Zulassungschaos Guter Wille oder Gesetz
Die Bundesbildungministerin drängt die ZVS zu einem transparenten Verfahren für die Studienzulassung. Die SPD wirft ihr vor, das Verfahren nicht im Griff zu haben
Anette Schavan will den anhaltenden Streit um die Studienzulassung in Numerus- clausus-Fächern jetzt zur "Chefsache" machen. Sie erwarte bereits in diesem Herbst "ein transparentes Verfahren - und nicht erst in drei oder vier Jahren", sagte Schavan bei einer Tagung des unionsnahen Ringes Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) in Berlin.
Die Hochschulen wählen inzwischen in jedem zweiten der rund 11.000 Studiengänge ihre Studienanfänger nach eigenen Kriterien aus. Die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) bearbeitet heute fast nur noch Bewerbungen für medizinische Studienplätze. Die fehlende Koordinierung bei Mehrfachbewerbungen führt aber häufig zu Doppeleinschreibungen an verschiedenen Hochschulorten und damit zur Blockade von Studienplätzen ausgerechnet in Mangelfächern. Ein bundesweites Nachrückverfahren gibt es nicht. Im vergangenen Jahr hatte die ZVS einen Datenabgleich angeboten, diesen nutzten aber nur zwölf Hochschulen.
Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jörg Tauss, forderte, das gegenwärtige "Zulassungschaos" schnell durch ein Bundesgesetz zu beenden. "Das Bildungsministerium hat das Verfahren nicht im Griff", sagte Tauss in einer Erklärung.
Schavan will Anfang März ein weiteres Gespräch mit einer größeren Gruppe von Rektoren führen. Zum Wintersemester 2009/2010 solle ein Übergangsverfahren greifen. Spezialisten des Fraunhofer-Instituts würden zugleich eine endgültige Lösung vorbereiten, in der laut Länder-Staatsvertrag die ZVS als Service-Stelle einbezogen werde.
Eine Rückkehr zur "planwirtschaftlichen Vergabe" werde es nicht geben. Die Hochschulen hätten das Recht, sich ihre Studenten auszusuchen. Sie seien aber auch "in der Pflicht, dies ordentlich zu tun".
Erneut übte Schavan scharfe Kritik an der ZVS. Es sei "abenteuerlich", wie sich die ZVS in dem Streit präsentiere "und so tut, als seien die Hochschulen zu blöd, das hinzubekommen". Wenn die ZVS nicht lerne, dass ihre künftige Aufgabe "Service und nicht Vergabe" sei, "dann hat sie Pech gehabt".
- Datum 16.02.2009 - 13:27 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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