat auch Loriana eine lange Hose an. Sie sagt aber, dass ihr überhaupt nicht kalt sei, ihre kurze Hose sei nur in der Wäsche. Komisches Mädchen. Wir sind acht Spielerinnen. Das Training ist ganz gut. Beim Torschuss fliegen etliche Bälle über den 30 Meter hohen Zaun hinter dem Tor, was aber Raimon nicht schlimm findet. Es fallen einige schöne Tore, die er mit “hervorragend” oder “sehr schön” lobt. Während des Laufens unterhalte ich mich mit Nadine über ihren Lehrer.

Donnerstag, 29. Januar 2009

Ich liege mit Fieber im Bett und kann nicht zum Training. Ich ärgere mich besonders, da wir in der Halle Training haben. Das ist im Winter eine nette Abwechselung zum harten Grandplatz. Am Abend versuche ich Sandra anzurufen, will sie fragen, wie das Training war. Aber sie ist auch krank.

Freitag, 30. Januar 2009

Bin noch krank, habe aber das erste Spiel der Rückrunde HSV gegen Bayern geguckt. Das Spiel und besonders das Ergebnis haben meine Laune stark verbessert.

Montag, 2. Februar 2009

Mein Hals ist noch dick und meine Nase zu. Tine sagt, ich solle mich erst mal richtig auskurieren, damit ich am 14. Februar fit bin. Ich habe Philina gefragt, wie das Training war. Sie sagte, ich hätte nichts verpasst. Es waren sieben Spielerinnen beim Training und es war unangenehm kalt. Donnerstag möchte ich wieder trainieren.

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