Japan Wirtschaftskrise gefährdet politische StabilitätSeite 2/2

ZEIT ONLINE: Wie könnten diese aussehen?

Gern: Das politische System dürfte weiter geschwächt werden. Die regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) verliert derzeit an Unterstützung, der Streit um die richtige Krisenpolitik hat die Partei zuletzt gespalten. Die Regierung steht in der Krise schwach da. Mit Unruhen, wie wir sie bereits in einigen Schwellenländern beobachten können, rechne ich hingegen nicht.

ZEIT ONLINE: Die japanische Wirtschaft gilt noch immer als hochbürokratisiert und überreguliert. Wird sich das durch die Krise ändern?

Gern: Japan hat seine Wirtschaft in den vergangenen Jahren geöffnet und strukturelle Reformen angepackt, der Reformeifer ließ aber zuletzt nach. Das ist ein typisches Verhaltensmuster in Japan: In der Krise werden Reformen angestoßen und große Pläne geschmiedet. Läuft die Wirtschaft wieder, kommt der Reformelan allerdings wieder zum Erliegen.

ZEIT ONLINE: Welche Chancen hat Japan, die Krise halbwegs glimpflich zu überstehen?

Gern: Das Land ist in einer wenig komfortablen Situation. Der Spielraum für eine expansive Finanzpolitik, wie sie andere Länder betreiben, ist gering. Die öffentlichen Finanzen sind desaströs, die Schuldenquote liegt bei nahezu 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Japan leidet noch immer unter den Folgen der schweren Rezessionen in den Jahren 1993 und 1998, als man die Staatsschulden massiv erhöhte, um die Folgen einer platzenden Immobilienblase zu lindern. Langfristig wird dieser Schuldenberg Japan noch zu schaffen machen. Spätestens dann, wenn die Zinsen und damit die Lasten des Schuldendienstes steigen werden. Kurzfristig besteht gleichwohl die Hoffnung, dass der freie Fall ab dem Frühjahr zum Ende kommt, wenn sich die Lage der Handelspartner stabilisiert.

Klaus-Jürgen Gern ist Konjunkturexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Er beschäftigt sich seit Jahren mit Japans wirtschaftlicher Entwicklung.

Die Fragen stellte Philip Faigle.

 
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