HRE-Krise Regierung arbeitet an Enteignungsgesetz
Die Hypo Real Estate schrumpft, um sich zu stabilisieren. Derweil berät die Regierung über den besten Weg, das Geldhaus zu retten. Die Zeit drängt
Der schwer angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) trennt sich von einer weiteren Tochter. Die auf US-Kommunalanleihen spezialisierte DEPFA First Albany Securities LLC werde an die New Yorker Investmentbank Jefferies & Company verkauft, teilte das Unternehmen am Freitag in München mit. Mit dem Abschluss des Verkaufs sei bis April zu rechnen. Zum Kaufpreis machte die HRE keine Angaben.
Die Hypo Real Estate will künftig vor allem als Immobilien- und Staatsfinanzierer mit Schwerpunkt auf Deutschland und Europa arbeiten. Erst im Januar hatte der in Schieflage geratene Konzern seinen Finanzdienstleister Collineo an das Bankhaus Sal. Oppenheim abgegeben.
Die Regierung verhandelt seit Wochen darüber, wie die Hypo Real Estate (HRE) zu retten sei. Zu einem Ergebnis ist sie bislang noch nicht gekommen. Statt dessen steckt der Staat stetig mehr Geld in den Hypothekenfinanzierer, um den endgültigen Bankrott abzuwenden. 102 Milliarden Euro hat die HRE bereits erhalten. Ihre Zukunft ist damit keineswegs gesichert.
An diesem Freitag berieten die Finanz- und Haushaltsexperten der Koalition über einen Gesetzentwurf, der entscheidend sein kann für das Schicksal des Geldhauses. Auch Vertreter des Finanz- und Wirtschaftsministeriums sind beteiligt. Das juristische Werk trägt den sperrigen Titel "Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz". Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa besteht mittlerweile innerhalb der Großen Koalition Einigkeit darüber, dass dieses auch vorsehen kann, dass die Eigentümer von Banken enteignet werden. Das würde auch eine Zwangsübernahme der angeschlagenen HRE ermöglichen.
Allerdings stößt dies bei den Wirtschaftspolitikern in der Union auf grundsätzliche Vorbehalte. Sie soll als letztes Mittel möglich sein, um die HRE zu retten. Die Union will jedoch durchsetzen, dass zuvor alle anderen, milderen rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden sollen. Juristen zufolge wäre eine Enteignung, die einen schweren Eingriff in das Grundrecht der Aktionäre darstellt, ohnehin nur zulässig, wenn kein milderes Mittel greift.
"Milder" könnte bedeuten, dass der Bund auf einer außerordentlichen Hauptversammlung eine einseitige Kapitalerhöhung versucht, die ihn zum Mehrheitsaktionär machen würde. Normalerweise bräuchte er auch dazu allerdings die Zustimmung der Mehrheit der HRE-Eigentümer. Offenbar wird auch eine geordnete Teilinsolvenz mit Übernahme von HRE-Bankentöchtern wie der Depfa durch den Bund erwogen. Am Mittwoch wird das Kabinett nach Angaben eines Regierungssprechers über ein Rettungsübernahmegesetz beschließen, das nicht nur die HRE betreffen würde, sondern möglicherweise auch andere Banken.
Als sicher gilt, dass die HRE verstaatlicht wird. So will die Regierung die Steuergelder sichern, die bereits in der Bank stecken, und das Institut umbauen. Das Finanzministerium plädiert für eine Übernahme von 95 Prozent, um die restlichen Aktionäre herausdrängen zu können. Unterhalb der Schwelle könnte der Umbau durch Klagen bedroht werden, heißt es. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte im Bundestag zur Lage der HRE, er werde nicht zulassen, dass weiter öffentliches Geld "in ein großes schwarzes Loch riesigen Ausmaßes" fließe, ohne dass der Staat Einfluss auf die Restrukturierung der Institute nehmen könne.
Weil eine Enteignung zunächst nur als letztes Mittel in Erwägung gezogen wird, versucht die Koalition nun, sich gütlich mit dem größten HRE-Aktionär zu einigen. Knapp 24 Prozent der HRE-Anteile befinden sich im Besitz des US-Investors J.C. Flowers. Ob er jedoch verkauft, ist fraglich. Als er bei der HRE einstieg, kostete eine Aktie der Bank mehr als 22,50 Euro. Gegenwärtig liegt ihr Kurs etwas über einem Euro. Würde Flowers zu diesem Preis verkaufen, bedeutete das für ihn einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro.
Am Freitag war zunächst gemeldet worden, dass Flowers zehn Euro je Aktie verlange. Der Investor dementierte das später. "Es gab überhaupt keine Diskussion über einen Preis, falls wir unsere Aktien verkaufen sollten. Gegenteilige Aussagen sind nicht korrekt", sagte ein Sprecher.
Am Donnerstag hatten Vertreter des Kanzleramts, Finanz- und Wirtschaftsministeriums sowie des Bankenrettungsfonds Soffin - aus dem mehr als die Hälfte der HRE-Hilfen stammen - in Frankfurt mit Flowers verhandelt. Es handle sich um eine erste Kontaktaufnahme zwischen den Parteien, hieß es. Konkrete Ergebnisse brachte die Runde offenbar nicht.
Eine Entscheidung muss aber schnell fallen, weil die HRE Ende März ihre Bilanz für 2008 vorlegt. Analysten zufolge dürfte der Verlust so groß ausfallen, dass ohne frisches Eigenkapital die sofortige Pleite nicht mehr abzuwenden wäre. Deshalb will die Koalition am nächsten Mittwoch die Gesetzesänderungen auf den Weg bringen. Im März soll das Regelwerk dann im Bundestag beraten und beschlossen werden - rechtzeitig vor der Präsentation der Bilanz.
Ein ausgefeiltes Modell für "Bad Banks" werde das Gesetz nicht enthalten, sagte ein an den Beratungen Beteiligter. Unter anderem fehle bisher die Rahmensetzung der EU. Außerdem seien viele Probleme ungeklärt, vor allem die Bewertung von Wertpapieren, die wegen der Finanzkrise zurzeit nicht handelbar sind.
Diese problematischen Anlagen zwingen die Banken anhaltend zu Milliardenabschreibungen in ihren Bilanzen und zehren ihr Eigenkapital auf. Die Koalition arbeitet an einer Lösung, bei der die Institute die Papiere in Tochtergesellschaften auslagern können. Bei der Kapitalausstattung soll der Staat helfen. In der Koalition hieß es, mit dem Gesetz sollten erste Voraussetzungen für "Bad Banks" geschaffen werden. Eine zentrale Sammelstelle des Staates für Schrottpapiere lehnt die Regierung weiter ab.
Außerdem sollen die Laufzeiten für ein Drittel der vom Rettungsfonds Soffin gegebenen Garantien von derzeit 36 auf 60 Monate verlängert werden. Auch diese Änderung ist umstritten, denn damit entsteht den über fünf Jahre laufenden Pfandbriefen Konkurrenz. Diese besonders besicherte Anlageklasse ist jedoch wichtig für die Refinanzierung vieler Banken. Der Soffin kann mit insgesamt 480 Milliarden Euro Anleihe-Garantien abgeben, sich an Banken beteiligen oder ihnen Problempapiere abnehmen.
- Datum 04.05.2009 - 11:02 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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Ein Blick zurück:
Als Steinbrück am frühen Morgen des 29. September die erste Bürgschaft für die HRE abgezeichnet hatte, war das Institut wenige Stunden zuvor fünf Jahre alt geworden. Damit war die Verjährungsfrist für eine Haftung ihrer Alteigentümer - der inzwischen zum italienischen UniCredit-Konzern gehörenden HypoVereinsbank - nach dem Umwandlungsgesetz gerade abgelaufen.
Mittlerweile summieren sich die Hilfen auf 102 Milliarden Euro und Flowers, obwohl durch den Kurssturz und die Hilfen quasi selbst enteignet, wird wahrscheinlich auch noch mit Milliarden "entschädigt", um dessen eigentlich wertlosen 25% Anteil zu erlangen. Sind ja nur Staatsgelder, unsere (noch zu zahlenden) Steuern, die dort großzügig verteilt werden.
Die schamlose Umverteilung nach "Oben" geht ungeniert weiter.
Keine der Ursachen, die zum derzeitigen Finanzendebakel geführt haben, ist beseitigt.
"Wir können uns diesen Sozialstaat nicht mehr leisten", war ein geflügeltes Wort in den Talkshows der Christiansen, Will, Illner etc.
"Wir können uns diese Bereicherung weniger auf Kosten aller nicht mehr leisten", werden wir wohl erst zu hören bekommen, wenn es dafür zu spät ist.
Zum Bereichern ist es nie zu spät!
Der Kommmentar trifft die Fragestellung zwar nicht direkt, mag darüber auch etwas "gallig" und zu wenig ironisch sein, aber darf man das ernsthaft bemängeln? Doch wohl kaum, wenn man bedenkt, was man umgekehrt durch Versagen der politisch "Handelnden", die gerade womöglich froh sind endlich mal wieder was sagen zu dürfen, erfährt. Schade nur, dass bei den "Will´s" dieser Welt immer nur die üblich Verdächtigen ihr mainstream - "Wissen" zum Besten geben dürfen. Aber das ist wohl das "panem et circenses" unserer heutigen Gesllschaft.
"Juristen zufolge wäre eine Enteignung, die einen schweren Eingriff in das Grundrecht der Aktionäre darstellt, ohnehin nur zulässig, wenn kein milderes Mittel greift."
Es ist wohl kaum übertrieben, wenn man die Geiselnahme der Bevölkerung durch Aktionäre als Abschaffung der Grundrechte der Bevölkerung bezeichnet.
Ganz nebenbei, den Trick mit erst gaaanz kürzlich abgelaufenen Verjährungsfristen sehen wir doch auch nicht zum ersten Mal.
Zum Bereichern ist es nie zu spät!
Der Kommmentar trifft die Fragestellung zwar nicht direkt, mag darüber auch etwas "gallig" und zu wenig ironisch sein, aber darf man das ernsthaft bemängeln? Doch wohl kaum, wenn man bedenkt, was man umgekehrt durch Versagen der politisch "Handelnden", die gerade womöglich froh sind endlich mal wieder was sagen zu dürfen, erfährt. Schade nur, dass bei den "Will´s" dieser Welt immer nur die üblich Verdächtigen ihr mainstream - "Wissen" zum Besten geben dürfen. Aber das ist wohl das "panem et circenses" unserer heutigen Gesllschaft.
"Juristen zufolge wäre eine Enteignung, die einen schweren Eingriff in das Grundrecht der Aktionäre darstellt, ohnehin nur zulässig, wenn kein milderes Mittel greift."
Es ist wohl kaum übertrieben, wenn man die Geiselnahme der Bevölkerung durch Aktionäre als Abschaffung der Grundrechte der Bevölkerung bezeichnet.
Ganz nebenbei, den Trick mit erst gaaanz kürzlich abgelaufenen Verjährungsfristen sehen wir doch auch nicht zum ersten Mal.
Zum Bereichern ist es nie zu spät!
der eine Klage, samt internationalen Haftbefehl, gegen den EX-Chef der DEPFA zusammenkriegt? Der gehört verstaatlicht, bis auf den letzten Cent. Und dazu noch ein längerer Aufenthalt in einem soliden Käfig.
_________________________________________________
In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
______
dass sich die Koalitionspartner grundsätzlich einig darüber sind , dass die HRE verstaatlicht werden muss, weil die Aktionäre dann entschädigt werden müssen?
Ich meine:
Wenn die Aktionäre genügend Eigenkapital nachschiessen, dann ist ja alles in Ordnung.
Wenn aber nicht, die Bank also die Vorschriften verletzt, dann muss ihr die Lizenz entzogen werden. Was ist der Laden dann noch wert? Was bringt ein grösserer Posten Briefpapier, als Schmierpapier verwendbar, bei ebay?
Sicher kann man in der Krise nicht die Herstatt-Lösung wählen, sondern die Bürger der BRD müssen das Geschäft "ordnungsgemäss" abwickeln. Aber das eingesetzte Kapital ist natürlich futsch.
Und die Aufsichtsratstantiemen natürlich auch - sogar rückwirkend.
Hätte Herr Tietmayer besser aufgepasst, wärs nicht so weit gekommen.
Mit meinem letzten Satz spiele ich an auf Paragraf 130 Insolvenzordnung
Natürlich gilt der nur für Arbeitnehmer, nicht für Aufsichtsratsmitglieder ...
Wie das so ist im Neo-Feudalismus.
http://www.mdr.de/fakt/51...
Warum komplizieren wir das Thema eigentlich so unerträglich? "Ein Blick ins Gesetzbuch erleichtert die Rechtsfindung", das lernt jeder Jurastudent schon im Erstesmester, warum halten wir uns nicht daran? Und was lernen wir zu diesem Thema aus dem Grundgesetz? 1. Das Eigentum ist geschützt 2. Enteignungen sind unter engen Gesichtspunkten möglich 3. Eigentum verpflichtet.
Brauchen wir etwa noch mehr? So stellt sich zunächst doch nur die vergleichsweise einfach zu beantwortende Frage, ob die die Aktionäre der HRE mit ihren Aktien überhaupt über Eigentum verfügen? Eher doch wohl nicht, denn ohne unsere Steuergelder wäre die Bank insolvent, bei einer Abwicklung bliebe nichts was den Aktionär bereicherte, es bliebe kein positiver "Saldo"! Und selbst wenn man das anders sähe, wäre die Enteignung als Ausnahme doch möglich. Denn hier verstößt die Weigerung zum "Verkauf" sicherlich gegen die Eigentumsverpflichtung, weil mit ihr nicht berechtigte Eigentumsansprüche durchgesetzt werden sollen, z. B. die Generierung des derzeitigen Aktienkurses, sondern das Allgemeinwesen erpresst wird, mehr erzielt werden soll, als der Markt im freien Handel hergibt!
Im Übrigen rühmen wir uns doch auch einer wehrhaften Demokratie. Oder gilt das nur wenn es gegen uns Normalbürger geht?
Der Kommmentar trifft die Fragestellung zwar nicht direkt, mag darüber auch etwas "gallig" und zu wenig ironisch sein, aber darf man das ernsthaft bemängeln? Doch wohl kaum, wenn man bedenkt, was man umgekehrt durch Versagen der politisch "Handelnden", die gerade womöglich froh sind endlich mal wieder was sagen zu dürfen, erfährt. Schade nur, dass bei den "Will´s" dieser Welt immer nur die üblich Verdächtigen ihr mainstream - "Wissen" zum Besten geben dürfen. Aber das ist wohl das "panem et circenses" unserer heutigen Gesllschaft.
Liege ich falsch, wenn ich denke dass man als Aktionär ein gewissen Risiko tragen muss? Wenn ich also Aktien besitze und diese durch eine Krise in den Keller rutschen...habe ich dann nicht einfach Pech gehabt? Genauso wie man an der Börse viel gewinnen kann, kann man doch auch viel verlieren.
Also ist es doch völlig legitim in einer solchen Krise das Institut zu vergesellschaftlichen (was für ein fieses Wort!) zum aktuellen Marktwert als Entschädigung. Das ist doch kein Sozialismus sondern Marktwirtschaft.
Unternehmen wechseln doch ständig den Besitzer...muss der Staat als neuer Besitzer jetzt mehr zahlen? Soll der Staat jetzt das Unternehmen mit Steuermilliarden aufpeppeln, damit es sich eine Heuschrecke unter den Nagel reisst sobald es wieder aufwärts geht? Wie soll ein "normaler" Mensch das ganze noch verstehen?
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