Mehr als 50 Bücher über Abraham Lincoln erscheinen dieses Jahr in den USA. Die Leser könnten gar nicht genug von ihm bekommen. Seit seinem Tod im April 1865 sind mehr Bücher über Lincoln erschienen als Tage vergangen. Gerade in Zeiten des Wandels interessierten die Menschen sich für den Präsidenten, sagt der Historiker Robert J. Brugger von der Johns Hopkins Universität: "Lincoln personifiziert das, wofür die USA stehen."

Lincolns Leben klingt wie das Märchen vom amerikanischen Traum. Der Bauernsohn aus der Wildnis in Illinois stieg auf zum umjubelten Präsidenten. Lincoln, der nur 18 Monate zu Schule ging, brachte sich vieles selber bei. Vergeblich versuchte sein Vater ihn mit Schlägen vom Lesen abzuhalten. Der ungehorsame Sohn bildete sich selber mit Fachliteratur zum Juristen aus und erhielt 1837 das Anwaltspatent.

1854 hielt er eine Aufsehen erregende Rede gegen die Sklaverei. Dieser Appell leitete eine steile Karriere in der Republikanischen Partei ein. In den späten 1850er Jahren trat Lincoln häufig bei öffentlichen Debatten auf und wurde landesweit bekannt. Obwohl er im Jahr 1860 keinen Wahlkampf führte und sein Name nicht auf  den Wahllisten in den Südstaaten stand, wurde Lincoln zum 16. Präsidenten der USA gewählt.

Mitte des 19. Jahrhunderts war das Land gespalten, der Süden bestand auf die Sklavenhaltung, im Norden lehnten die Menschen sie aus religiösen und politischen Gründen ab. Lincolns Vorgänger James Buchanan hatte noch nach einem Kompromiss mit dem Süden gesucht – Lincoln war zu keinen Zugeständnissen bereit. Dabei sorgte er sich weniger um die Sklaven als um die USA: Der Staatenbund war ihm  nur denkbar als demokratisches Gemeinwesen, in dem alle Menschen frei sind. So blieb aus seiner Sicht allein die Wahl zwischen Teilung oder Krieg.

Die Südstaaten erklärten nach Lincolns Ernennung nach und nach ihre Unabhängigkeit. Der Bürgerkrieg begann im April 1861 mit dem Angriff von Truppen der Südstaaten auf eine Festung in South Carolina. Der frisch vereidigte Präsident Lincoln mobilisierte die Armee. Die Soldaten der Südstaaten eilten zunächst von Sieg und Sieg, doch Lincoln blieb hart. Er werde das Spiel nicht aufgeben, bevor er nicht alle seine Karten gespielt habe.

Privat war Lincoln eher ein friedliebender Mensch. Als Kind pflegte er aus dem Nest gefallene Küken und rettete Schildkröten vor den Quälereien anderer Kinder. Als Politiker nahm er hingegen einen Bürgerkrieg in Kauf, in dem mehr Amerikaner starben als in jedem anderen Waffengang.