Venezuela "Ich bin für Chávez, trotz allem"Seite 3/3
ZEIT ONLINE: Kritiker fürchten, dass Chávez Venezuela in eine ähnliche Richtung wie Kuba führen möchte, wenn er das Referendum gewinnt.
Zelik: Wenn man in Venezuela ist, wünscht man sich manchmal es wäre ein bisschen mehr wie Kuba (lacht). Dort wird gelegentlich gegen Korruption vorgegangen, und es gibt eine staatliche Verwaltung, die sich bei Naturkatastrophen effizient um die Bevölkerung kümmert. Chávez zufolge soll Venezuela nicht wie Kuba werden. Der "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" wird ja als demokratisches, plurales, indigen und christlich beeinflusstes Projekt definiert. Man muss sehen, dass es nach zehn Jahren Chávez immer noch Parteigründungen, eine starke Opposition und eine Vielzahl von Medien gibt. Und auch die Unternehmer sind mit Chávez eigentlich sehr gut gefahren: Bei den wenigen Enteignungen sind sie hoch entschädigt worden. Die Umverteilung des Wohlstands hat einen Konsumboom ausgelöst und dem Handel, aber auch den Banken hohe Profite ermöglicht. Trotzdem finde ich den Einwand berechtigt. Immer wieder bezieht sich Chávez sehr positiv auf staatssozialistische Länder. Mir ist dabei schleierhaft, wie man den Sozialismus des 21. Jahrhunderts aufbauen will, ohne den Sozialismus des 20. Jahrhunderts verstanden und radikal kritisiert zu haben.
ZEIT ONLINE: Danke, Herr Zelik, für das Gespräch. Leicht war es nicht, Ihnen etwas Kritisches über Chávez zu entlocken.
Zelik: In Venezuela versucht man, etwas anders zu machen. Normalerweise verwalten Mitte-Links-Regierungen heute nur den Neoliberalismus. Venezuela geht einen anderen Weg. Man bemüht sich darum, etwas für die 50 bis 60 Prozent der Gesellschaft zu tun, die sozial und politisch ausgeschlossen sind. Allein dieser Impuls ist viel wert. Auch wenn Chávez’ politische Praxis oft weit hinter seiner Rhetorik zurückbleibt.
Raul Zelik
ist Politikwissenschaftler, Schriftsteller und war zuletzt Gastprofessor an der Nationaluniversität in Bogotá / Kolumbien.
Die Fragen stellte Michael Schlieben
- Datum 17.04.2009 - 12:46 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 18
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Unglaublich einen nicht einseitig kritisierenden Artikel über Chavez in der Zeit zu lesen...was ist los liebe Zeit-Redaktion? Obwohl der Fragesteller sich ja ein bisschen mehr Kritik gewünscht hat, nicht wahr?
endlich mal ein differenzierter Artikel über Chavez, der auch einen gewissen Informationsgehalt hat!
Man sieht, wie kompliziert die Situation in dem Land ist, aber man sieht auch, dass es denkende Menschen gibt, die nicht nur Schwarz-Weiß-Muster kennen. Und die Welt ist ja nun mal nicht Schwarz-Weiß!!!
Habe mir die Augen gerieben als ich dieses Interyiew gelesen habe. Hätte es nicht mehr für möglich gehalten, dass solch ein differenziertes Interview in den deutschen Mainstreammedien gedruckt wird.
Ich beobachte die Entwicklung in Südamerika mit Spannung und viel Sympathie. Natürlich macht Chavez Fehler, dass ist bei Menschen nun mal so, aber, und das ist entscheident, die Grundrichtung stimmt.
Es bewegt sich was auf dem ausgeplünderten Kontinent Südamerika.
mfg
Wenn Gott von meinen Plänen wüßte, er käme vor lachen nicht mehr in den Schlaf.
Der beherrscht doch sonst die Agenda mit seinen antihumanistisch-plutokratenfreundlichen Artikeln.
_________________________________________________
In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
______
geht es den Menschen in Venezuelas besser??? Das ist die Frage nach all den Jahren mit Chavez. Ich sehe nicht das er die Sache besser macht als sein Kollegen/in.
badboy
Das könnte daran liegen, dass Sie sich gar nicht dazu informiert haben? :)
Einfach mal Venezuela bei Wikipedia eingeben wäre schonmal ein Anfang. Und dann halt bei den Quellen mal kritisch schauen wo die Zahlen herkommen...
Es ist aber schon so, dass jetzt Arme z.B. bessere Gesundheitsversorgung genießen und die Ungleichheit beim Vermögen zurückgegangen ist. Das ist für die meisten Menschen in Venezuela eine deutliche Verbesserung ihrer Situation.
Das könnte daran liegen, dass Sie sich gar nicht dazu informiert haben? :)
Einfach mal Venezuela bei Wikipedia eingeben wäre schonmal ein Anfang. Und dann halt bei den Quellen mal kritisch schauen wo die Zahlen herkommen...
Es ist aber schon so, dass jetzt Arme z.B. bessere Gesundheitsversorgung genießen und die Ungleichheit beim Vermögen zurückgegangen ist. Das ist für die meisten Menschen in Venezuela eine deutliche Verbesserung ihrer Situation.
Handelt es sich bei diesem Interview verblüffenden Inhalts und überraschender Struktur um eine vereinzelte Schwalbe? Es wird doch nicht etwa echte Nachdenklichkeit in die eiskalten ideologischen Hallen der Zeit einziehen und mit dem Feuer resultierender Erkenntnis dort menschliche Wärme verbreiten?
Dies grenzte ja schon an Gefühlsduselei. Aber die ist bei der Zeit doch den vermögenden "demokratischen Eliten“ vorbehalten und nicht venezolanischen "Parias". Oder?
Das könnte daran liegen, dass Sie sich gar nicht dazu informiert haben? :)
Einfach mal Venezuela bei Wikipedia eingeben wäre schonmal ein Anfang. Und dann halt bei den Quellen mal kritisch schauen wo die Zahlen herkommen...
Es ist aber schon so, dass jetzt Arme z.B. bessere Gesundheitsversorgung genießen und die Ungleichheit beim Vermögen zurückgegangen ist. Das ist für die meisten Menschen in Venezuela eine deutliche Verbesserung ihrer Situation.
Another day, another Chávez apologist. What else is new?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren