Zu Guttenberg im Bundestag Auftritt des Novizen

Der neue CSU-Wirtschaftsminister überzeugt mit seiner Jungfernrede zum Konjunkturpaket die Unionsabgeordneten und die Kanzlerin. Die Opposition weniger

Karl-Theodor von und zu Guttenberg ist an diesem Tag nicht zu beneiden. Gerade mal drei Tage ist es her, dass der 37-jährige CSU-Politiker seine Ministerurkunde erhalten hat, schon muss er im Bundestag die erste Rede in neuer Funktion halten. Der Anlass könnte gewichtiger nicht sein: Das größte Konjunkturpaket der Nachkriegsgeschichte steht zur Debatte und Verabschiedung an. Hinzu kommt der gewaltige Erwartungsdruck aus den eigenen Reihen. Ein "ordnungspolitischer Leuchtturm" werde zu Guttenberg sein, hatte sein Parteichef Horst Seehofer am Dienstag versprochen. Und genau das ist die Hoffnung, die sich auch aus den Unionsreihen an ihn richtet.

Doch bevor er loslegen kann, muss der Neue erstmal zuhören. Das erste Wort hat der Mann, gegen den zu Guttenberg sich nach dem Willen seiner Partei am deutlichsten profilieren soll: Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). Der beginnt seine Rede mit einer bissigen Replik auf die Anwürfe, die der gewesene Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) kurz nach seinem Abtritt gegen ihn vorgebracht hatte. Die Kanzlerin habe den SPD-Minister mehr geschätzt als ihn, hatte Glos sich beschwert. Dabei müsse der sich doch jedes Wort aufschreiben lassen. "Guten Morgen“, sagt Steinbrück, blickt auf seinen Zettel und fährt fort: "Und dann muss ich noch sagen 'meine sehr geehrten Damen und Herren’, das haben mir meine Beamten so aufgeschrieben“.

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Ansonsten allerdings wickelt Steinbrück routiniert die Verteidigung des 50-Milliarden-Pakets ab, das er maßgeblich zu verantworten hat. Schnell spricht er, ein wenig schnoddrig wie immer. Zu einem hohen Ton will er sich von dem neuen Konkurrenten, der seiner Rede von der Ministerbank aus mit angestrengter Miene folgt, offenbar nicht verleiten lassen. Nur ganz am Ende zeigt Steinbrück dann doch, dass auch er diesen Tag für historisch hält. Auf keinen Geringeren als den britischen Kriegspremier Winston Churchill greift er zurück, der gesagt habe: "Es muss getan werden, was erforderlich ist“, und so sei es eben auch mit dem Konjunkturpaket.

Für den Neuen heißt es weiterwarten. Denn jetzt darf Oppositionsführer Guido Westerwelle reden. Der holt zunächst nach, was, wie er glaubt, sein Vorredner verpasst hat: "Ganz herzlich“ begrüßt er den neuen Ressortchef, drückt seine Zuversicht aus, dass zu Guttenberg ein guter Wirtschaftsminister werde. Das bringt ihm Beifall nicht nur von der FDP, sondern auch von der Union. Fast hat man den Eindruck, es herrschten schon schwarz-gelbe Zeiten.

Doch schließlich ist es zu Guttenberg selbst, der die Distanz zur FDP wieder herstellt. Ein wenig zu früh erhebt er sich, als Westerwelle geendet hat. So muss er noch einen Moment warten, bis er ans Rednerpult kann. Es bleibt der einzige Hinweis, dass auch er seinem Auftritt mit einiger Anspannung entgegengefiebert haben dürfte.

Als erstes geht er auf die Avancen des Koalitionspartners in spe ein, bedankt sich für die Glückwünsche und setzt sich gleich wieder ab. "Es tut mir leid, meine Damen und Herren von der Regierung, wenn Ihnen meine Rede nicht gefallen hat“, hatte Westerwelle geätzt, nachdem er das Konjunkturpaket als völlig unzureichend geschmäht hatte. "Sie hätte uns gefallen, wenn sie schlüssig gewesen wäre“, setzt zu Guttenberg nach.

Leser-Kommentare
  1. Nicht das System selbst hat versagt, vielmehr haben sich Einzelne "am Marktsystem versündigt“.

    Und weiter geht's wie gehabt... kann sich ja jeder selbst die Sündenböcke raussuchen, ob (entfernt. Bitte verzichten Sie auf Stereotypisierungen. Die Redaktion/jk) oder einfach "die gierigen Manager" (was strukturelle sowieso fast das selbe ist). Ändern wird sich nichts, einzelne Schuldige werden nie belangt werden, weil es sie nicht gibt - und das System "an sich" ist ja sowieso nicht schuld.

    Guttenberg ist genau der Minister, den diese Gesellschaft verdient. Viel Spaß beim wirtschaften!

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    • Rixa2
    • 13.02.2009 um 15:36 Uhr

    wenn User wie Sie von 'jüdischem Finanzkapital' sprechen.

    In der Finanzaristokratie gibt es Leute, die Juden sind, die Christen sind, die Moslems sind, die konfessionslos sind.

    Diese Finanzaristokratie kennt keine Religion und keine Nation.
    Ihr einziger Gott ist der Mammon.

    • Rixa2
    • 13.02.2009 um 15:36 Uhr

    wenn User wie Sie von 'jüdischem Finanzkapital' sprechen.

    In der Finanzaristokratie gibt es Leute, die Juden sind, die Christen sind, die Moslems sind, die konfessionslos sind.

    Diese Finanzaristokratie kennt keine Religion und keine Nation.
    Ihr einziger Gott ist der Mammon.

    • ohopp
    • 13.02.2009 um 15:29 Uhr

    nicht ein einziges Gesetz gegen die Ursachen dieses gesellschaftlichen Debakels diskutiert und auch verabschiedet wird, ist dies ein Schmierentheater der Regierungsparteien und der FDP. Dass dies der Mainstreamjournalismus unterfüttert und nicht endlich verbindliche und sanktionierbare Konsequenzen fordert, setzt dem die Krone auf. Es gibt genügend Fachleute, die dieses Desaster prognostizierten. Medial bekommen sie kein Podium. Einfach absurd dieser Filz!
    Man könnte sich umdrehen und abwinken aber leider betrifft diese Posse schon jetzt viele Menschen und es werden noch Millionen mehr spätestens dann wenn die Altersarmut auch Menschen betrifft, die sich jetzt noch als residente Mittelschicht verstehen.

    • Rixa2
    • 13.02.2009 um 15:36 Uhr

    wenn User wie Sie von 'jüdischem Finanzkapital' sprechen.

    In der Finanzaristokratie gibt es Leute, die Juden sind, die Christen sind, die Moslems sind, die konfessionslos sind.

    Diese Finanzaristokratie kennt keine Religion und keine Nation.
    Ihr einziger Gott ist der Mammon.

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    ... falls es dir nicht aufgefallen sein sollte, der "user" hat die Personifizierung der Krise kritisiert, die der Artikel betreibt. Genau jene Personifizierung, die bei der letzten Krise die Machtergreifung der Nazis begünstigte. Aber sobald man jüdisch und Finanzkapital in einem Satz sieht, gehen die Scheuklappen zu, nicht? Selbst die ZEIT-Zensur hat schon zugeschnappt, offenbar macht man sich auch dort nicht die Mühe einen Kommentar zu verstehen, allein die entsprechenden Schlüsselworte rechtfertigen ein Editieren des Artikels.

    Danke, erst ihr Kommentar hat es mir ermöglicht, den durch die Zensur sinnentstellten Kommentar Nr. 1 zu verstehen...

    Ich habe versucht, eben solche Stereotypisierungen zu kritisieren. Sorry, vllt. hab ich das nicht deutlich genug gemacht.

    ... falls es dir nicht aufgefallen sein sollte, der "user" hat die Personifizierung der Krise kritisiert, die der Artikel betreibt. Genau jene Personifizierung, die bei der letzten Krise die Machtergreifung der Nazis begünstigte. Aber sobald man jüdisch und Finanzkapital in einem Satz sieht, gehen die Scheuklappen zu, nicht? Selbst die ZEIT-Zensur hat schon zugeschnappt, offenbar macht man sich auch dort nicht die Mühe einen Kommentar zu verstehen, allein die entsprechenden Schlüsselworte rechtfertigen ein Editieren des Artikels.

    Danke, erst ihr Kommentar hat es mir ermöglicht, den durch die Zensur sinnentstellten Kommentar Nr. 1 zu verstehen...

    Ich habe versucht, eben solche Stereotypisierungen zu kritisieren. Sorry, vllt. hab ich das nicht deutlich genug gemacht.

  2. ... falls es dir nicht aufgefallen sein sollte, der "user" hat die Personifizierung der Krise kritisiert, die der Artikel betreibt. Genau jene Personifizierung, die bei der letzten Krise die Machtergreifung der Nazis begünstigte. Aber sobald man jüdisch und Finanzkapital in einem Satz sieht, gehen die Scheuklappen zu, nicht? Selbst die ZEIT-Zensur hat schon zugeschnappt, offenbar macht man sich auch dort nicht die Mühe einen Kommentar zu verstehen, allein die entsprechenden Schlüsselworte rechtfertigen ein Editieren des Artikels.

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    Sehr geehrter johaupt,
    der Kommentar kann sowohl diese Position vertretend, als auch davor warnend gelesen werden. Vielleicht hilft eine kurze Klarstellung von Seiten tuomasceqaz', wie die Aussage intendiert war.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

    Sehr geehrter johaupt,
    der Kommentar kann sowohl diese Position vertretend, als auch davor warnend gelesen werden. Vielleicht hilft eine kurze Klarstellung von Seiten tuomasceqaz', wie die Aussage intendiert war.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

    • loup
    • 13.02.2009 um 16:41 Uhr

    Diese kleine Diskussion um das "jüdische Kapital" zeigt beispielhaft, wo man landen kann (oder muss?), wenn man wie unser neuer wohl doch noch sehr unerfahrener Wirtschaftsminister Krisenprozesse personalisisert, die natürlich systemimmanent sind - was denn sonst? Nämlich bei der Unterscheidung von "geldgierigen" und "vernünftigen" Kapitalisten. Selbstverständlich denkt unser Freiherr nicht in Nazikategorien, doch für historisch Denkende drängt sich die NS-Dichotomie von "raffendem" und "schaffendem Kapital" förmlich auf, die von den damaligen Herrschenden wohlwollend betrachtet wurde. Legitimierend sind diese Personaliserungsversuche allemal.

    Ansonsten wirkte der Versuch, als auf die Höhe der Zeit agierender Enkel Erhards aufzutreten, eher peinlich. Viel zu kleine Füßchen. Die Schuhe Erhards werden ihm immer zu groß sein, denn sie sind mythisch erweitert. Nun gut, jetzt also "Wohlstand für alle" durch Steuersenkungen (vor allem für die, die so verarmt sind, dass sie keine Steuern zahlen dürfen).

  3. ...aber so wie das im Artikel steht überzeugt der Neue anscheindend nur seines gleichen.... Ja nicht wirklich eine Meisterleistung da ja so kein einziger irgendwelche neuen Gedanken verarbeiten muss... Keinen wirklich neuen Ideen, keine wirklich neuen Visionen, keine wirklich neue Politik... Ja eigentlich könnte man sogar sagen das, wenn alle so zufrieden sind dann ist ja auch nicht wirklich etwas schief gelaufen...

    Es können sich nun alle zufriedenen und Ueberzeugten gegenseitig den Rücken kraulen. Die Kritiker haben den Saal vermutlich schon lange verlassen... noch vor den Journalisten die eigentlich kritischen Fragen stellen sollten...

    ...aber wenn alle so mit sich zufrieden sind... Woher sollen dann die kritischen Fragen kommen?

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  4. Danke, erst ihr Kommentar hat es mir ermöglicht, den durch die Zensur sinnentstellten Kommentar Nr. 1 zu verstehen...

  5. 3 Tage nach der Aushändigung der Ministerurkunde hält von und zu Guttenberg seine erste Rede im Bundestag.
    Wer glaubt denn im Ernst, dass das seine Rede war. Es war die Rede eines Redenschreibers und sie war wahrscheinlich schon für Glos fertig erstellt, nur Guttenberg durfte sie verlesen.

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