Venezuela "Ich bin für Chávez, trotz allem"
Am Sonntag lässt Venezuelas Staatschef erneut darüber abstimmen, ob er endlos regieren darf. Autor Raul Zelik über Verdienste und Fehler des umstrittenen Politikers

© Thomas Coex/AFP/Getty Images
Venezuelas Präsident Hugo Chávez feiert mit seiner Familie den Sieg der Volksabstimmung
ZEIT ONLINE: Herr Zelik, am Sonntag lässt Venezuelas Staatschef Hugo Chávez die Bürger in einem Referendum darüber abstimmen, ob der Präsident künftig unbegrenzt wiedergewählt werden darf. Die Frage spaltet das ganze Land. Wie würden Sie stimmen: Mit sí oder no?
Raul Zelik: Ich würde wohl dafür stimmen. Chávez ist Ausdruck eines grundlegenden Veränderungsprozesses, der viele Leute in Venezuela bewegt und Signalwirkung auf ganz Lateinamerika hat. Dabei geht es nicht in erster Linie um die Person Chávez. Er ist 1999 Präsident geworden, weil es vor ihm eine tiefgreifende Repräsentationskrise in Venezuela gab. Das Volk wollte von den korrupten Eliten nichts mehr wissen. Allerdings ist Chávez für diesen Reformprozess immens wichtig. Ohne ihn würde das Regierungslager vermutlich auseinander fallen. Und da es ja nicht darum geht, ob Chávez Präsident auf Lebenszeit wird, sondern nur, ob er noch einmal antreten darf, würde ich mit Ja stimmen.
ZEIT ONLINE: 2007 gab es schon einmal ein ähnliches Referendum, das Chávez knapp verlor. Halten Sie es für richtig, ein Volk so lange wählen zu lassen, bis der Regierung das Ergebnis passt?
Zelik: Tatsächlich war das Referendum damals weitreichender. Es sah vor, Venezuela in ein sozialistisches Land zu verwandeln. Jetzt geht es nur noch um die Wiederwahl von Funktionsträgern. Natürlich kann man kritisieren, dass die Abstimmung nun teilweise wiederholt wird, aber das Procedere ist in Europa ja auch beliebt. Denken Sie nur an den EU-Prozess.
ZEIT ONLINE: Glauben Sie, dass Chávez diesmal gewinnt?
Zelik: Bei den vergangenen Wahlen sind immer 35 bis 50 Prozent gar nicht wählen gegangen, das ist so eine Art "dritter Block". Von diesen Leuten hängt es auch diesmal ab. Man sollte gerade die Leute in dem Armenvierteln nicht unterschätzen. Viele von ihnen verteidigen Chávez gegen die Opposition, sehen aber auch die Probleme. Sie wissen, welche Verbesserung die Regierung für die Leute in den Slums und für Nicht-Weiße erreicht hat: etwa teure Gesundheitsprogramme oder den Zugang zu den Universitäten.
ZEIT ONLINE: Das waren jetzt nur die positiven Seiten ...
Zelik: Das Problem ist, dass Venezuela zwar eine neue Sozial-, aber keine neue Wirtschaftspolitik verfolgt. Das Land ist nach wie vor völlig vom Erdöl abhängig. Und mit dem gefallenen Ölpreis ist der Spielraum für Sozialausgaben kleiner geworden.
- Datum 17.04.2009 - 12:46 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Unglaublich einen nicht einseitig kritisierenden Artikel über Chavez in der Zeit zu lesen...was ist los liebe Zeit-Redaktion? Obwohl der Fragesteller sich ja ein bisschen mehr Kritik gewünscht hat, nicht wahr?
endlich mal ein differenzierter Artikel über Chavez, der auch einen gewissen Informationsgehalt hat!
Man sieht, wie kompliziert die Situation in dem Land ist, aber man sieht auch, dass es denkende Menschen gibt, die nicht nur Schwarz-Weiß-Muster kennen. Und die Welt ist ja nun mal nicht Schwarz-Weiß!!!
Habe mir die Augen gerieben als ich dieses Interyiew gelesen habe. Hätte es nicht mehr für möglich gehalten, dass solch ein differenziertes Interview in den deutschen Mainstreammedien gedruckt wird.
Ich beobachte die Entwicklung in Südamerika mit Spannung und viel Sympathie. Natürlich macht Chavez Fehler, dass ist bei Menschen nun mal so, aber, und das ist entscheident, die Grundrichtung stimmt.
Es bewegt sich was auf dem ausgeplünderten Kontinent Südamerika.
mfg
Wenn Gott von meinen Plänen wüßte, er käme vor lachen nicht mehr in den Schlaf.
Der beherrscht doch sonst die Agenda mit seinen antihumanistisch-plutokratenfreundlichen Artikeln.
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In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
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geht es den Menschen in Venezuelas besser??? Das ist die Frage nach all den Jahren mit Chavez. Ich sehe nicht das er die Sache besser macht als sein Kollegen/in.
badboy
Das könnte daran liegen, dass Sie sich gar nicht dazu informiert haben? :)
Einfach mal Venezuela bei Wikipedia eingeben wäre schonmal ein Anfang. Und dann halt bei den Quellen mal kritisch schauen wo die Zahlen herkommen...
Es ist aber schon so, dass jetzt Arme z.B. bessere Gesundheitsversorgung genießen und die Ungleichheit beim Vermögen zurückgegangen ist. Das ist für die meisten Menschen in Venezuela eine deutliche Verbesserung ihrer Situation.
Das könnte daran liegen, dass Sie sich gar nicht dazu informiert haben? :)
Einfach mal Venezuela bei Wikipedia eingeben wäre schonmal ein Anfang. Und dann halt bei den Quellen mal kritisch schauen wo die Zahlen herkommen...
Es ist aber schon so, dass jetzt Arme z.B. bessere Gesundheitsversorgung genießen und die Ungleichheit beim Vermögen zurückgegangen ist. Das ist für die meisten Menschen in Venezuela eine deutliche Verbesserung ihrer Situation.
Handelt es sich bei diesem Interview verblüffenden Inhalts und überraschender Struktur um eine vereinzelte Schwalbe? Es wird doch nicht etwa echte Nachdenklichkeit in die eiskalten ideologischen Hallen der Zeit einziehen und mit dem Feuer resultierender Erkenntnis dort menschliche Wärme verbreiten?
Dies grenzte ja schon an Gefühlsduselei. Aber die ist bei der Zeit doch den vermögenden "demokratischen Eliten“ vorbehalten und nicht venezolanischen "Parias". Oder?
Das könnte daran liegen, dass Sie sich gar nicht dazu informiert haben? :)
Einfach mal Venezuela bei Wikipedia eingeben wäre schonmal ein Anfang. Und dann halt bei den Quellen mal kritisch schauen wo die Zahlen herkommen...
Es ist aber schon so, dass jetzt Arme z.B. bessere Gesundheitsversorgung genießen und die Ungleichheit beim Vermögen zurückgegangen ist. Das ist für die meisten Menschen in Venezuela eine deutliche Verbesserung ihrer Situation.
Another day, another Chávez apologist. What else is new?
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