Roman : Früher der Mord, jetzt das Leben

Liebesgeschichte, Räuberpistole, Berlinroman: Jakob Arjounis hinreißendes Gaunerbuch "Der heilige Eddy"

"Schreiben ist wie verknallt sein", sagt er, und es klingt bei Jakob Arjouni wie eine höhere Form der Erkenntnis. "Denn weshalb sonst widmet man sich zwei oder drei Jahre seines Lebens einer Figur und einem Thema?" Blickt man auf die inzwischen ziemlich imposante Liste seiner Veröffentlichungen seit dem Jahr 1985, in dem sein erster Krimi Happy Birthday, Türke erschien, so scheint für den wahlweise in Berlin und Südfrankreich lebenden Schriftsteller Jakob Arjouni Verknalltsein eine Art Dauerzustand zu sein – lediglich unterbrochen von  regelmäßig eingelegten Kunstpausen. "Denn wenn ich ein Buch beendet habe, fühle ich mich in der Regel körperlich ziemlich erschöpft. Doch zum Glück ist immer schon die Idee für etwas Neues da."

Nun ist wieder etwas Neues da, der Roman Der heilige Eddy, Arjounis neuntes Buch. 246 schwebend leicht inszenierte Seiten deutscher Screwball-Prosa, die sich lesen wie ein Film in Worten: temporeich und lustig.

Arjouni entrollt die Geschichte des Berliner Kleinkriminellen Eddy Stein, der sich mit seinem begrenzten Repertoire kleinerer Trickbetrügereien mehr schlecht als recht über Wasser hält und in seiner Freizeit gemeinsam mit seinem russischen Partner Arkadi musizierend durch Berlins Fußgängerzonen zieht. Bis ihm das Schicksal den derzeit dicksten Fisch Berlins vor die Füße spült. Und Eddys Kleingaunerleben innerhalb weniger Sekunden eine 360-Grad-Drehung erfährt.

Denn kein Geringerer als der in der Metropole meistgehasste Mann, der Imbissbuden-Millionär und Großkapitalist Horst König, steht ihm eines Tages im Treppenhaus des Kreuzberger Hauses gegenüber. König gerät aus Unachtsamkeit ins Stolpern, fällt die Treppe runter und ist tot – und Eddy hat plötzlich ein ziemliches Problem.

"Als Eddy Königs Kleider vor kaum fünf Minuten durchsucht, ihn anschließend in die Decke gerollt und mit Paketband umwickelt hatte, war er einen Moment lang kurz davor gewesen, alles hinzuschmeißen – den nächsten Flug nach Afrika zu nehmen, das Haus anzuzünden oder Königs Leiche aus dem Fenster in den Hausmeistergarten zu werfen, sich ins Bett zu legen und zu beten, dass man ihn einfach vergessen würde."

Doch weil das Wünschen in derlei Situationen noch selten geholfen hat, und er nichts von alledem tut, verstrickt sich Arjounis mächtig in die Bredouille geratener Held vielmehr in ein Abenteuer von geradezu irrwitzigem Kaliber. Ehe er dann zuletzt hinter Gefängnismauern landet, verdreht er aber noch schnell der ebenso schönen wie exzentrischen Königstochter Romy den Kopf – und die federleichte Klamotte biegt leider viel zu früh auf die Zielgerade ein.

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