Ursula von der Leyen will die Verbreitung von Kinderpornografie eindämmen. Eine gute Idee, je stärker, desto besser. Die Familienministerin möchte dazu Internetprovider bitten, Websites zu blockieren, die entsprechende Bilder enthalten. Nicht die erste Methode, die einem in den Sinn kommt, um Kinder vor Vergewaltigung zu schützen, aber gut. Ohne Kunden gäbe es schließlich keinen Markt.

Doch obwohl das Anliegen der Ministerin über jeden Zweifel erhaben ist, trägt ihr das "Wie" reichlich Kritik ein. Und die ist berechtigt.

Denn die Diskussion dreht sich nicht um mehr Polizisten, nicht um weitere Schwerpunkt-Staatsanwälte, nicht um neue Programme, um den Opfern zu helfen, nicht um zusätzliche Präventionsprojekte, um an die Täter zu kommen. Es geht vielmehr darum, Teile des Internets zu sperren, ohne die kriminellen Inhalte zu entfernen oder Anbieter und Nutzer zu verfolgen. Mit Verfahren, die Fachleute für bestenfalls nutzlos halten.

Zitat Hannes Federrath , IT-Sicherheitsforscher an der Universität Regensburg und vom Unterausschuss Neue Medien des Bundestags als Experte zu dem Thema geladen: Solche sogenannten DNS-Sperren seien "völlig wirkungslos" und erschwerten den Zugang zu Kinderpornografie in keiner Form. Viel zu leicht ließen sie sich auch von Laien umgehen. "Diese Technik schadet nichts, sie nützt aber auch nichts."

Das klingt nicht unbedingt nach der richtigen Methode, doch ist es diejenige, die Bundeskriminalamt und Familienministerium einsetzen wollen.

Es gibt verschiedene Wege, eine Website zu blockieren. Im simpelsten Fall wird im übertragenen Sinn das Telefonbuch versteckt, damit die kriminellen Nummern (Seiten) für Interessierte nicht mehr erreichbar sind. Dabei blockieren Provider das Domain Name System (DNS) der beanstandeten Seite, also die Umcodierung ihres Namens wie www.example.com in ihre IP-Adresse 100.100.0.0. Doch hat das keine Wirkung auf jene, die die IP-Adresse schon kennen und auf jene, die an ihrem Browser einstellen, er möge einen nicht-blockierten DNS-Server nutzen. Solche Server gibt es auf der Welt sehr viele.

Zwar behauptet von der Leyen, das Verfahren sei effektiv und sinnvoll: Doch es widersprechen ihr so ziemlich alle , die etwas davon verstehen.

Trotzdem kommt diese Art der Sperrung in Skandinavien zum Einsatz, wie von der Leyen gern anführt. "Jeden Tag werden so in Norwegen 18.000 und in Schweden 50.000 Zugriffe auf kinderpornografische Websites verhindert", sagte sie beispielsweise am Donnerstag in Berlin.

Jedoch gestand BKA-Direktor Jürgen Maurer kurz danach in der Anhörung im Bundestag ein, dass niemand die Wirksamkeit der Blockaden in Skandinavien wirklich beurteilen könne. Sie sind bislang nicht evaluiert worden. Die Zahlen über gesperrte Zugriffe allein sagen nichts aus. Denn niemand erfasst, ob diejenigen, die auf diese Weise aufgehalten wurden, anschließend auf anderen Wegen zu den inkriminierten Seiten gelangten.