Konjunkturpaket II Liberale stellen Großer Koalition Ultimatum

Es mehren sich die Appelle an die FDP, ihren Widerstand gegen das Konjunkturpaket im Bundesrat aufzugeben. Auch die Liberalen selbst erhöhen den Druck

In der Diskussion um das größte Programm zur Förderung der Wirtschaft in der bundesdeutschen Geschichte versuchen die Liberalen, in letzter Minute noch Änderungen durchzusetzen: Den am Montag erzielten Kompromiss der FDP-mitregierten Länder mit der Großen Koalition kündigte der niedersächsische Chef der Partei, Philipp Rösler, am Dienstag wieder auf.

Ausdrücklich lehnte der Verhandlungsführer der Liberalen den Vorschlag ab, den Streit um steuerliche Entlastung der Bürger mit einem gemeinsamen Entschließungsantrag der von Union und FDP regierten Länder beizulegen, das Konjunkturpaket selbst aber unverändert zu lassen. "Ein Bekenntnis reicht nicht, wir wollen schon zu echten materiellen Verbesserungen kommen", sagte Rösler der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung .

Anzeige

Der von der CDU vorgeschlagene Kompromiss sah vor, das vom Bundestag bereits beschlossene Konjunkturpaket am Freitag im Bundesrat zu bestätigen und die von der FDP verlangte Steuerentlastung der Bürger später zu verwirklichen. Am Montag schienen die FDP-mitregierten Länder damit zufrieden zu sein. Ein zeitraubendes Vermittlungsverfahren zwischen Bundestag und Bundesrat wäre somit abgewendet gewesen.

Doch Rösler traut einem solchen Deal keine große Standzeit zu. "Die Große Koalition muss uns noch vor dem Freitag inhaltlich entgegenkommen, andernfalls stimmen wir nicht zu", forderte der designierte niedersächsische Wirtschaftsminister. Die Liberalen verlangen, die ohnehin geplante Anhebung des Grundfreibetrages bei der Einkommenssteuer auf 8004 Euro rückwirkend auf den Jahresbeginn vorzuziehen.

Gravierende Änderungen an dem Gesetzespaket würden in ein Vermittlungsverfahren münden und eine erneute Abstimmung im Bundestag erfordern – kostbare Zeit verstriche, in der die Wirtschaft eigentlich bereits von den Fördermilliarden profitieren sollte. Hinzu kommt, dass Länder und Kommunen die Finanzhilfen zum Teil bereits verplant haben. Baugenehmigungen sind beantragt, erste Vergabeverfahren haben begonnen.

Die bisherige Eile droht nun zum Hemmnis zu werden: Der Bundestag hatte das Konjunkturpaket am Freitag mit den Stimmen der Großen Koalition verabschiedet, ohne dass die Differenzen mit den Ländern ausgeräumt gewesen wären. Widerstand kommt nicht nur von den Liberalen. Die in Hamburg und Bremen mitregierenden Grünen machten ihr Ja in der Länderkammer von Zugeständnissen beim Umweltschutz abhängig. Die Große Koalition ist im Bundesrat aber auf Stimmen aus dem FDP- oder Grünen-Lager angewiesen, da ihr seit der Landtagswahl in Hessen die erforderliche Mehrheit in der Länderkammer fehlt.

Leser-Kommentare
    • Hipper
    • 17.02.2009 um 11:26 Uhr

    Josef Ackermann saß auch am Tisch der Bundesregierung als der Bankenrettungsschirm konzepiert wurde - dann kann auch die FDP das Konjunkturpaket mitgestalten, frei nach dem Motto: "All die wirtschaftsliberalen Versager von gestern spielen sich heute wieder als Kompetenzkanonen auf"

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • TyRell
    • 17.02.2009 um 11:29 Uhr

    Selbst mein jüngerer Bruder im Kindergarten hätte eine inhaltlich korrektere Analyse der aktuellen Situation machen können. Vielen Dank für Ihren Kommentar.

    • TyRell
    • 17.02.2009 um 11:29 Uhr

    Selbst mein jüngerer Bruder im Kindergarten hätte eine inhaltlich korrektere Analyse der aktuellen Situation machen können. Vielen Dank für Ihren Kommentar.

    • TyRell
    • 17.02.2009 um 11:27 Uhr

    Politisches Ungeschick endet meist tödlich. Das gesamte Konjunkturpaket in sich ist doch ohnehin eine Farce. Mit 400€ mehr für eine gewöhnliche Familie für das gesamte Jahr (!) fällt noch niemand in einen Konsumrausch. Das weiß die CDU. Das weiß die SPD. Nur die FDP scheint das noch nicht ganz realisiert zu haben.

    Dieses "Konjunkturpaket" ist nur eine psychologische Stimulierung der Öffentlichkeit, damit der Eindruck geweckt wird, dass die Regierung überhaupt etwas tut und getan hat.

    Irgendwie verleitet mich das Vorgehen der FDP zu einem Vergleich mit der Schiesser-Unterwäsche. In einem ZEIT-Artikel stand, dass man versucht hat, aus Unterwäsche mehr zu machen, als sie ist. Die FDP versucht derzeit aus diesem Paket der großen Koalition mehr zu machen, als es ist.

    Und was bei der Mehrheit der Bürger ankommen wird, ist doch offensichtlich. Bei der Zeitung mit den vier großen Buchstaben heißt es am nächsten Tag "FDP blockiert Konjunkturpaket", oder so ähnlich.

    Eine schlaue Partei hätte das Paket durchgewunken wie alle anderen Parteien, weil das Volk zu bescheiden denkt, um zu realisieren, dass es absurd ist, diese Hilfsmaßnahmen als "Konjunkturstütze" zu bezeichnen. Nur weil man es an die große Glocke hängt, dass man 50 Milliarden € ausgibt, heißt das nicht, dass es sinnvoll ist, wie man dieses Geld ausgibt.

    Der FDP kann man es hoch anrechnen, dass sie versucht, ein wirklich wirtschaftlich effiziente Unterstützung zu verabschieden, die wirklich konjunkturwirksam sein wird, aber so etwas kann man nicht mit der großen Koalition in Einklang bringen. So endet das ganze wie eine Tragödie: Die CDU und SPD schmücken sich damit, als Retter der Nation von der FDP blockiert zu werden, während Grüne und Linke im Hintergrund fehlende ökologische und soziale Maßnahmen beklagen.

    Ein Tag in der deutschen Demokratie, wie jeder andere Tag auch.

    • TyRell
    • 17.02.2009 um 11:29 Uhr

    Selbst mein jüngerer Bruder im Kindergarten hätte eine inhaltlich korrektere Analyse der aktuellen Situation machen können. Vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • TyRell
    • 17.02.2009 um 11:33 Uhr

    Das Wort "Geistig" zu benutzen, wäre wahrscheinlich sinnvoller gewesen. So wird der Sinn der Aussage ziemlich verfälscht. Peinlich, peinlich.

    • TyRell
    • 17.02.2009 um 11:33 Uhr

    Das Wort "Geistig" zu benutzen, wäre wahrscheinlich sinnvoller gewesen. So wird der Sinn der Aussage ziemlich verfälscht. Peinlich, peinlich.

    • TyRell
    • 17.02.2009 um 11:33 Uhr

    Das Wort "Geistig" zu benutzen, wäre wahrscheinlich sinnvoller gewesen. So wird der Sinn der Aussage ziemlich verfälscht. Peinlich, peinlich.

  1. ...und Deutschland wird nie wieder so wie es mal war. Das muss um jeden Preis verhindert werden. Ein sehr schöne Zusammenfassung warum das Konjunkturpaket so nicht funktionieren kann und warum auf keinen fall die FDP von der Krise profitieren darf:
    Oskar Lafontaine, DIE LINKE: Verschleuderung von Milliarden

    • Anonym
    • 17.02.2009 um 16:04 Uhr

    Auch wenn ich das Misstrauen gegenüber der Partei teile, was ihre Integrität angeht, so bleibt das Veto doch richtig, ebenso wie die gemachten Vorschläge.
    Die Linken mögen weniger auf den persönlichen Vorteil schielen, sie machen das aber locker mit dummer Ideologiehörigkeit wieder wett, was am Ende nur dazu führt, das statt der persönlichen Bereicherung, der Machtzuwachs einer Partei steht bei gleichzeitiger "Veröstlichung" Deutschlands. Das aber können wir nun wirklich nicht brauchen.

    Bei der geringen Größe des Paketes bleibt eine Blockade des Paketes ohnehin wirkungslos, weil das Paket nur dazu dient populistisch Handeln zu simulieren und gleichzeitig den Zugriff auf die Milliarden zu behalten und sich zu bereichern.
    (Siehe Berichterstattung über Brandenburgs Projekte etc.)
    Das heißt, dass eine verspätete Verbesserung ala FDP immer noch mehr bringt als das kümmerliche Paket, das jetzt verabschiedet wurde.
    Offenbar halten sich in der Regierung immer noch Einschätzungen, die glauben ein bisschen Psychologie würde es schon richten, so wie seinerzeit unter willi Brandt. Doch verkennt diese Haltung, dass damals die BRD noch fundamental gesund war, was heute keineswegs mehr der Fall ist nach 40 Jahren verschleppter Reformen. Die heutige Krise ist keine Psychologische, sie ist eine Fundamentale. Aber wie sollen das Leute erkennen können, die 40 Jahre lang Reformen verschleppt haben, deren Notwendigkeit sie bis heute für lässlich erachten?

    Wenn überhaupt eine öffentliche Position richtig ist, dann nur die der FDP.

    Die Forderung nach Verbindung mit ökologischen Zugeständnissen der Grünen ist angesichts der Lage grob verantwortungslos. Ökologie ist unbestreitbar sinnvoll und notwendig. Doch ökologische Politik ist teuer und kann nur bezahlt werden mit einer funktionierenden Wirtschaft. Der Verdacht liegt nahe, das es wieder einmal nur um noch mehr öffentlich subventionierte Jobs und Posten geht, so dass wir am Ende wie Frankreich dastehen, wo eine arrogante politische Kaste öffentlich bezahlt zwischen "Wirtschaft" und Politik hin und her pendelt und alle anderen allmählich aussperrt.
    Die bisher umgesetzte Umweltpolitik ist nicht unwesentlich am desolaten Zustand der öffentlichen Haushalte beteiligt, sind doch nicht gerade wenige Doppelstrukturen im öffentlichen Sektor aufgebaut worden, weil Grüne den vorhandene Strukturen schlicht die Kompetenz absprachen, obwohl sich vielfach eher die neuen Strukturen als mit Kompetenzmängeln behaftet herausgestellt haben.

    Das Geld direkt den Verbrauchern zukommen zu lassen, selbst wenn die kleinen Einkommen am wenigsten profitieren sollten, würde immer noch mehr bei den kleinen Einkommen ankommen lassen als alle anderen Vorschläge.
    Insofern sind die Vorwürfe, besser Gestellte würde über die Steuerermäßigung deutlich mehr profitieren ohnehin nur Nebelkerzen einer Apparatschikmafia in allen Parteien und Verbänden, die um den Zugriff bzw. das Verteilmonopol fürchtet, das ihre Existenz sichert.

    Berthold grabe

  2. Demokratie lebt von Regierung und Opposition.Wenn jedoch die Opposition in einer Weise agiert , die zum Stillstand führen könnte ( FDP und Grüne) , müssen die Einflußmöglichkeiten reduziert werden.Der Bundesrat hat m.E.die Funktion , bei Gesetzen und Beschlüssen des Bundestages zu prüfen ob die Länderinteressen nicht beeinträchtigt werden. Der Bundesrat hat keinesfalls die Funktion , Parteitagsbeschlüsse umzusetzen und ergo Parteiinteressen zu vertreten bzw.einfließen zu lassen im Gesetzgebungsverfahren.Hier muß dringend ein Riegel vorgeschoben werden , wenn wir nicht von Selbstdarstellern wie den Herren Westerwelle und Rößler (FDP)oder der Dame Haiduck(Grüne)in eine Situation gebracht werden wollen, die nur noch bremst und nichts mehr gestalten läßt.

    • Hipper
    • 17.02.2009 um 18:07 Uhr

    Das Problem ist ja gerade, dass die Vorschläge der FDP eben nicht gut sind und der Krisensitation nicht gerechnet werden. Vielmehr recyceln sie ihre alten Textbausteine und ignorieren die Krise. So sind Einkommenssteuersenkung mit Sicherheit der ineffektivste Konjunkturstimulus ( hoher Versickerungsgrad, langfristige Belastung der öffentlichen Haushalte, Auschluß relevanter Bevölkerungsgruppen etc. )

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 18.02.2009 um 8:35 Uhr

    "So sind Einkommenssteuersenkung mit Sicherheit der ineffektivste Konjunkturstimulus ( hoher Versickerungsgrad, langfristige Belastung der öffentlichen Haushalte, Auschluß relevanter Bevölkerungsgruppen etc. )"

    Wieso sollte das so sein? Sie bleiben jede Erklärung schuldig.

    Andererseits sind die Maßnahmen, so wie sie schon gestartet wurden doch noch viel weniger wirksam, wenn Minister zentral (also nicht marktwirtschaftlich) ihre Steckenpferde finanzieren, von denen der Bürger noch weniger hat, weil seine Kaufkraft nicht gestärkt, sondern weiter geschwächt wird.
    Zurück bleibt so nur ein noch größeres Staatsdefizit, was am Ende nur mit noch höheren Steuern finanziert werden muss, ohne dass nachhaltig eine nachfragestimulierte Erholung in Gang gekommen wäre.

    Sicher wäre die Senkung der Sozialabgaben noch sinnvoller, weil vor allem diese hauptsächlich für die Konsumschwäche gerade der niedrigen und mittleren Einkommen verantwortlich sind. Allerdings stellt sich dann die Frage, wer die vielen Subventionen und Kostgänger finanzieren soll, die erst mal neue produktive Arbeit benötigten, damit die reale und nicht nur die nominale Wertschöpfung in Deutschland wieder steigt.
    Gerade die Abwrackprämie hat doch deutlich bewiesen, dass offensichtlich die Nettoeinkünfte viel zu niedrig sind, bei hohen Bruttobelastungen für die Unternehmen.

    Berthold Grabe

    • Anonym
    • 18.02.2009 um 8:35 Uhr

    "So sind Einkommenssteuersenkung mit Sicherheit der ineffektivste Konjunkturstimulus ( hoher Versickerungsgrad, langfristige Belastung der öffentlichen Haushalte, Auschluß relevanter Bevölkerungsgruppen etc. )"

    Wieso sollte das so sein? Sie bleiben jede Erklärung schuldig.

    Andererseits sind die Maßnahmen, so wie sie schon gestartet wurden doch noch viel weniger wirksam, wenn Minister zentral (also nicht marktwirtschaftlich) ihre Steckenpferde finanzieren, von denen der Bürger noch weniger hat, weil seine Kaufkraft nicht gestärkt, sondern weiter geschwächt wird.
    Zurück bleibt so nur ein noch größeres Staatsdefizit, was am Ende nur mit noch höheren Steuern finanziert werden muss, ohne dass nachhaltig eine nachfragestimulierte Erholung in Gang gekommen wäre.

    Sicher wäre die Senkung der Sozialabgaben noch sinnvoller, weil vor allem diese hauptsächlich für die Konsumschwäche gerade der niedrigen und mittleren Einkommen verantwortlich sind. Allerdings stellt sich dann die Frage, wer die vielen Subventionen und Kostgänger finanzieren soll, die erst mal neue produktive Arbeit benötigten, damit die reale und nicht nur die nominale Wertschöpfung in Deutschland wieder steigt.
    Gerade die Abwrackprämie hat doch deutlich bewiesen, dass offensichtlich die Nettoeinkünfte viel zu niedrig sind, bei hohen Bruttobelastungen für die Unternehmen.

    Berthold Grabe

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service