Tabellenführer Berlin Unabhängig von Personen
Dank Disziplin, Reife und Ordnung steht die Hertha auf Platz 1 der Bundesliga. Legt sie ihre Schwäche gegen Außenseiter ab, kann sie Meister werden. Ein Kommentar
Bisher hieß es immer: Ja, ja Hertha – die spielen ja ganz gut mit, die Berliner, aber immer wenn es drauf ankommt, dann packen sie es nicht.
Hertha begleiten Zweifel. Zweifel, die sich aus vielen Jahren verspielter oder verschenkter Möglichkeiten speisen. Jetzt steht Hertha BSC wieder einmal ganz oben. Das tat der Verein seit Gründung der Bundesliga zwar schon zehn Mal (zuletzt am 1. Oktober 2006), aber meist reichte es am Ende nur zu einem Uefa-Cup-Platz, oft nicht mal dafür.
Als Joachim Löw neulich nach seinen Kandidaten auf die Meisterschaft befragt wurde, hat er Hertha nicht genannt. Das tat der Bundestrainer bestimmt nicht aus Vergesslichkeit oder bösem Willen. Vermutlich ging es Löw wie den meisten Menschen, die der Mannschaft den ganz großen Wurf nicht zutrauen. Doch noch nie stand Hertha zu einem solch fortgeschrittenen Saisonzeitpunkt an der Tabellenspitze, nach immerhin 20 von 34 Spieltagen. Verheißt das mehr?
Schon der Sieg über Hoffenheim im November war ein viel beachteter. Aber einer, der längst nicht alle Zweifel zerstreute. Der Sieg gegen die Bayern ist mehr wert. Hertha hat einer Drucksituation erfolgreich standgehalten. Die Mannschaft ist gut organisiert, taktisch gereift, und das Spielsystem, das ihr Trainer Lucien Favre eingeimpft hat, funktioniert weitgehend unabhängig von Personen. Darf man Hertha jetzt alles zutrauen?
Die Duelle mit den diesjährigen Spitzenmannschaften wie Leverkusen, Hoffenheim und Hamburg hat Hertha gewonnen. Nun ist auch das 1:4 von München aus dem Hinspiel getilgt. Hertha kann sich dem Niveau des jeweiligen Gegners anpassen. Man könnte auch sagen, Hertha kann so gut sein, wie es gerade nötig ist. Und im Zweifel ein Stückchen besser. Nur ist die Bilanz gegen die Gegner der Mittelklasse und die darunter weniger gut. Spielt der Gegner schwach, bleibt es Hertha auch. Mit ein bisschen Glück ließen sich grausige Spiele gewinnen, aber es ging auch schon schief: Hertha hat gegen Cottbus, Bremen und Schalke verloren und gegen Bielefeld zweimal unentschieden gespielt.
Herthas Wahrsager im Kampf um die Meisterschaft sind die sogenannten Kleinen. Das sollte nicht die schlechteste Ausgangslage sein. Hertha hat es in der Hand, vielleicht wie noch nie in den vergangenen 30 Jahren.
- Datum 10.03.2009 - 17:57 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Als alter Hertha-Fan ist man jetzt sehr nervös, weil es ja so gut aussieht wie lange nicht mehr. Legt die Nervosität ab, ihr schafft es! Macht einfach genau so weiter die nächsten 14 Spiele.
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